Bitcoin-Migration könnte Jahre dauern: Coinbase skizziert Optionen

On Okt. 14, 2026 at 7:14 a.m. UTC by · 3 Min. read

Coinbase prüft quantenresistente Signaturen für Bitcoin: Migration, Wallets und Altbestände bleiben ohne Zeitplan offene Herausforderungen.

Coinbase drängt Bitcoin auf frühe Vorbereitungen für quantenresistente Sicherheit: Selbst bevor ein Quantencomputer bekannt wird, der bestehende Kryptografie brechen kann, könnten Regeländerungen und die Migration von Geldern Jahre beanspruchen. Das Unternehmen hält nach eigenen Angaben etwa fünf Prozent aller existierenden Bitcoin; sein Positionspapier ist jedoch ein Beitrag zur offenen Diskussion, keine beschlossene Upgrade-Regel und setzt keine Frist.

Warum ein Signaturwechsel allein nicht reicht

Digitale Signaturen belegen, dass eine Transaktion mit dem passenden privaten Schlüssel autorisiert wurde. Ein ausreichend leistungsfähiger Quantencomputer könnte die Kryptografie hinter heutigen Signaturen überwinden; exponierte öffentliche Schlüssel würden dadurch zum Risiko für die damit verbundenen Bestände.

Coinbase zufolge muss eine mögliche Umstellung deshalb nicht nur neue Signaturen unterstützen, sondern auch in gewöhnlichen Wallets und institutioneller Verwahrung funktionieren. Hinzu kommen Begrenzungen beim Transaktionsraum, mögliche Gebühreneffekte und der Aufwand für die Knoten, die Transaktionen unabhängig überprüfen. Die Verwahrung von Bitcoin und mögliche Fallbacks sind damit ebenfalls Teil der technischen Anforderungen.

Coinbase erklärt, eigene Systeme vorzubereiten und mit Bitcoin-Entwicklern und Forschern zu sprechen. Außerdem unterstützt das Unternehmen Open-Source-Arbeit mit technischen Ressourcen und durch seine Mitwirkung im Bitcoin Security Consortium.

Flexible Designs statt früher Festlegung

Im Mittelpunkt steht für Coinbase die Frage, ob sich verschiedene quantenresistente Signatursysteme später ergänzen oder austauschen lassen, ohne die gesamte Struktur neu aufzubauen. Als mögliche Ansätze nennt das Unternehmen P2MR, das mit BIP 360 verbunden ist, und P2TRv2; beide scheinen aus seiner Sicht diese Flexibilität zu bieten. Ein geeignetes Design sollte öffentliche Schlüssel möglichst bis zum Ausgeben verbergen und keinen Ausgabenpfad voraussetzen, der für Quantenangriffe anfällig bleibt.

Die Systeme müssten anhand ihrer Folgen für Transaktionsgröße, Gebühren, Verifikationsaufwand und die Dauer einer Migration gefährdeter Gelder verglichen werden. Als Kandidaten nennt Coinbase ML-DSA, SLH-DSA und FN-DSA, sobald diese standardisiert sind, sowie weitere Verfahren und SHRINCS. Die konkreten Kosten quantensicherer Bitcoin-Signaturen sind dabei nur ein Teil der Bewertung.

Besondere Anforderungen sieht Coinbase bei sogenannten zustandsbehafteten Signaturen: Sie können kompakter sein, verlangen aber eine zuverlässige Dokumentation bereits genutzter Signaturzustände. Fehler bei Wallet-Updates oder Backups könnten dadurch problematisch werden; auch Börsen mit verteilten Servern müssten den Zugriff auf Schlüssel und Zustandsdaten koordinieren. Mindestens eine Option sollte zudem vielversprechend mit Multiparty Computation (MPC) kompatibel sein, bei der mehrere Beteiligte gemeinsam signieren, ohne die gesamte Signaturmacht an einem Ort zu bündeln.

Altbestände und verspätete Migration bleiben offene Fragen

Als Übergangslösung prüft Coinbase ein Design mit zwei Ausgabepfaden für dieselben Gelder: einem klassischen und einem quantenresistenten. Das wäre eine Möglichkeit für den Wechsel und keine Vorgabe, jede Transaktion mit beiden Signaturen auszuführen. Offen bleibt auch, wie mit wiederverwendeten oder dauerhaft exponierten Schlüsseln, ruhenden Beständen und Coins umzugehen wäre, deren Schlüssel oder Wiederherstellungsdaten verloren sind.

Beschränkungen älterer Signaturen, Einfrieren, Ausgabenlimits und Rettungsmechanismen führt Coinbase als Prüfoptionen an, nicht als festgelegte Empfehlungen. Ein Rettungsweg müsste auch dann sicher sein, wenn ein Angreifer nur über einen exponierten öffentlichen Schlüssel verfügt. Zugleich müsse die Community klären, ob Nutzer, die eine mögliche Frist verpassen, später noch einen Zugang zu ihren Beständen erhalten könnten.

Coinbase hält technische Arbeit und die Debatte über liegen gebliebene oder nicht zugängliche Coins für parallel möglich. Das Unternehmen räumt ein, dass womöglich keine einzelne Lösung die Grenzen des Bitcoin-Netzwerks und die Anforderungen von Nutzern, Verwahrern und Institutionen zugleich erfüllt. Einen vereinbarten Zeitplan gibt es bislang nicht; die Vorschläge sollen zunächst in die weitere Diskussion über quantenresistente Signaturen einfließen.

Symbol der Kryptowährung Bitcoin – Foto: PerfectHue / CC0

Risikohinweis: Bitcoin-Adressen sind pseudonym, nicht anonym; je nach Dienst und Rechtsraum können KYC-Pflichten gelten. Technische Vorschläge sind keine beschlossenen Protokolländerungen.

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