Nach vielen Jahren harter Lobbyarbeit, regulatorischer Unsicherheit und politischer Auseinandersetzungen schien der Durchbruch für den US-Kryptomarkt fast zum Greifen nah. Der Senate Agriculture Committee arbeitet derzeit an einem neuen Gesetzentwurf zur Marktstruktur digitaler Assets, der auf den ersten Blick als eindeutig krypto-freundlich gilt. Aber genau dieser Entwurf könnte nun an einem altbekannten Problem scheitern: der fehlenden parteiübergreifenden Unterstützung.
Obwohl der Gesetzentwurf den Entwicklern rechtliche Sicherheit bieten und der CFTC mehr Befugnisse zur Regulierung digitaler Rohstoffe einräumen soll, wachsen die Bedenken, dass er es tatsächlich durch den US-Senat schaffen könnte. Die politische Realität beweist, dass man ohne Mehrheiten trotz aller Schnelligkeit nicht vorankommt. An dieser Stelle beginnt das Risiko für den gesamten Markt.
Ein Gesetz, das als Vorbild für die gesamte Branche dient
Mit dem aktuellen Entwurf soll die regulatorische Grauzone beendet werden, in der viele Krypto-Projekte seit Jahren leben. Ein wichtiger Aspekt ist der Schutz von Entwicklern vor rechtlicher Haftung, solange sie dezentrale Protokolle erstellen, ohne deren Nutzung direkt zu beeinflussen. Das wäre für die Branche ein großer Befreiungsschlag, weil rechtliche Unsicherheiten bislang Innovation oft gebremst haben.
🚨THE LONG-AWAITED “PRO-CRYPTO” BILL COULD FAIL IN THE SENATE
The Senate Agriculture Committee is preparing a new crypto market structure bill that is expected to be pro-crypto – but partisan.
The draft would protect crypto developers from legal liability. However, Democrats… pic.twitter.com/oWZQdwdsA1
— Coin Bureau (@coinbureau) January 21, 2026
Außerdem sieht der Entwurf vor, dass die Commodity Futures Trading Commission eine klar definierte Zuständigkeit für digitale Commodities erhält. So würde ein Machtvakuum geschlossen werden, das immer wieder Kompetenzstreitigkeiten zwischen den Behörden zur Folge hatte. Für institutionelle Investoren sind solche strukturellen Klarstellungen als Grundvoraussetzung zu betrachten, da sie auf verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen sind. Regulatorische Trends in Marktanalysen betonen immer wieder diesen Punkt als entscheidenden Faktor.
Warum parteipolitische Dynamik ein Risiko darstellt
Inhaltlich mag der Entwurf positiv wirken, doch seine politische Ausgangslage ist problematisch. Im Moment sieht es so aus, als ob das Gesetz hauptsächlich von den Republikanern unterstützt wird. Senatoren der Demokratischen Partei sind vorsichtig, besonders wenn es um Verbraucherschutz und Marktaufsicht geht.
⚡️JUST IN: 🇺🇸 Senate Agriculture Committee released an updated draft of crypto market structure legislation ahead of January 27th markup, proposing to grant CFTC new authority to regulate digital commodities. pic.twitter.com/swAIm4fqkL
— Coin Bureau (@coinbureau) January 22, 2026
Eines ist jedoch im US-Senat offensichtlich: Um große Finanz- und Marktstrukturgesetze nicht in späteren Abstimmungsphasen scheitern zu lassen, brauchen sie normalerweise eine bipartisan Unterstützung. Falls der Entwurf im Agriculture Committee nur mit republikanischen Stimmen verabschiedet wird, könnte genau diese Dynamik später zum Hindernis werden.
Erfahrene Beobachter weisen darauf hin, dass ein schneller Vorstoß ohne breite Unterstützung Jahre an Vorarbeit zunichte machen könnte. In den letzten Jahren hat die Kryptobranche riesige Mittel in Lobbyarbeit gesteckt. Ein Misserfolg auf dieser Stufe würde politisches Kapital und Vertrauen kosten.
Die Funktion des Agriculture Committee
Es mag für Außenstehende überraschend sein, dass das Senate Agriculture Committee im Mittelpunkt der Debatte steht. Historisch gesehen ist die Regulierung von Commodities, zu denen viele digitale Assets gehören, in seinem Zuständigkeitsbereich. Für den 27. Januar hat der Ausschuss bereits einen Markup-Termin festgelegt, an dem der Entwurf erstmals formal abgestimmt werden soll.
Es ist äußerst ungewöhnlich, wie schnell der Gesetzentwurf vorangetrieben wird. Einerseits zeigt es, dass man handeln will; andererseits erhöht es den Druck, eine saubere Mehrheitsfindung zu schaffen. Die Vergangenheit hat immer wieder bewiesen, dass übereilte Verfahren im Senat langfristig schädlich sein können.
Trump, Timing und strategische Überlegung
Die politischen Signale aus dem Umfeld des ehemaligen Präsidenten Donald Trump verleihen dem Thema zusätzliche Brisanz. Er hat öffentlich gesagt, dass er ein Krypto-Gesetz „bald“ unterzeichnen will. Obwohl diese Aussage von den Marktteilnehmern als bullisches Signal gedeutet wird, wirft sie doch Fragen auf.
Ein Gesetzesvorhaben, das stark politisiert ist, kann schnell zur ideologischen Projektionsfläche werden. Wenn das Gesetz zu stark mit einer Partei oder einem politischen Lager verbunden ist, könnte dies die Bereitschaft zur Zusammenarbeit auf der anderen Seite weiter verringern. In einem so polarisierten Umfeld wie dem aktuellen US-Senat ist das ein ernsthaftes Risiko.
Die Folgen eines Misserfolgs könnten enorm sein.
Ein Misserfolg des Gesetzes hätte Auswirkungen, die weit über die Grenzen Washingtons hinausgehen. Für den Kryptomarkt heißt das, dass die Unsicherheit bezüglich der Regulierung weiterhin besteht. Firmen sollten auch in Zukunft mit unklaren Zuständigkeiten und möglichen Durchsetzungsmaßnahmen rechnen.
Geplante Engagements von institutionellen Investoren könnten verschoben oder sogar ganz auf Eis gelegt werden. Regulatorische Klarheit wird als Voraussetzung für größere Kapitalzuflüsse angesehen, weshalb viele Banken und Fonds die Entwicklung genau beobachten. In den Debatten über institutionelle Adoption wird immer wieder hervorgehoben, dass Rechtssicherheit mindestens so wichtig ist wie technologische Fortschritte.
Ein Misserfolg würde auch international als ein Signal wirken. Verschiedene Jurisdiktionen könnten die USA als unzuverlässlichen Regulierungsstandort ansehen und ihre eigenen Rahmenbedingungen entsprechend gestalten. Das würde die internationale Konkurrenz um Krypto-Innovation weiter verschärfen.
CFTC statt SEC: Ein strategischer Kurswechsel
Ein besonders heikles Detail des Entwurfs ist die beabsichtigte Verschiebung der regulatorischen Zuständigkeiten zur CFTC. Traditionell wird diese Behörde als marktfreundlicher und weniger durchsetzungsorientiert im Vergleich zur SEC angesehen. Für viele Marktteilnehmer könnte dies ein gutes Zeichen sein, weil die CFTC mehr auf Prinzipien als auf Einzelfallverfolgung setzt.
Dieser Ansatz trifft jedoch auf Skepsis bei Teilen der Demokraten. Es gibt Bedenken von Kritikern, dass der Verbraucherschutz möglicherweise vernachlässigt wird. An diesem Punkt entscheidet sich, ob der Entwurf als ausgewogen gilt oder als einseitig zugunsten der Industrie. Regulatorische Analysen von größerer Tiefe benennen diesen Balanceakt als einen zentralen Erfolgsfaktor.
Es ist interessant zu beobachten, dass der Kryptomarkt bislang nicht stark auf die politischen Entwicklungen reagiert. Regulatorische Ankündigungen haben in der Vergangenheit häufig zu starken Kursbewegungen geführt, aber jetzt sieht man eine vorsichtige Abwarthaltung. Das lässt darauf schließen, dass zahlreiche Anleger das politische Risiko realistisch bewerten.
Doch diese Zurückhaltung könnte sich schnell ändern, wenn es gelingt, einen bipartisanen Konsens zu schaffen. In diesem Fall könnte eine Neubewertung der regulatorischen Risiken erfolgen, was insbesondere Bitcoin und große Altcoins unterstützen könnte. In den weiterführenden Marktkommentaren und den langfristigen Ausblicken werden solche Szenarien oft behandelt.
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