Circle und Tether sind die größten Konkurrenten im Markt für Stablecoins. Beim Einfrieren von Vermögenswerten nach Hacks wählen sie unterschiedliche Wege. Nun friert Tether weit über 300 Mio. USDT ein, während sich das Drift Protocol nach Hack für USDT und gegen USDC entscheidet.
Der jüngste Drift-Hack hat die Stablecoin-Debatte deutlich verschärft. Anfang April wurden bei Drift Protocol rund 280 bis 285 Millionen US-Dollar entwendet, womit der Angriff zu den größten DeFi-Hacks des Jahres zählt. Besonders brisant: Ein erheblicher Teil der gestohlenen Mittel wurde offenbar in USDC umgewandelt und über Circle-Infrastruktur bewegt.
Genau hier setzte die Kritik an Circle an. On-Chain-Ermittler wie ZachXBT warfen dem USDC-Emittenten vor, nicht schnell genug reagiert und verdächtige Wallets nicht eingefroren zu haben, obwohl Circle technisch dazu in der Lage ist.
Circle verteidigte sich jedoch mit einem eher regelbasierten Ansatz. Das Unternehmen argumentiert, dass Stablecoin-Emittenten nicht willkürlich oder allein auf Basis öffentlicher Verdachtsmomente einfrieren sollten. Circle betonte, dass man bei rechtlich belastbaren Anordnungen, etwa durch Behörden oder Gerichte, handele.
Damit steht Circle für einen Ansatz, der Missbrauch verhindern soll, aber zugleich rechtliche Verfahren und Eigentumsrechte stärker gewichtet. Genau diese Zurückhaltung wurde nach Drift jedoch von vielen Marktteilnehmern als zu langsam und reputationsschädlich bewertet.
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Tether friert 344 Millionen USDT ein: Kontrastprogramm zu Circle
Vor diesem Hintergrund wirkt die jüngste Maßnahme von Tether wie ein bewusst starkes Signal an den Markt. Am 23. April 2026 teilte Tether mit, in Koordination mit OFAC und US-Strafverfolgungsbehörden mehr als 344 Millionen USDT über zwei Adressen eingefroren zu haben. Die betreffenden Wallets seien nach Hinweisen mehrerer US-Behörden mit illegalen Aktivitäten in Verbindung gebracht worden. Durch das Einfrieren wurde eine weitere Bewegung der Gelder verhindert.
Tether Supports Freeze of More Than $344 Million in USD₮ in Coordination with OFAC and U.S. Law Enforcement
Learn more: https://t.co/PFMCimX9hV— Tether (@tether) April 23, 2026
Tether stellt sich damit klar als aktiver Partner der Strafverfolgung dar. Nach eigenen Angaben arbeitet das Unternehmen inzwischen mit mehr als 340 Behörden in 65 Ländern zusammen. Diese Kooperation habe bereits mehr als 2.300 Fälle unterstützt, darunter über 1.200 mit Bezug zu US-Behörden. Insgesamt seien dadurch mehr als 4,4 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten eingefroren worden.
Die Botschaft ist eindeutig: USDT soll laut Tether kein sicherer Hafen für illegale Aktivitäten sein. CEO Paolo Ardoino betont, dass öffentliche Blockchains Ermittlern einen Vorteil bieten, weil Transaktionen sichtbar, Wallets identifizierbar und Vermögenswerte bei Bedarf blockierbar sind. Damit setzt Tether einen Kontrast zur Circle-Debatte nach dem Drift-Hack.
Während Circle stärker auf formale rechtliche Schwellen verweist, präsentiert sich Tether als schneller, kooperativer und durchsetzungsstarker Akteur. Für den Stablecoin-Markt ist das jedoch ambivalent: Einerseits stärkt es Vertrauen in Compliance und Strafverfolgung. Andererseits zeigt es auch, wie zentralisiert Eingriffsmöglichkeiten bei großen Stablecoin-Emittenten bleiben.
Drift zieht Konsequenzen: Wechsel zu USDT als Signal der Unzufriedenheit?
Nach dem massiven Hack und den darauffolgenden Diskussionen rund um eingefrorene beziehungsweise nicht eingefrorene Gelder steht Drift Protocol nun unter Zugzwang. In der Community kursierten zuletzt Berichte, dass Drift im Zuge eines möglichen Restarts stärker auf USDT statt USDC setzen könnte. Hintergrund ist die Wahrnehmung vieler Marktteilnehmer, dass Tether im Vergleich zu Circle schneller und entschlossener auf kriminelle Aktivitäten reagiert – wie zuletzt beim Einfrieren von über 344 Millionen USDT.
🚨Everything you need to know about @DriftProtocol incident recovery
– Recovery plan is led by @Tether with support from @SolanaFndn, with ~$147M secured (~$127.5M Tether + ~$20M partners)
– At relaunch, Drift Protocol will migrate from $USDC to $USDT as its settlement layer
— SolanaFloor (@SolanaFloor) April 16, 2026
Allerdings ist die Lage aktuell nicht eindeutig bestätigt. Offizielle Aussagen von Drift selbst bleiben bislang vage, und ein vollständiger Wechsel von USDC auf USDT ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar belegt. Dennoch zeigt bereits die Diskussion, wie groß der Vertrauensverlust gegenüber einzelnen Stablecoin-Emittenten sein kann. Gerade in DeFi, wo Geschwindigkeit und Risikomanagement entscheidend sind, erwarten Nutzer im Ernstfall schnelle Eingriffe.
Sollte Drift tatsächlich stärker auf USDT setzen, wäre das ein deutliches Signal an den Markt. Es würde nicht nur die Bedeutung von Reaktionsgeschwindigkeit unterstreichen, sondern auch zeigen, dass Protokolle ihre Infrastruktur aktiv anpassen, wenn Zweifel an der Sicherheit oder Handlungsfähigkeit von Partnern entstehen.
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