Binance-Skandal: Nutzerdaten an russische Behörden übergeben

On Aug. 18, 2026 at 12:04 p.m. UTC by · 3 Min. read

Binance hat auf ein Ersuchen russischer Ermittler aus dem Jahr 2025 reagiert und die Transaktionshistorie sowie Identitätsdaten von Yuri Belenkiy, einem russischen IT-Spezialisten, übermittelt. Diese Daten wurden laut von Reuters eingesehenen Strafverfolgungsdokumenten in einen vorläufigen Fallbericht eingefügt, der an die Generalstaatsanwaltschaft Russlands gesendet wurde. Das russische Ermittlungskomitee behauptete in einer Erklärung vom 13. Oktober 2025, […]

Binance hat auf ein Ersuchen russischer Ermittler aus dem Jahr 2025 reagiert und die Transaktionshistorie sowie Identitätsdaten von Yuri Belenkiy, einem russischen IT-Spezialisten, übermittelt. Diese Daten wurden laut von Reuters eingesehenen Strafverfolgungsdokumenten in einen vorläufigen Fallbericht eingefügt, der an die Generalstaatsanwaltschaft Russlands gesendet wurde.

Das russische Ermittlungskomitee behauptete in einer Erklärung vom 13. Oktober 2025, dass Belenkiy zwischen Januar 2023 und März 2024 mehr als 700 US-Dollar an Organisationen mit Verbindungen zum ukrainischen Militär gesendet habe. Dazu gehört auch eine Gruppe, die zu verschiedenen Zeiten als Asow-Brigade oder Asow-Regiment bekannt war und von Moskau als Terrororganisation eingestuft wird.

Dies ist nicht bloß eine routinemäßige Datenabfrage der Strafverfolgungsbehörden. Es ist ein Beleg dafür, dass Binance auch zwei Jahre nach der Ankündigung eines vollständigen Rückzugs vom russischen Markt einen operativen Kanal zu den dortigen Behörden aufrechterhielt. Zudem lieferte der Compliance-Apparat der Börse Daten, die zur strafrechtlichen Verfolgung eines Spenders für ukrainische Krypto-Kampagnen verwendet wurden – ein Vorgang, den Moskau als Terrorismusfinanzierung behandelt.

ENTDECKEN SIE: Günstige Kryptowährungen mit Potenzial

Der Rückzug von Binance aus Russland und die Reuters-Dokumente

Binance gab in einer von The Straits Times am 4. Oktober 2023 veröffentlichten Erklärung bekannt, dass sich das Unternehmen „vollständig aus Russland zurückzieht“. Der Chief Compliance Officer Noah Perlman erklärte damals, dass ein Betrieb in Russland nicht mit der Compliance-Strategie von Binance vereinbar sei. Das Unternehmen gab an, dass der Prozess, der den Verkauf von Vermögenswerten an die neu gegründete Plattform CommEX beinhaltete, etwa ein Jahr in Anspruch nehmen würde.

Die Dokumente, die von „The First Department“ – einer russischen NGO, die Opfer politisch motivierter Strafverfolgung unterstützt – beschafft wurden, beschreiben Beweismittel gegen Belenkiy vor der offiziellen Anklageerhebung. Reuters konnte die Dokumente nicht unabhängig bestätigen, wobei die NGO angab, diese von einem Verwandten Belenkiys erhalten zu haben.

Zudem fand Reuters auf der Binance-Website einen Hinweis für russische und belarussische Strafverfolgungsbehörden, der auf eine E-Mail-Adresse (case@binanceholdings.ru) verwies. Über diesen Kanal erhielten Ermittler zwei Antworten, die Belenkiys Geburtsdatum, Adresse, Telefonnummer, Passnummer sowie Kopien seines russischen Reisepasses und seiner bulgarischen Aufenthaltserlaubnis enthielten.

ENTDECKEN SIE: Krypto-Presales 2026

Die DSGVO-Frage und ungeklärte Details

Der Anwalt für Krypto-Regulierung, Mike Bystrov, erklärte gegenüber Reuters, dass die Weitergabe der Daten gegen die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verstoßen könnte, sofern Belenkiy aufgrund seines Wohnsitzes in Bulgarien als EU-Bürger bei Binance registriert war. Russland verfügt über keinen Angemessenheitsbeschluss der EU für Datentransfers.

Reuters konnte nicht abschließend klären, ob Belenkiy tatsächlich als EU-Kunde registriert war. Der Europäische Datenschutzausschuss lehnte eine Stellungnahme mit dem Hinweis ab, dass die Durchsetzung bei den nationalen Behörden liege. Bulgariens Datenschutzkommission reagierte nicht auf die Anfrage von Reuters.

In einer E-Mail-Stellungnahme gegenüber Reuters erklärte Binance, dass das Unternehmen „weltweit mit rechtmäßigen Informationsanfragen der Strafverfolgungsbehörden kooperiert, vorbehaltlich geltender rechtlicher, datenschutzrechtlicher und regulatorischer Anforderungen“. Man fügte hinzu, dass Entscheidungen darüber, wie Regierungen Informationen nutzen, „ausschließlich bei den zuständigen Behörden liegen“. Zu Belenkiys Fall lehnte die Börse unter Berufung auf die Vertraulichkeit individueller Anfragen eine spezifische Stellungnahme ab.

Es ist zu vermuten, dass die ungeklärte Frage von Belenkiys Kundenklassifizierung darüber entscheiden wird, ob dies zu einem offiziellen DSGVO-Verfahren oder lediglich zu einer diplomatischen Peinlichkeit führt. Der 49-jährige Belenkiy befindet sich weiterhin in russischer Haft und wartet auf seinen Prozess. Laut Reuters wurden bereits mehrere Dutzend weitere Russen wegen ähnlicher Krypto-Spenden strafrechtlich verfolgt, wobei die genaue Anzahl nicht verifiziert werden konnte.

Share:
Die mobile Version verlassen