Yen wird stärker, Bitcoin schwächer: Anleihemarkt bremst Bitcoin aus

On Jan. 28, 2026 at 9:13 pm UTC by · 3 Min. read

Steigende US-Renditen und Japans Yen-Wende entziehen Risiko-Assets Liquidität. Warum Bonds 2026 zum Problem für Bitcoin werden könnten.

Bitcoin wirkt dieser Tage wie festgetackert: Jeder Mini-Rebound wird abverkauft, jedes gute Signal verpufft. Während sich die Debatte an politischen Schlagzeilen festbeißt, bauen sich woanders noch mehr Probleme auf: im Anleihenmarkt. Denn wenn Renditen steigen und sich globale Finanzierungsströme drehen, trifft das ausgerechnet jene Anlageklasse zuerst, die keinen laufenden Cashflow liefert: Risiko-Assets. Bitcoin ist da keine Ausnahme.

Renditen rauf, Risiko runter: Warum Bonds Bitcoin ausbremsen

Je attraktiver Staatsanleihen wieder werden, desto härter wird die Konkurrenz um Kapital. Der letzte offizielle Datensatz vom 26.01. zeigt, dass die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen laut Fred bei 4,22 Prozent steht. Damit bleibt das Zinsniveau hoch – und hoch bedeutet im Jahr 2026 vor allem eins: Liquidität ist nicht mehr “umsonst”.

Das Problem ist weniger der einzelne Basispunkt, sondern die Richtung. Die 10-jährigen US-Staatsanleihen haben sich seit Anfang November 2025 spürbar nach oben gearbeitet – von 4,11 Prozent am 31. Oktober 2025 auf 4,30 Prozent am 20. Januar 2026 (jeweils Tageswerte). Das ist kein Crash, aber genug, um Bewertungsmodelle, Leverage und Risikobudgets neu zu kalibrieren.

Parallel dazu steht Bitcoin unter Druck und notiert Bitcoin laut CoinGecko aktuell bei rund 89.500 US-Dollar. Dass der Kurs unter 90.000 US-Dollar pendelt, während Renditen hoch bleiben, war jedenfalls sonst immer ein eher bärisches “Risk-Off-Signal”.

Washington gießt Öl ins Feuer

Hinzu kommt eine Komponente, die Bond-Investoren nervös macht: Politik als Renditetreiber. So ist es nur logisch, dass Marktteilnehmer bei US-Staatsanleihen zunehmend eine Art Risikoprämie einpreisen – nicht nur wegen Defiziten, sondern wegen Diskussionen rund um die Unabhängigkeit der US-Notenbank.

Wie real diese Vertrauensfrage ist, zeigen selbst große Adressen aus Europa. Der dänische Pensionsfonds AkademikerPension will US-Treasuries im Wert von rund 100 Millionen US-Dollar bis Ende Januar abstoßen – mit Verweis auf die Tragfähigkeit der US-Staatsfinanzen. Auch Schwedens Pensionsriese Alecta hat seine US-Treasury-Bestände über 2025 in mehreren Schritten reduziert.

Das kippt den US-Markt noch nicht alleine. Wenn aber selbst Langfrist-Investoren anfangen, über US-Risiken zu sprechen, wird “risikofrei” plötzlich wieder verhandelbar. Und genau dann steigen Renditeforderungen – zulasten von allem, was von Liquidität lebt; besonders auch Bitcoin & Co.

Japan wird zum Stresstest: Wenn der Yen die Weltfinanzierung dreht

Der zweite Druckpunkt kommt aus Japan. Japans zehnjährige Staatsanleihe rentiert derzeit bei rund 2,24 Prozent. Damit klettert Japans Benchmark-Rendite zuletzt auf den höchsten Stand seit 1999.

Japan war jahrzehntelang das globale Nullzins-Fundament. Ein Land, aus dem man sich günstig finanzieren konnte und dessen Investoren Kapital in die Welt exportierten. Wenn dieses Fundament wackelt, wackelt mehr als nur Tokio.

Devisen- und Anleihemärkte reagieren inzwischen nervös: Der Yen zog zuletzt kräftig an, befeuert durch Spekulationen über Intervention und eine engere Abstimmung mit den USA. Aber das ist natürlich Gift für Strategien, die auf einem “schwachen Yen für immer” gebaut sind.

Yen-Carry-Trade: Das unsichtbare Kabel zur Krypto-Liquidität

Der Yen-Carry-Trade ist letztlich eine Zinswette: billig in Yen leihen, höher verzinst anderswo anlegen. Eine klassische Strategie, die auf Zinsdifferenzen und Wechselkursrisiken basiert.

Steigen japanische Renditen und wird der Yen stärker, wird dieser Trade logischerweise weniger attraktiv und kann im Extremfall rückabgewickelt werden. Das ist genau die Art Risiko, die in Stressphasen zu plötzlichen, synchronen Verkäufen führen kann.

Was hat das mit Bitcoin zu tun? Viel. Denn wenn Carry-Trades unter Druck geraten, werden Positionen reduziert; oft quer über Märkte hinweg. In einem Umfeld, in dem Dollar, Yen und Renditen gleichzeitig politisch aufgeladen sind, hinkt Bitcoin und bleibt unter 90.000 US-Dollar. Gleichzeitig schaut der Markt hoffnungsvoll auf Fed-Signale oder den US-Senat hinsichtlich regulatorischer Klarheit, aber Liquidationen und die Nervosität rund um Renditen bleiben aktuell bestehen. Solange Renditen hoch bleiben und Japan als Funding-Anker neu bepreist wird, bleibt Bitcoin im kurzfristigen Zeitfenster ein Liquiditätsbarometer – und damit anfällig.

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