Nachdem Bitcoin wieder unter 70.000 US-Dollar gefallen ist, sehen wir eine erneute Stabilisierung in der Seitwärtsrange. Zuletzt haben sich die Analysten von Fidelity hier klar positioniert. Ihrer Meinung nach ist der 4-Jahres-Zyklus vorbei. Bitcoin gehe nun einen neuen Weg.
Der Bitcoin-Markt zeigt sich erneut schwächer. Nachdem viele Anleger in den vergangenen Wochen auf einen nachhaltigen Ausbruch über die zuletzt etablierte Seitwärtsrange gehofft hatten, ist dieser vorerst gescheitert. Stattdessen rutschte Bitcoin zuletzt wieder auf rund 67.500 US-Dollar ab.
Die laufende Korrektur setzt sich damit fort und sorgt erneut für Unsicherheit unter Marktteilnehmenden. Besonders Analysten, die sich stark am historischen Vierjahreszyklus von Bitcoin orientieren, bleiben skeptisch. In früheren Marktphasen folgten auf neue Allzeithochs häufig drastische Rückgänge, die teilweise mehr als 70 oder sogar 80 Prozent betrugen.
Aktuell liegt Bitcoin vom Rekordniveau lediglich rund 50 Prozent entfernt – aus Sicht dieser Analysten also noch kein typisches Bärenmarkttief. Entsprechend erwarten einige Marktbeobachter, dass die Schwächephase noch mehrere Monate anhalten könnte, bevor sich ein nachhaltiger Boden ausbildet.
Andere Experten widersprechen jedoch dieser Einschätzung deutlich – darunter auch Analysten von Fidelity, die davon ausgehen, dass sich die Marktstruktur von Bitcoin fundamental verändert hat. So fällt die Bitcoin Prognose für 2026 differenziert aus.
Hat Bitcoin seinen Vier-Jahres-Zyklus für immer hinter sich gelassen?
Lange war Bitcoin wie ein Uhrwerk: Alle vier Jahre folgte auf einen kometenhaften Anstieg ein brutaler Absturz von bis zu 80 Prozent. Wer das Muster kannte, konnte damit Vermögen aufbauen – oder verlieren. Doch nun stellt Fidelity Digital Assets, einer der renommiertesten institutionellen Akteure im Kryptomarkt, eine andere These in den Raum: Der klassische Vier-Jahres-Zyklus könnte Geschichte sein.
In einem am 24. Februar 2026 veröffentlichten Research-Report analysieren die Fidelity-Analysten die veränderte Marktstruktur von Bitcoin – und die Daten zeichnen ein erstaunlich klares Bild.
Bitcoin erreichte im Oktober 2025 einen neuen Allzeithöchststand von über 126.000 Dollar und eine Marktkapitalisierung von 2,5 Billionen Dollar. Was früher zwangsläufig mit explodierender Volatilität einherging, blieb diesmal aus. Stattdessen sank die Volatilität, während der Preis stieg – ein Muster, das es so noch nie gab.
ETFs und Unternehmen kaufen massiv BTC
Der Grund dafür liegt in einer fundamentalen Verschiebung der Nachfragedynamik. 49 börsennotierte Unternehmen halten mittlerweile jeweils über 1.000 Bitcoin, zusammen mehr als eine Million Coins – über fünf Prozent des gesamten umlaufenden Angebots. Hinzu kommen die seit Januar 2024 in den USA zugelassenen Spot-Bitcoin-ETFs, die per Ende Januar 2026 bereits knapp 1,3 Millionen Bitcoin halten.
Besonders bemerkenswert: Der größte dieser ETFs übertraf 75 Milliarden Dollar an verwaltetem Vermögen in unter zwei Jahren – ein Meilenstein, für den der Gold-ETF GLD fast sieben Jahre brauchte.
Diese neuen institutionellen Käufer verändern die Spielregeln grundlegend. Zur Untermauerung ihrer These analysiert Fidelity mehrere On-Chain-Kennzahlen. Die MVRV-Ratio – ein Maß dafür, wie weit der Marktpreis vom investierten Kapital entfernt ist – blieb im aktuellen Zyklus deutlich gedämpfter als in der Vergangenheit.
Frühere Zyklen sahen Werte vom Vier- bis Sechsfachen; aktuell bewegt sich Bitcoin stabil beim Zwei- bis Dreifachen. Auch der Puell Multiple, der die tägliche Bitcoin-Emission ins Verhältnis zum Jahresdurchschnitt setzt, verlief im aktuellen Zyklus ungewöhnlich ruhig. Zusätzlich entwickelte das Fidelity-Team eine eigene Kennzahl – die „Profit-to-Volatility Ratio” – die seit Ende 2023 auf dem höchsten und stabilsten Niveau in der gesamten Bitcoin-Geschichte verharrt.
Das Fazit der Analysten ist eindeutig: Die Ära der dramatischen Blow-off Tops und anschließenden 80-Prozent-Crashs könnte vorbei sein. Bitcoin wächst in die Rolle eines reifen Makro-Assets hinein – eines Assets, das sich graduell nach oben bewegt, statt in extremen Ausschlägen zu denken. Für institutionelle Investoren wäre das eine fundamentale Neubewertung: Bitcoin nicht mehr als Spekulationsvehikel, sondern als langfristiger Portfoliobaustein.
Fidelity: Bitcoin bleibt Golds kleiner Bruder
Auch innerhalb von Fidelity wird Bitcoin nicht isoliert betrachtet, sondern im Kontext anderer monetärer Assets analysiert. Der Makrostratege Jurrien Timmer beschreibt Bitcoin dabei als eine Art „Junior-Spieler“ im Team der sogenannten Hard-Money-Assets. In dieser Analogie nimmt Gold weiterhin die Rolle des zentralen Ankers ein, während Bitcoin eher gemeinsam mit Silber als dynamischere Ergänzung fungiert. Entscheidend ist für Timmer daher nicht nur der absolute Bitcoin-Preis, sondern vor allem das Verhältnis zwischen Gold und Bitcoin.
It has been my view all along that Bitcoin is an aspirational junior player on the hard money team (led by gold), and not the end-all-be-all store of value that is going to “eat” all other asset classes. Gold has been and, in my view, will always be the quarterback on this team,… pic.twitter.com/em8wtSz05L
— Jurrien Timmer (@TimmerFidelity) February 27, 2026
Besonders aufmerksam beobachtet Fidelity in diesem Zusammenhang den sogenannten Gold-Bitcoin-Ratio sowie statistische Abweichungen dieses Verhältnisses. Ein wichtiges Instrument ist dabei der Z-Score dieser Ratio, der extreme Bewertungen sichtbar machen kann. Historisch zeigte dieser Indikator mehrfach markante Wendepunkte im Markt an. So signalisierten frühere Extreme eine bärische Divergenz nahe der Bitcoin-Hochs der Jahre 2021 und 2025, während im Bärenmarkt 2022 eine bullische Divergenz beim Tiefpunkt entstand.
Aktuell befindet sich dieser Indikator laut Timmer jedoch noch nicht auf extremen Niveaus. Das deutet darauf hin, dass der Markt womöglich noch Zeit benötigt, um ein stabiles Fundament auszubilden. Besonders relevant ist dabei die Zone zwischen 60.000 und 70.000 US-Dollar. Diese Region fungiert sowohl aus technischer Sicht als auch im Kontext der langfristigen „Power-Law“-Kurve von Bitcoin als potenzieller Unterstützungsbereich.
Aus Sicht von Fidelity könnte Bitcoin daher zunächst eine Phase der Konsolidierung durchlaufen. Statt eines abrupten Crashs erwarten die Analysten eher eine längere Phase der Stabilisierung, bevor sich ein neuer Aufwärtstrend etabliert.
Doch gemein ist den meisten Analysten eines – diese wetten nicht auf eine schnelle V-förmige Erholung und neue Allzeithochs in den kommenden Wochen. Wer Bitcoin kaufen möchte, könnte somit in einer DCA-Strategie sein Glück finden.
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