Ripple-CEO Brad Garlinghouse sieht den XRP Ledger als überlegene Basis für das Internet of Value – mit Fokus auf Banken statt Privatanleger.
Ripple-CEO Brad Garlinghouse hat während des Segments „XRP in a Minute“ auf der XRP Las Vegas den XRP Ledger als spezialisierte Infrastruktur für den Zahlungsverkehr positioniert. Laut Garlinghouse ist das Netzwerk in der Lage, Transaktionen innerhalb von drei bis fünf Sekunden für Bruchteile eines Cents abzuwickeln.
Er verwies dabei auf die mehr als 4 Milliarden Transaktionen, die seit 2012 verarbeitet wurden, und betonte das Potenzial des Ledgers als grundlegendes Fundament für das sogenannte „Internet of Value“. Garlinghouse hob die technische Architektur hervor, deren Ursprünge auf ehemalige Bitcoin-Entwickler zurückgehen, und sieht darin den entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber Ethereum und Bitcoin.
Diese strategische Ausrichtung zielt darauf ab, die Zielgruppe von XRP weg von Privatanlegern hin zu institutionellen Akteuren wie Treasury-Managern und Banken zu verschieben. Indem Ripple XRP primär als Zahlungsinfrastruktur und nicht als reines Investment darstellt, versucht das Unternehmen, im Mainstream-Finanzsektor Fuß zu fassen und über Nischenanwendungen im Kryptobereich hinauszuwachsen.
Trotz dieser optimistischen Aussagen notiert der XRP-Kurs aktuell bei 1,38 USD, was einem Minus von 3,2 % entspricht. Dieser Rückgang erfolgt vor dem Hintergrund einer allgemeinen Marktabkühlung, die die gesamte Krypto-Marktkapitalisierung um mehr als 100 Milliarden USD reduziert hat.
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Ripple-Architektur und das Internet of Value: Garlinghouses Philosophie hinter dem Zahlungsdesign
Der XRP Ledger (XRPL) nutzt einen Byzantine Fault Tolerant-Algorithmus und eine „Unique Node List“, um alle drei bis fünf Sekunden einen Konsens zu erzielen – und das ganz ohne Mining.
Durch dieses Design entfällt der enorme Energieverbrauch von Bitcoins Proof-of-Work sowie die Komplexität von Ethereum. Das Ergebnis ist eine sofortige Finalität der Transaktionen, im Gegensatz zu den etwa 10 Minuten bei Bitcoin oder den 12 bis 15 Sekunden bei Ethereum vor dem Einsatz von Rollups.
Der XRPL kann fast 1.500 Transaktionen pro Sekunde verarbeiten, was die Kapazitäten von Bitcoin (7 TPS) und Ethereum bei weitem übertrifft. Dabei bleiben die Gebühren mit etwa 0,0002 USD minimal. Das Netzwerk wurde gezielt für Zahlungen und Liquiditätsströme entwickelt und bietet finanzielle Grundbausteine wie eine dezentrale Börse und Zahlungskanäle, anstatt als Allzweck-Plattform wie Ethereum zu fungieren.
Zudem ist Ripple auf die ISO 20022-Standards ausgerichtet, was die Interoperabilität mit bestehenden Bankensystemen gewährleistet. Diese Spezialisierung unterscheidet die Architektur des XRPL maßgeblich von der von Ethereum.
Zahlungsverkehr vs. Smart Contracts: Ripples institutionelle Positionierung
Die Argumentation von Garlinghouse verdeutlicht Ripples Fokus auf ein zahlungsspezifisches Design, das sich von Ethereums Fokus auf programmierbare Abwicklungen und DeFi-Funktionen abhebt.
Ripple vertritt die Ansicht, dass institutionelle Anwendungsfälle differenziert betrachtet werden sollten. Die eigene Architektur sei besser für das Korrespondenzbankgeschäft und grenzüberschreitende Zahlungen geeignet.
Die wachsende institutionelle Akzeptanz unterstreicht diesen Anspruch: So wurde im Mai 2026 eine grenzüberschreitende Einlösung von tokenisierten US-Staatsanleihen auf dem XRP Ledger durchgeführt, an der Schwergewichte wie JPMorgan, Mastercard und Ondo Finance beteiligt waren. Diese Transaktion bewies die betriebliche Machbarkeit und machte das Architektur-Argument zu einer relevanten Erwägung für den institutionellen Einkauf.
Darüber hinaus sorgte das Urteil von Richterin Analisa Torres im Juli 2023 für Klarheit: Der Verkauf von XRP an öffentlichen Börsen stellt keinen Investmentvertrag dar. Diese regulatorische Sicherheit bezeichnet Garlinghouse als essenziell für Institutionen.
Zusammen mit Ripples Akquisitionsbemühungen und der Zulassung des RLUSD-Stablecoins bildet dies eine strategische Offensive, um XRP als compliance-konforme Option für die institutionelle Adoption zu etablieren.
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Infrastruktur für das Internet of Value: Die Bedeutung für das institutionelle Settlement
Die Perspektive von Garlinghouse signalisiert einen Wandel in der Wahrnehmung grenzüberschreitender Zahlungen durch Institutionen. Während klassische SWIFT-Modelle auf vorfinanzierten Nostro- und Vostro-Konten basieren, die Kapital binden, nutzt Ripples On-Demand Liquidity (ODL) XRP als Echtzeit-Liquiditätsbrücke. Dies macht eine Vorfinanzierung überflüssig. XRP fungiert hierbei als flüchtige Brückenwährung, wobei der Transaktionsdurchsatz wichtiger ist als die Preissteigerung.
Der wertstabile Stablecoin RLUSD unterstützt dabei die Abwicklung, während XRP die Brücken- und Gebührenfunktionen übernimmt – ein Modell, das besonders risikoscheuen Compliance-Abteilungen entgegenkommt. Ripples Roadmap sieht zudem „Hooks“ und EVM-kompatible Sidechains vor, um die Funktionen zu erweitern, ohne den Fokus auf Zahlungen zu verlieren.
Dennoch bleibt die direkte Verbindung zwischen Ripples Infrastruktur und der Nachfrage nach XRP vorerst weitgehend potenzieller Natur. Die meisten Transaktionen auf RippleNet nutzen derzeit RLUSD und Fiat-Kanäle; ODL generiert noch keine substanzielle XRP-Nachfrage. Die kommenden 12 bis 18 Monate werden durch die Skalierungsdaten von ODL hierüber Klarheit bringen.
Entscheidend wird die Entwicklung der ODL-Korridore sein, insbesondere dort, wo die Einsparung von Vorfinanzierungskosten massive Vorteile bietet. Sollte die Rolle von XRP in institutionellen Workflows wachsen, würde dies Garlinghouses Thesen bestätigen. Bleibt das ODL-Volumen jedoch gering, während RLUSD und Fiat-Kanäle dominieren, wird die Lücke zwischen Ripples Narrativ und dem tatsächlichen Nutzen von XRP weiterhin ein zentrales Thema bleiben.
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