Die Volatilität war am Aktienmarkt zuletzt gering. Der Markt zeigt sich unentschlossen. Unterschiedliche, konträre Annahmen prägen zuletzt den Markt. Eine Entscheidung steht bevor. Erfahrungsgemäß kommt es nach einer ruhigen Phase zu dynamischen Bewegungen. Davon könnten auch Bitcoin und Co. betroffen sein.
Die Finanzmärkte wirken derzeit erstaunlich ruhig – zumindest auf den ersten Blick. Doch genau diese Ruhe sorgt bei vielen Marktbeobachtern für Nervosität. Während Bitcoin weiterhin deutlich mehr als 50 Prozent unter seinem Allzeithoch notiert und sich in einem übergeordneten Abwärtstrend befindet, zeigt sich auch am Aktienmarkt eine ungewöhnliche Konstellation.
Mehrere Analysten sprechen von einer historisch seltenen Phase der Unentschlossenheit. Die große Frage lautet nun: Steht eine kräftige Bewegung unmittelbar bevor – und könnte der Kryptomarkt davon erneut direkt betroffen sein?
Historische Seitwärtsphase am Aktienmarkt: Was kommt jetzt?
Der Newsletter „The Kobeissi Letter“ weist auf eine bemerkenswerte statistische Entwicklung beim S&P 500 hin. Der Leitindex hat 63 Handelstage in Folge innerhalb einer Spanne von lediglich 2,5 Prozent um seinen 50-Tage-Durchschnitt geschlossen. Das ist die längste Serie seit 2018 und zugleich die viertlängste Phase dieser Art seit der Finanzkrise 2008. Historisch betrachtet sind solche Konstellationen selten – der Rekord liegt bei rund 105 Handelstagen im Jahr 1994.
The market is historically undecided:
The S&P 500 has closed within 2.5% of its 50-day moving average for 63 consecutive sessions, the longest streak since 2018.
This also marks the 4th-longest stretch since the 2008 Financial Crisis.
By comparison, the all-time high is ~105… pic.twitter.com/BaWpYpNvnB
— The Kobeissi Letter (@KobeissiLetter) February 26, 2026
Auffällig ist zudem, dass der S&P 500 in den vergangenen 50 Handelstagen gleich zehnmal seinen 50-Tage-Durchschnitt nach oben oder unten durchbrochen hat. Das ist der höchste Wert seit 2015. Dieses wiederholte Hin- und Her signalisiert keine klare Trendrichtung, sondern eine ausgeprägte Unsicherheit unter Marktteilnehmern. Weder Bullen noch Bären konnten zuletzt die Oberhand gewinnen.
Solche Phasen enger Konsolidierung gelten in der technischen Analyse häufig als Vorboten größerer Bewegungen. Je länger sich ein Markt in einer engen Spanne bewegt, desto stärker kann die anschließende Dynamik ausfallen. Die aktuelle Konstellation wird daher von einigen Beobachtern als „Ruhe vor dem Sturm“ interpretiert – ohne jedoch eine eindeutige Richtung vorzugeben.
Makroökonomisch treffen weiterhin mehrere Einflussfaktoren aufeinander: Zinserwartungen, Inflationsdaten, geopolitische Risiken sowie die Entwicklung am Arbeitsmarkt. Solange diese Themen kein klares Signal liefern, bleibt der Aktienmarkt offenbar in einer Phase der Abwägung. Doch genau diese Spannung könnte sich bald entladen.
Bitcoin mit hoher Korrelation: Kommt der Mega-Move?
Parallel dazu rückt die Korrelation zwischen Bitcoin und dem US-Aktienmarkt erneut in den Fokus. Mehrere Marktbeobachter, darunter Jeff Park, verweisen auf eine zuletzt hohe statistische Verbindung zwischen Bitcoin beziehungsweise Bitcoin-ETFs und Technologieindizes.
This correlation must break for Bitcoin to be free pic.twitter.com/eBcnYuhVOQ
— Jeff Park (@dgt10011) February 25, 2026
Im folgenden Chart wird ferner gezeigt, dass Bitcoin über weite Strecken nahezu synchron mit dem iShares Software ETF gelaufen ist.
Die implizite Botschaft: Solange diese Korrelation besteht, bleibt Bitcoin stark vom allgemeinen Risikoappetit an den Aktienmärkten abhängig.
This is INSANE.
Look at this correlation.
Bitcoin has completely mirrored the iShares Software ETF for 5 years straight. pic.twitter.com/Gyj5pIQltJ
— Mister Crypto (@misterrcrypto) February 10, 2026
Auch quantitative Auswertungen zeigen, dass die rollierende Korrelation zeitweise auf Werte von über 0,5 gestiegen ist – ein vergleichsweise hoher Wert für zwei unterschiedliche Anlageklassen. Das deutet darauf hin, dass institutionelle Kapitalströme Bitcoin zunehmend als Teil des breiteren Risk-Asset-Universums behandeln.
Allerdings befindet sich Bitcoin bereits seit Monaten in einer deutlichen Korrekturphase. Mit einem Abstand von über 50 Prozent zum Allzeithoch könnte ein Teil makroökonomischer Risiken bereits eingepreist sein. Während der S&P 500 bislang keine klare Trendentscheidung getroffen hat, hat der Kryptomarkt eine erhebliche Anpassung bereits hinter sich.
Das eröffnet zwei Szenarien: Entweder setzt sich die enge Kopplung fort und Bitcoin reagiert erneut sensibel auf eine größere Bewegung am Aktienmarkt. Oder aber die bereits vollzogene Korrektur schafft Spielraum für eine relative Stabilisierung, falls sich die Aktienmärkte erst jetzt deutlicher bewegen.
Fest steht: Die aktuelle Kombination aus historisch enger Seitwärtsphase am Aktienmarkt und erhöhter Korrelation zwischen Bitcoin und Tech-Aktien sorgt für eine gespannte Ausgangslage. Sollte es zu einem dynamischen Ausbruch kommen, dürfte auch der Kryptomarkt nicht unberührt bleiben.
next