{"id":16472,"date":"2025-11-13T17:09:16","date_gmt":"2025-11-13T17:09:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.coinspeaker.com\/de\/?p=16472"},"modified":"2025-11-13T17:09:16","modified_gmt":"2025-11-13T17:09:16","slug":"forderung-der-linken-und-gruenen-jetzt-geraet-die-steuer-haltefrist-richtig-unter-druck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.coinspeaker.com\/de\/forderung-der-linken-und-gruenen-jetzt-geraet-die-steuer-haltefrist-richtig-unter-druck\/","title":{"rendered":"Forderung der Linken und Gr\u00fcnen: Jetzt ger\u00e4t die Steuer-Haltefrist richtig unter Druck"},"content":{"rendered":"
W\u00e4hrend Berlin die EU-Richtlinie DAC8 in nationales Recht gie\u00dft und Krypto-Dienstleister ab 2026 zur umfassenden Datenlieferung zwingt, haben SPD, Gr\u00fcne und Linke ein neues Ziel ausgemacht: die steuerfreie Ein-Jahres-Haltefrist f\u00fcr Bitcoin & Co zu kippen. Mit Verweis auf Blockpit-Zahlen von mutma\u00dflich \u00fcber 47 Milliarden Euro Kryptogewinnen und einer angeblichen \u201eKryptol\u00fccke, die uns Milliarden kostet\u201c, ger\u00e4t ein zentrales Privileg deutscher Privatanleger ins Visier \u2013 und damit die Frage, wie lange sich langfristiges Hodln noch steuerlich auszahlt.<\/p>\n
Der Startschuss kam aus den eigenen Reihen der Regierung: Der Seeheimer Kreis, der einflussreiche rechte Fl\u00fcgel der SPD-Bundestagsfraktion, fordert in seinem Strategiepapier \u201eGerechtigkeit schafft St\u00e4rke\u201c die Abschaffung der steuerfreien Ein-Jahres-Haltefrist f\u00fcr Kryptow\u00e4hrungen,<\/a> Coinspeaker berichtete. Gewinne aus Bitcoin, Ethereum & Co. sollen \u201eunabh\u00e4ngig von der Haltedauer\u201c besteuert werden \u2013 begr\u00fcndet mit dem Satz, der seitdem durch die politische Debatte geistert: \u201eEinkommen ist Einkommen \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob es aus Aktien, Krypto oder Immobilien stammt.\u201c<\/p>\n Erst seit Kurzem ist der SPD-Vorsto\u00df \u00f6ffentlich. Jetzt legten Gr\u00fcne und Linke im Bundestag mit einem potenziellen Belastungstest f\u00fcr Privatanleger, die bislang auf steuerfreie Langfristgewinne setzen, nach. In der Debatte zur Umsetzung der EU-Richtlinie DAC8 in deutsches Recht argumentierte der Gr\u00fcnen-Abgeordnete Max Lucks, Deutschland sei ein \u201eSteuerparadies f\u00fcr Kryptospekulationen\u201c und verwies auf eine angebliche \u201eKryptol\u00fccke\u201c, die den Staat Milliarden koste. Zugleich brachten sowohl B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen als auch Die Linke Entschlie\u00dfungsantr\u00e4ge ein, die auf eine Abschaffung beziehungsweise \u00dcberpr\u00fcfung der bisherigen Haltefrist zielten; fanden daf\u00fcr im Plenum aber keine Mehrheit, wie das Protokoll<\/a> der 37. Sitzung des Bundestags zeigt.<\/p>\n Nach dem Vorsto\u00df des SPD-Fl\u00fcgels ist die Haltefrist nicht mehr nur ein Fachthema f\u00fcr Steuerjuristen und Krypto-Nerds, sondern ein politischer Lackmustest f\u00fcr die k\u00fcnftige Krypto-Strategie der gro\u00dfen Parteien \u2013 und ein potenzieller Belastungstest f\u00fcr Privatanleger, die bislang auf steuerfreie Langfristgewinne setzen.<\/p>\n <\/p>\n <\/p>\n Ein Beitrag geteilt von Blocktrainer (@blocktrainer.de)<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/blockquote>\n W\u00e4hrend die Haltefrist politisch unter Beschuss ger\u00e4t, zieht es auch auf anderen Ebene merklich an: DAC8 verpflichtet die EU Krypto-Dienstleister, also B\u00f6rsen, Broker und bestimmte Wallet-Anbieter, ab 2026 detaillierte Daten zu ihren Kunden und deren Transaktionen an die Steuerbeh\u00f6rden zu melden.<\/p>\n Laut einem Begleitartikel des Bundestags sollen sch\u00e4tzungsweise sieben Millionen Anlegerinnen und Anleger erfasst werden, die bereits in Kryptow\u00e4hrungen investieren. Die Meldepflicht richtet sich dabei an die Dienstleister: Sie m\u00fcssen k\u00fcnftig unter anderem Identit\u00e4tsdaten der Kunden sowie Art und Umfang der Kryptotransaktionen an das Bundeszentralamt f\u00fcr Steuern (BZSt) \u00fcbermitteln, das die Informationen mit anderen EU-Staaten austauschen soll.<\/p>\n Wie die Auswertung dieser Datens\u00e4tze im Detail aussehen wird, ist offiziell noch offen. Klar ist aber: Ab 2026 schl\u00e4gt das Finanzamt zu<\/a>: Plattformen m\u00fcssen Daten nach dem OECD-Standard CARF und DAC8 sammeln, ab Anfang 2027 sollen die ersten Pakete bei den Finanzbeh\u00f6rden eintreffen \u2013 in Deutschland wie in \u00d6sterreich. Vom automatisierten Abgleich mit bisherigen Steuererkl\u00e4rungen bis zu Risiko-Scorings, um besonders auff\u00e4llige F\u00e4lle zu identifizieren, sind typische Abl\u00e4ufe.<\/p>\n Der in der Kryptoszene durchaus kritisierte \u00d6konom Pierre Georg von der Frankfurt School unterstreicht in seiner Stellungnahme f\u00fcr den Bundestag, Ziel des Gesetzes sei eine verl\u00e4ssliche Datengrundlage, weil die Bundesregierung bislang selbst einr\u00e4umt, keinen statistischen Nachweis \u00fcber das Steueraufkommen aus Kryptotransaktionen zu haben. Vor diesem Hintergrund bewertet er die DAC8-Umsetzung als \u201ewillkommene Initiative\u201c, um Gewinne aus Kryptogesch\u00e4ften besser erfassen und Steuerhinterziehung wirksamer bek\u00e4mpfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n Im Rahmen der Diskussionen zur Umsetzung der DAC-8-Richtlinie forderten @dieLinke<\/a> und @Die_Gruenen<\/a>, dass die steuerliche Haltefrist f\u00fcr Bitcoin- & Krypto-Gewinne abgeschafft wird. \ud83c\udde9\ud83c\uddea\ud83d\udc40<\/p>\n Beide Parteien reichten daf\u00fcr sogar Entschlie\u00dfungsantr\u00e4ge ein! \ud83d\ude33 \u2014 Blocktrainer (@blocktrainer) November 11, 2025<\/a><\/p><\/blockquote>\n Den politischen Druck auf die Haltefrist begr\u00fcnden SPD-Seeheimer, Gr\u00fcne und Linke vor allem mit einer Zahl, die mittlerweile in jeder Debatte f\u00e4llt: 47,3 Milliarden Euro. So hoch sch\u00e4tzt der Krypto-Steuersoftware-Anbieter Blockpit in seiner Studie<\/a> die realisierten Kryptogewinne deutscher Anleger im Jahr 2024.<\/p>\n Blockpit zufolge z\u00e4hlt Deutschland \u00fcber sieben Millionen aktive Krypto-Nutzer, deren Gewinne 2024 auf diese 47,3 Milliarden Euro kamen. Mehr als 63 % dieser Gewinne seien steuerfrei geblieben, weil die betreffenden Assets l\u00e4nger als ein Jahr gehalten worden seien; direkter Effekt der Haltefrist-Regelung. Auf dieser Basis argumentiert Georg in seiner Stellungnahme, dem Staat entgehe \u201eein mittlerer einstelliger Milliardenbetrag\u201c an potenziellen Steuereinnahmen und die steuerliche Beg\u00fcnstigung spiele vor allem besonders Verm\u00f6genden in die H\u00e4nde.<\/p>\n Auch Max Lucks bezieht sich im Bundestag darauf. Er fasst zusammen: Von den 47 Milliarden Euro Kryptogewinnen seien davon nur 17 Milliarden steuerpflichtig \u2013 weil f\u00fcr Krypto eine Ausnahme von der Spekulationsfrist angewandt werde, \u201edie eigentlich f\u00fcr Kunstwerke oder Armbanduhren gedacht ist\u201c. Das sei eine \u201ehimmelschreiende Ungerechtigkeit\u201c, die \u201eKryptol\u00fccke\u201c koste Milliarden und m\u00fcsse beendet werden.<\/p>\n Kritik an dieser Argumentation kommt nicht nur aus der Krypto-Community, sondern direkt aus dem Parlament. AfD-Abgeordnete werfen den anderen Fraktionen \u201eGier auf riesige Steuereinnahmen aus dem Kryptobereich\u201c vor. Auch unabh\u00e4ngige Beobachter verweisen darauf, dass es sich bei den Blockpit-Zahlen um Hochrechnungen handelt, die zwangsl\u00e4ufig Annahmen \u00fcber Marktanteile und Meldeverhalten enthalten \u2013 und damit keine amtlichen Statistiken ersetzen.<\/p>\n Selbst das Bundesfinanzministerium h\u00e4lt derzeit fest, dass ein statistischer Nachweis der H\u00f6he der Einnahmen aus der Besteuerung von Kryptowerten nicht m\u00f6glich sei und der Bundesregierung keine Quellen zur Einsch\u00e4tzung des Handelsvolumens und der realisierten Gewinne vorl\u00e4gen, die eine valide Bewertung erlauben w\u00fcrden. Genau diese L\u00fccke soll DAC8 schlie\u00dfen \u2013 gleichzeitig dient sie aber als Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr politische Forderungen, die auf Basis von Industriesch\u00e4tzungen weitreichende steuerliche Konsequenzen f\u00fcr Millionen Anleger h\u00e4tten.<\/p>\n Damit dir bei der n\u00e4chsten Steuererkl\u00e4rung keine kostspieligen Fehler unterlaufen, lohnt sich ein Blick in unseren aktuellen Vergleich der wichtigsten Krypto-Steuertools 2025.<\/a><\/p>\n\n
DAC8: Die neue Melde-Maschine der Finanz\u00e4mter ab 2026<\/h2>\n
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\n\u2b07\ufe0fhttps:\/\/t.co\/t3CrfeJmDE<\/a><\/p>\nWie gro\u00df ist die \u201eKryptol\u00fccke\u201c?<\/h2>\n
<\/p>\nHaltefrist heute: Was (noch) gilt<\/h2>\n