Gold markiert neue Rekorde, Bitcoin bleibt trotz „Digital-Gold“-Narrativ zurück. Warum BTC wie ein Risk-Asset handelt – und was eine Aufholjagd auslösen könnte.
Gold ist gerade das Asset, das in vielen Portfolios eine Portion innere Ruhe gibt: der sichere Hafen bei diesem geopolitischen Dauerfeuer und Misstrauen gegenüber klassischen Staatsversprechen – alles Zutaten, die Edelmetallen Rückenwind geben. Bitcoin dagegen hat es schwer im Januar 2026. Wann holt Bitcoin auf und wieso hängt das digitale Gold überhaupt hinterher?
Gold jagt ein Rekordhoch nach dem Nächsten, aber Bitcoin zählt weiter als Risiko Asset
Dass Gold auf Rekordniveau läuft, ist ein Makro-Statement. Es handelt sich um eine rekordsetzende Rally, getrieben durch geopolitische Spannungen und eine schwächelnde Zuversicht in US-Assets. Übersetzt: Anleger suchen den sicheren Hafen. Etwas, das nicht so extrem unter Notenbanksitzungen leidet, von Zoll-Drohungen oder dem USA vs. EU-Konflikt abhängt.
Dass Bitcoin in Stressphasen nicht automatisch als Schutzschild funktioniert, ist gerade wieder ziemlich sichtbar. Der Bitcoin-Kurs wackelt: der Verlauf des Bitcoin-Kurses diese Woche war gekennzeichnet durch klassischen Leverage-Abbau durch Abflüsse aus US-Spot-Bitcoin-ETFs und Liquidationen. Der jüngste Rutsch unter 90.000 US-Dollar bestätigt das Umfeld, in dem wir uns gerade bewegen. Bitcoin wird weiterhin als High-Risk-Asset wahrgenommen, doch aktuell herrscht am Markt Risk-Off-Stimmung. Tagesaktuell konnte der Bitcoin-Kurs vorerst die 90.000er-Marke zurückerobern. Zur Zeit des Schreibens notiert der Kurs laut Daten von Coingecko bei rund 90.700 US-Dollar.
Analysten beschreiben Bitcoin als “historisch unterbewertet”
Rechnet man den aktuellen Bitcoin-Kurs gegen den aktuellen PAXG-Kurs, entspricht 1 BTC derzeit rund 18 Feinunzen tokenisiertem Gold. Experten vergleichen mit dem Goldmarkt.
Wer an „Mean Reversion“ glaubt, wettet darauf, dass extreme Abweichungen irgendwann wieder näher an ein historisches Mittel zurücklaufen. Der Analyst und Bitcoin-OG Plan C jedenfalls ist davon überzeugt und formuliert es auf X maximal zugespitzt: Er nämlich erwartet „die Mutter aller Mean Reversions“ und bezeichnet die Abweichung – gemessen in Gold – als die „größte und bedeutendste Unterbewertung“ in der Bitcoin-Geschichte.
We should see the mother of all mean reversions soon. I will go on the record and say that I think this model will not break and the R2 will remain high over the long term. However, this has clearly been the largest and most significant undervalued deviation when denominating in… https://t.co/KRuTGy83yZ
— Plan C (@TheRealPlanC) January 23, 2026
Wann könnte BTC aufholen – und was müsste dafür passieren?
Ein Aufholen kann auf zwei Wegen passieren: Entweder Bitcoin steigt schneller als Gold, oder Gold kühlt ab, während Bitcoin stabil bleibt. Das klingt banal, ist aber die ehrlichste Klammer. Was dafür in den kommenden Wochen entscheidend sein dürfte, sind drei Faktoren, die man jetzt schon beobachten kann.
Erstens: Risikostimmung. Wenn Märkte von „Kapital parkt sich in Häfen“ wieder in „Kapital sucht Rendite“ drehen, kann Bitcoin als Liquiditäts-und-Momentum-Asset plötzlich wieder in den Vordergrund rutschen. Dass Bitcoin in solchen Phasen oft mit breiteren Risiko-Bewegungen läuft, ist aktuell sogar Teil der Kritik: Der Safe-Haven-Anspruch wirkt widersprüchlich zum realen Handelsverhalten. Zweitens: Institutionelle Flows. In dieser Woche waren ETF-Abflüsse und Liquidationen zu verzeichnen. Und zu guter Letzt: Risiko-bereinigte Rendite. Wenn Gold weiter als „funktionierender Hedge“ wahrgenommen wird, braucht Bitcoin entweder bessere Performance oder ein stärkeres Narrativ, um Kapital umzulenken.
Bitcoin is hugely mispriced against gold.
What do you think comes next? pic.twitter.com/2FA5uok51M
— Gordon 🐂 (@GordonGekko) January 22, 2026
Was man aus dem Gold-Run für Bitcoin ableiten kann
Der aktuelle Gold-Run ist ein Stimmungsbarometer: Anleger bezahlen gerade gern für „Sicherheit“. Aber bedeutet der bullische Goldrun automatisch, dass Bitcoin „unterbewertet“ ist? Der Markt bewertet Bitcoin jedenfalls im Moment anders, als es das Etikett „digitales Gold“ suggeriert. Ob und wann BTC aufholt, hängt davon ab, ob sich Risikostimmung und Kapitalflüsse drehen und ob Bitcoin es schafft, in dieser Phase mehr zu sein als ein riskantes Momentum-Asset.
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