Die Harvard Management Company hat ihre Krypto-Strategie neu ausgerichtet. Während die Position im iShares Bitcoin Trust deutlich verkleinert wurde, erfolgte erstmals ein Einstieg in den iShares Ethereum Trust. Die Umschichtung des rund 50 Milliarden US-Dollar schweren Stiftungsvermögens erfolgt vor dem Hintergrund massiver Marktvolatilität – und signalisiert eine differenziertere Gewichtung digitaler Assets statt eines Rückzugs.
Die Harvard University hat im vierten Quartal ihres Geschäftsjahres 2025 ihre Krypto-Allokation neu justiert:
Aus SEC-Unterlagen geht hervor, dass die Harvard Management Company (HMC), Verwalter des rund 50 Milliarden US-Dollar schweren Stiftungsvermögens, ihre Position im iShares Bitcoin Trust deutlich reduziert und erstmals in den iShares Ethereum Trust investiert hat.
Konkret erwarb HMC 3,87 Millionen Anteile am Ethereum-ETF von BlackRock. Parallel sank die Beteiligung am Bitcoin-ETF auf 5,35 Millionen Anteile im Wert von 265,8 Millionen US-Dollar.
Im Vorquartal hatte Harvard noch 6,81 Millionen IBIT-Anteile im Wert von 442,8 Millionen US-Dollar gehalten. Der kombinierte Wert der Bitcoin- und Ethereum-Produkte belief sich zuletzt auf 352,6 Millionen US-Dollar.
Trotz der Reduzierung bleibt Bitcoin die größte öffentlich ausgewiesene Einzelposition im Portfolio der Stiftung und übertrifft gemeldete Engagements in Technologiekonzerne wie Alphabet, Microsoft und Amazon.
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Rebalancing nach extremer Marktvolatilität
Die Umschichtung erfolgte vor dem Hintergrund erheblicher Marktschwankungen. Bitcoin hatte im Oktober ein Allzeithoch nahe 126.000 US-Dollar erreicht, bevor eine ausgeprägte Korrektur einsetzte und der Kurs bis Jahresende auf 88.429 US-Dollar fiel.
Ethereum verlor seit seinem Hoch von 4.900 US-Dollar im August 2025 mehr als 55 Prozent an Wert.
Bereits im Dezember war bekannt geworden, dass Harvards Bitcoin-ETF-Position zeitweise rund 40 Millionen US-Dollar unter dem Einstandswert lag.
Trotz der Reduzierung bleibt Bitcoin die größte öffentlich ausgewiesene Einzelaktienposition der Stiftung. Mit 265,8 Millionen US-Dollar übersteigt sie die gemeldeten Engagements in Technologiekonzerne wie Alphabet, Microsoft und Amazon.
Parallel erhöhte Harvard laut Marktbeobachtern auch seine Allokation in Gold-ETFs. Das deutet auf eine breitere Absicherungsstrategie hin, bei der alternative Vermögenswerte stärker gewichtet werden.
Institutionelle Kapitalflüsse spiegeln hingegen ein angespanntes Umfeld wider. Digitale Anlageprodukte verzeichneten zuletzt vier Wochen in Folge Abflüsse. Bitcoin-Fonds waren mit 677 Millionen US-Dollar an Rückgaben im vergangenen Monat besonders betroffen.
Kritik aus der Finanzwissenschaft, Optimismus aus der Branche
In der akademischen Welt bleibt das Engagement umstritten.
Andrew F. Siegel von der University of Washington bezeichnet Bitcoin als hochriskant und verweist auf den deutlichen Kursrückgang. Ein Kernargument lautet, digitalen Vermögenswerten fehle ein klar bestimmbarer innerer Wert.
Auch Avanidhar Subrahmanyam von der UCLA warnt vor konzentrierten Krypto-Positionen in langfristig ausgerichteten Stiftungsportfolios. Eine solche Allokation erhöhe die Volatilität, während Bewertungsmaßstäbe weiterhin unscharf seien.
Vertreter der Branche widersprechen. Brian Armstrong, CEO von Coinbase, verwies etwa auf stabile Bestände privater Anleger trotz Turbulenzen.
Andreessen Horowitz-Partner Anthony Albanese hebt Effizienzgewinne blockchainbasierter Infrastruktur hervor, insbesondere bei Transaktionskosten und Abwicklungszeiten.
Harvards Umschichtung signalisiert somit keine Abkehr vom Kryptosektor, sondern eine differenziertere Gewichtung innerhalb des Ökosystems.
Ob sich die Entscheidung als defensiver Schritt oder als strategische Diversifikation erweist, hängt maßgeblich von Marktstabilität und regulatorischer Entwicklung ab.
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Der Bitcoin-Kurs im Überblick
Zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Artikels notiert der Bitcoin-Kurs bei 68.300 USD, was einem Rückgang von 0,92 Prozent in 24 Stunden und 1,07 Prozent in 7 Tagen entsprocht.
Damit befindet sich Bitcoin auf den 4-Stundenchart klar in einem kurzfristigen Abwärtstrend. Nach dem Bruch der Zone um 71.000 USD beschleunigte sich die Korrektur bis in den Bereich um 60.000 USD.
Seither läuft eine volatile Bodenbildungsphase zwischen 65.000 und 71.000 USD. Der 21-Tage-SMA (weiß) fällt deutlich und fungiert als dynamischer Widerstand. Auch die seit Oktober abwärts gerichtete Trendlinie (gelb) deckelt aktuell Erholungen.
Der RSI (14) pendelt im neutralen Bereich um 50 und signalisiert fehlende Momentum-Dominanz.
Solange Bullen die 71.000-USD-Marke nicht zurückerobern können, bleibt das Risiko eines erneuten Tests auf 65.000- bzw. 60.000 US-Dollar erhöht.
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