Jefferies-Analysten sehen den CLARITY Act in Gefahr. Die Chancen auf eine Verabschiedung sinken auf 48%, was Folgen für Coinbase und Circle haben könnte.
Ein aktueller Bericht der Jefferies-Analysten unter der Leitung von Andrew Moss vom 30. Juni 2026 warnt davor, dass der CLARITY Act auf einen immer unsichereren Weg im US-Senat zusteuert. Das geplante Gesetz zur Struktur des Krypto-Marktes soll klare Zuständigkeitsbereiche zwischen der SEC und der CFTC für digitale Assets festlegen. Die Quoten auf Polymarket für eine Verabschiedung bis Ende 2026 sind von 70 % Mitte Mai auf aktuell 48 % gefallen, während vor der August-Pause nur noch etwa 20 Sitzungstage verbleiben.
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JUST IN: Investment bank Jefferies warns crypto markets could face volatility as the CLARITY Act's Senate path narrows, with @Polymarket odds of passage by year-end falling from 70% to 48%. pic.twitter.com/WrI6iNauhV
— CoinDesk (@CoinDesk) June 30, 2026
Dabei handelt es sich nicht bloß um ein Terminproblem. Es ist ein struktureller Wendepunkt für die institutionelle Einführung von Krypto-Infrastruktur: Es geht um die Entscheidung zwischen einem dauerhaften gesetzlichen Rahmen und einem Flickenteppich aus Behördenrichtlinien, die von jeder künftigen Regierung widerrufen werden können.
CLARITY Act News: Der Zeitplan im Senat als zentrales Risiko
Das Gesetz passierte das Repräsentantenhaus am 17. Juli 2025 mit 294 zu 134 Stimmen und wurde am 14. Mai 2026 im Bankenausschuss des Senats mit einer parteiübergreifenden Mehrheit von 15 zu 9 Stimmen angenommen. Seit dem 1. Juni 2026 steht es auf dem Kalender des Senats.
Für eine Verabschiedung im gesamten Senat sind jedoch 60 Stimmen erforderlich. Dies bedeutet, dass mindestens sieben Demokraten zustimmen müssten – eine Hürde, die durch ungelöste Streitigkeiten über Ethikbestimmungen, Formulierungen zur Bekämpfung illegaler Finanzgeschäfte und die Frage, ob Stablecoin-Emittenten Renditen auf dollarbezogene Token zahlen dürfen, erschwert wird. Diese Streitpunkte haben die Terminplanung bereits einmal verzögert, und der parlamentarische Kalender lässt kaum Spielraum für einen zweiten Aufschub.
Moss und sein Team erklärten, dass ein Scheitern vor der August-Pause das Gesetz bis 2027 oder darüber hinaus verzögern könnte, falls die Demokraten bei den Zwischenwahlen im November den Senat zurückerobern. JPMorgan veröffentlichte Anfang Juni eine ähnliche Warnung und bezeichnete den Kongresskalender als extrem eng, während die Debatte um Stablecoin-Renditen weiterhin ungelöst sei. Galaxy Research hat seine eigene Wahrscheinlichkeitsschätzung auf etwa 50–55 % gesenkt.
Verabschiedung vs. Verzögerung: Was regulatorische Klarheit ermöglicht
Laut Jefferies würde eine Verabschiedung Banken, Vermögensverwaltern und Börsen die explizite gesetzliche Grundlage geben, die sie für den Ausbau von Tokenisierungsdiensten, Verwahrung, Staking und Kreditprodukten benötigen. Derzeitige Leitlinien der SEC, CFTC und OCC bieten hierfür zwar eine Annäherung, aber keinen vollwertigen Ersatz.
Der im Gesetz vorgesehene Dezentralisierungstest entscheidet darüber, wann ein Netzwerk-Token von einem Wertpapier unter SEC-Aufsicht zu einem Rohstoff unter CFTC-Aufsicht wird. Diese rechtliche Architektur halten ETF-Anwälte für notwendig, um Spot-Krypto-ETFs über Bitcoin und Ether hinaus auf Large-Cap-Token wie SOL und AVAX auszuweiten. BlackRocks jüngste Expansion bei Bitcoin-bezogenen ETF-Strukturen verdeutlicht, wie schnell sich die Produktentwicklung beschleunigt, sobald regulatorische Bahnen definiert sind.
JUST IN: 🇺🇸 SEC Commissioner Hester Peirce on the Clarity Act: "I'm still optimistic it will get done this summer."
— Bitcoin Magazine (@BitcoinMagazine) July 1, 2026
"I expect that we'll see it pass soon." 🚀 pic.twitter.com/DwiZcJwy2a
Darüber hinaus identifizierte Jefferies das Gesetz als Voraussetzung für die Wiederbelebung von Krypto-Börsengängen (IPOs). Der CLARITY Act würde ein maßgeschneidertes Offenlegungsregime für Emittenten schaffen, das weniger streng als eine volle Wertpapierregistrierung ist. Dies würde konformes Token-Fundraising und den Sekundärhandel an CFTC-registrierten Börsen ermöglichen, sobald Dezentralisierungsschwellen erreicht sind. Ohne dieses Gesetz bleiben potenzielle Emittenten der Einzelfallprüfung durch die SEC ausgesetzt.
Im Falle einer Verzögerung blieben regulierte Finanzinstitute weiterhin von widerrufbaren Behördenentscheidungen abhängig. Jefferies bezeichnete diese Dynamik als Belastung für Blockchain-Initiativen, da Compliance-Teams rechtliche Risiken unter einem vollzugsorientierten statt gesetzlich fundierten Regime neu bewerten müssen – ein Muster, das laut JPMorgan die US-Marktstruktur seit etwa 2020 prägt.
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Aktien im Fokus: Volatilität bei Circle, Coinbase und Bullish erwartet
Jefferies rechnet damit, dass der Gesetzgebungsprozess selbst die Volatilität bei kryptoaffinen Aktien antreiben wird. Dabei stehen insbesondere Circle (CRCL), Coinbase (COIN) und die CoinDesk-Muttergesellschaft Bullish (BLSH) im Fokus.
Für Circle sieht die Bank gemischte Auswirkungen: Der aktuelle Gesetzentwurf würde das Schlupfloch schließen, das es Dritten wie Coinbase ermöglicht, Belohnungen auf USDC-Bestände anzubieten, was das USDC-Wachstum kurzfristig bremsen könnte. Eine Verzögerung hingegen gäbe Circle mehr Zeit, die Einnahmen zu diversifizieren und sein Zahlungsnetzwerk auszubauen.
Langfristig betrachtet Jefferies jedoch den zunehmenden Wettbewerb durch bankeneigene Stablecoins als das bedeutendere strukturelle Risiko für Circle – ein Problem, das durch die Gesetzgebung weder geschaffen noch gelöst wird.
Es besteht der Verdacht, dass der Markt die Asymmetrie zwischen diesen beiden Szenarien noch nicht vollständig eingepreist hat. Während die Prognosemärkte bei einer 50:50-Chance liegen, haben die Aktien des Sektors noch nicht entsprechend reagiert, um das Basisszenario eines anhaltenden regulatorischen Vakuums abzubilden. Die Veröffentlichung des Textes im Juli und der Zeitplan für die Abstimmung im Senat werden das nächste konkrete Signal dafür sein, ob sich diese Lücke nach oben oder unten schließt.
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