Strategy bleibt Ausnahme: Warum viele Bitcoin-Treasury-Aktien jetzt bluten

On Sep. 17, 2025 at 10:36 pm UTC by · 4 Min. read

Nach Monaten des Hypes folgt die Ernüchterung: Mehrere Bitcoin-Treasury-Aktien rauschen ab. Die Hintergründe.

Monatelang galt Saylor mit Strategy als DIE Bitcoin-Treasury-Firma: Bitcoin in die Bilanz, den Aktienkurs hebeln, mehr Bitcoin kaufen. Doch 2025 geraten jüngere Nachahmer unter Druck und damit wächst das Risiko für einen Notfallverkauf und sinkenden Bitcoin-Kurs.

Vom Copy-Trade zum Stresstest

Michael Saylor hat mit Strategy (vormals MicroStrategy) seit 2020 vorgemacht, wie Unternehmen ihren Aktienkurs durch Bitcoin aufwerten können. Es klang eigentlich so simpel: Bitcoin kaufen, vom Kursanstieg profitieren und den Zyklus durch neue Kapitalerhöhungen immer wiederholen. 2025 folgten zahlreiche Firmen diesem Muster.

Doch der Hype ist ins Stocken geraten. Immer mehr Bitcoin-Treasury-Aktien verlieren deutlich an Wert. Selbst Strategy musste in den vergangenen Monaten Rückschläge hinnehmen: Von 457 US-Dollar im November 2024 auf aktuell nur noch rund 330 US-Dollar.

Hinzu kommt ein systemisches Risiko, Coinspeaker berichtete: Gerät ein großer Unternehmens-Hodler in finanzielle Schieflage, könnte er gezwungen sein, Teile seiner Bestände zu verkaufen. Ein solcher Notverkauf würde nicht nur den Aktienkurs des Unternehmens belasten, sondern auch Druck auf den Bitcoin-Kurs insgesamt ausüben.

NAKA (KindlyMD/Nakamoto)

NAKA stand für die „Wir werden zum Bitcoin-Vehikel“-Story und hat es besonders hart getroffen. Nach der Fusion mit Nakamoto Holdings im August legte das Unternehmen nach und kaufte über seine Tochtergesellschaft Bitcoin im Wert von rund 679 Millionen US-Dollar. Damit wollte NAKA in die Liga der großen Corporate Holder aufsteigen.

Doch die Ernüchterung kam schnell: Kaum waren die neu ausgegebenen PIPE-Aktien (Private Investment in Public Equity – neue Aktien, die nach einer Sperrfrist frei handelbar werden) am Markt, brach der Kurs ein. Binnen weniger Tage verlor NAKA über 50 Prozent, auf Monatssicht sogar fast 90 Prozent. Anleger warfen dem Unternehmen in erster Linie Verwässerung und eine schwache Kommunikation mit Investoren vor. Das wierderholt sich auch in anderen Treasury-Firmen.

Empery Digital (EMPD)

Empery Digital (ehemals Volcon) hat Mitte Juli offiziell auf eine Bitcoin-Treasury-Strategie umgestellt und baut seitdem die Bestände stetig aus. Im Bitcoin-Treasuries-Dashboard stehen 4.081 BTC zu Buche; zuletzt meldete Empery zudem Aktienrückkäufe im Rahmen eines 100-Mio.-US-Dollar-Programms.

Warum bleibt der Kurs nervös? Zum einen ist der Hype um Bitcoin-Treasuries abgeflaut. Zum anderen ringt Empery mit dem heiklen Spagat aus margenschwachem E-Mobility-Erbe, hohem Kapitalbedarf und gleichzeitigen Buybacks.

Metaplanet

Metaplanet gilt als Japans wichtigste börsennotierte Bitcoin-Treasury-Firma. Die Bitcoin-Reserven liegen inzwischen bei über 20.000 BTC; Ziel bis 2026 100.000 Bitcoin. Im September kündigte das Unternehmen außerdem eine Expansion in die USA an, erwarb die Domain bitcoin.jp und baute neue Geschäftszweige rund um Derivate und Einnahmemodelle auf. Strategisch ein Upgrade – an der Börse blieb die Aktie zuletzt trotzdem unter Druck. Der Kurs kann sich aber im Vergleich zu den anderen genannten Bitcoin-Treasury-Firmen noch halbwegs über Wasser halten.

Auch interessant: Metaplanet vs. MicroStrategy? Der Kampf um die Bitcoin-Krone

Strategy abgelehnt für S&P-Listing

Dass Strategy trotz seiner Größe nicht in den S&P 500 aufgenommen wurde, ist natürlich ein kurzfristiger Dämpfer für alle Bitcoin-Treasury-Firmen. Der Indexbetreiber hält Firmen, die durch massive BTC-Käufe „fondsähnlich“ wirken, für regeltechnisch problematisch.

Ein Analyst von JPMorgan sieht in dieser Entscheidung sogar einen möglichen Wendepunkt: Der Boom an börsennotierten Firmen, die über Kapitalerhöhungen und Schuldenaufnahme Bitcoin anhäufen, könnte damit ausgebremst werden.

Trotzdem setzt Saylor die Akkumulation fort – zuletzt kleinere Tranchen mit “nur” 60 Mio. Dollar in Bitcoin. Bemerkenswert bleibt freilich die schiere Größe des Stacks: Strategy meldet aktuell 638.985 BTC. Damit bleibt Saylor die Referenz, an der alle anderen gemessen werden.

Fazit: BTC in der Bilanz ist kein Selbstläufer

Die September-Daten zeigen: Bitcoin in der Treasury funktioniert zwar als Katalysator, aber nur, wenn Finanzierung, Governance und Kommunikation stimmen.

NAKA illustriert, wie schnell ein Angebotsschock Vertrauen zerstört. Empery kämpft mit der Transformation. Metaplanet wächst offensiv, zahlt dafür aber mit Verwässerung. Und selbst Strategy stößt an Grenzen, wenn Index-Regeln und Makro den Spielraum verkleinern.

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