Das Bitcoin Put/Call-Ratio sank auf 0,59 – den tiefsten Stand seit sechs Monaten. Was Deribit-Daten und DVOL für die BTC-Prognose bedeuten.
Bitcoin notiert am 20. Juli 2026 bei 64.772 USD und erholt sich damit vom Juli-Tief bei rund 62.400 bis 62.800 USD – und ausgerechnet der Derivatemarkt liefert dabei das auffälligste Signal: Das Put/Call-Ratio für Bitcoin-Optionen ist auf rund 0,59 gefallen, das tiefste Niveau seit sechs Monaten.
Was das Put/Call-Ratio auf diesem Niveau bedeutet
Ein Put/Call-Ratio unter 1,0 zeigt, dass im Open Interest mehr Call-Optionen als Put-Optionen ausstehen – Marktteilnehmer positionieren sich also stärker auf steigende Kurse als auf Absicherung gegen Verluste. Auf Deribit, der liquidesten Krypto-Optionsbörse weltweit, standen im 24-Stunden-Handelsfenster zuletzt 6.258 Calls nur 3.610 Puts gegenüber; im Open Interest beträgt das Verhältnis 370 zu 257 Kontrakten zugunsten der Calls.
Parallel dazu meldete Glassnode einen Live-Wert von 0,5337786 für das Put/Call-Ratio über alle Börsen hinweg – noch aggressiver bullisch als die 0,59 vom Spotmarkt. Beide Datenpunkte zusammen ergeben ein klares bullisches Signal aus dem Optionsmarkt, auch wenn derartige Sentiment-Indikatoren historisch eher Positionierungsneigungen als präzise Preisziele beschreiben.
DVOL fällt von 48 auf 40 – Ruhe oder Ruhe vor dem Sturm?
Ebenso auffällig ist die Entwicklung der impliziten Volatilität: Der DVOL-Index von Deribit, das Äquivalent des VIX für den Bitcoin-Optionsmarkt, sank von 48 auf 40 Punkte. Sinkende implizite Volatilität signalisiert weniger wahrgenommenen Stress im Markt und macht Optionen günstiger – was tendenziell Call-Käufe begünstigt und den Aufwärtsbias im Put/Call-Ratio verstärkt.
Gleichzeitig ist Vorsicht angebracht: Stark komprimierte Volatilität ist häufig der Vorbote eines kräftigen Ausbruchs in eine der beiden Richtungen. Besonders relevant ist dabei die sogenannte Negative-Gamma-Zone zwischen 68.000 und 70.000 USD. Sollte Bitcoin diese Reibungszone nach oben durchbrechen, wären Market Maker gezwungen, ihr Gamma-Exposure prozyklisch abzusichern – ein Mechanismus, der den Aufwärtsmove technisch beschleunigen kann.
Technische Chartlage und Fundamentalkontext
Auf dem Tageschart hält BTC über dem mittleren Bollinger Band und nähert sich der oberen Begrenzung. Der MACD liegt nahe der Nulllinie ohne starkes Momentum, während der Stochastic Oscillator aus neutraler Zone nach oben dreht. Der unmittelbare Widerstand liegt bei 64.900 bis 65.100 USD, ein nachhaltiger Ausbruch würde das Ziel 65.450 USD im bullischen Szenario ins Spiel bringen; auf der Unterseite fungiert die Zone 64.300 USD und 63.950 USD als Auffangnetz.
Fundamental bleibt das Bild gemischt. Im US-Repräsentantenhaus wurde Bill H.R. 8957 im Kontext möglicher Bitcoin-Regelungen diskutiert; konkrete Gesetzestext-/Abstimmungsdetails zum Clarity Act sind laut RoboForex noch nicht eindeutig veröffentlicht. MicroStrategy hält unverändert 843.775 BTC und stockte seine USD-Liquidität per ATM-Aktienverkäufen auf 3 Mrd. USD auf. Das Spot-Bitcoin-ETF-Volumen ist zuletzt jedoch rückläufig – ein dämpfender Faktor für die BTC-Prognose, den institutionelle Beobachter mit Blick auf IBIT und den weiteren ETF-Expansionspfad genau verfolgen.
On-Chain-Daten bestätigen Trendwende noch nicht
Laut Glassnode sind On-Chain-Akkumulationssignale zwar vorhanden, doch der MVRV Z-Score – ein Maß dafür, wie weit der aktuelle Marktpreis vom realisierten Wert aller Coins abweicht – sowie realisierter Preis und Marktbreite bestätigen noch keine nachhaltige Trendwende. Die Put-OI-Schwerpunkte bei 58.000 bis 62.000 USD zeigen außerdem, dass ein erheblicher Teil der Absicherungsgeschäfte deutlich tiefer liegen als der aktuelle Kurs, was die Abwärtsrisiken begrenzt, aber nicht eliminiert. Mehr Kontext zu den aktuellen On-Chain-Signalen bietet die jüngste Analyse zu Bärenmarkt-Indikatoren.
Fazit und Einordnung
Das auf ein Sechs-Monats-Tief gefallene Put/Call-Ratio und die auf 40 Punkte komprimierte implizite Volatilität senden konstruktive Signale aus dem Optionsmarkt – Kapital fließt gezielt in Call-Strukturen, während Absicherungsdruck nachlässt. Ob das ein belastbarer Ausbruch oder ein Fehlsignal wird, entscheidet sich an den Schlüsselmarken 65.100 USD nach oben und 64.300 USD nach unten; ein Bruch der Gamma-Zone bei 68.000 bis 70.000 USD könnte im Szenario ein beschleunigender Verstärker für einen Aufwärtsmove sein.
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