Ray Dalio warnt vor dem Ende der aktuellen Weltordnung. Michael Saylor wirbt für Bitcoin „ohne Gegenpartei“.
Ray Dalio sieht die Weltordnung zerbröseln. Michael Saylor liefert prompt die Krypto-Antwort: Bitcoin als Vermögenswert „ohne Gegenpartei“.
Dalio: „Die Nachkriegsordnung ist zerbrochen“
Ray Dalio, der bekannte Crashprophet und Autor von “Rich Dad, Poor Dad” formulierte am Wochenende nach der Münchner Sicherheitskonferenz einen Satz, der sitzt: „The post-war world order has broken down.“ Gemeint ist nicht nur ein bisschen diplomatischer Gegenwind, sondern ein Strukturbruch: weniger regelbasierte Stabilität, mehr Wettbewerb zwischen Machtblöcken – inklusive der Werkzeuge, die früher eher nach Bürokratie klangen als nach Geopolitik.
Dass diese Diagnose in München auf offene Türen trifft, zeigen die Aussagen aus dem politischen Betrieb. CDU-Chef Friedrich Merz erklärte dort, die „alte Weltordnung“ existiere nicht mehr. Der Punkt daran ist für Anleger spannend: Wenn politische Konflikte zunehmend über Handel, Technologie und Finanzkanäle ausgetragen werden, dann wird Finanzinfrastruktur selbst zur Waffe – und das ist genau der Resonanzraum, in dem Krypto-Narrative traditionell gedeihen.
Saylor: Bitcoin als „Vermögenswert ohne Gegenpartei“
Michael Saylor, Chef von Strategy (ehemals MicroStrategy) und einer der lautesten Bitcoin-Maximalisten, griff Dalios Posting sofort auf. Sein Pitch in einem Satz: „If you believe the world order is breaking down, own the asset with no counterparty.“ Die Botschaft dahinter ist klar: Wer sein Vermögen als Forderung gegen Banken, Staaten oder Intermediäre hält, trägt ein Gegenparteirisiko. Bitcoin soll dieses Risiko reduzieren, weil Besitz und Transfer technisch nicht an eine einzelne Institution gebunden sind.
Das ist als Erzählung nicht neu, aber selten so gut getimt: Weltpolitik liefert die Dramaturgie, Bitcoin kaufen wird zur vermeintlich einfachen Versicherung. Dass Saylor damit punktet, liegt auch daran, dass sich „Gegenpartei“ im Alltag eben nicht akademisch anfühlt. Sie heißt: Konto gesperrt. Zahlung blockiert. Kapitalverkehr eingeschränkt. Und ja, in Extremfällen: Vermögenswerte eingefroren.
If you believe the world order is breaking down, own the asset with no counterparty. Bitcoin.
— Michael Saylor (@saylor) February 16, 2026
Wo die Realität Saylors These einholt
So sauber das Argument auf Protokollebene wirkt: In der Praxis ist Bitcoin oft nur so „gegenparteifrei“ wie der Weg, über den Nutzer hinein- und wieder herauskommen. Spätestens beim Kauf über zentralisierte Börsen oder Broker landet man in einem regulierten System, das Lizenzen, Aufsicht und Vorgaben kennt. In der EU setzt MiCA dafür einen einheitlichen Rahmen, inklusive Regeln für Zulassung und Überwachung von Crypto-Asset-Service-Providern.
Der zweite Haken: Auch im Kryptosystem selbst existiert Sanktionsrealität. Die US-Sanktionsbehörde OFAC weist ausdrücklich darauf hin, dass digitale Währungsadressen in Sanktionslisten aufgenommen werden können. Und: OFAC beschreibt sogar, wie sich solche Adressen in der eigenen „Sanctions List Search“-Datenbank gezielt abfragen lassen. Das bedeutet nicht, dass „das Bitcoin-Netzwerk“ Transaktionen zensiert – aber es heißt sehr wohl, dass Marktteilnehmer (Börsen, Zahlungsdienstleister, Compliance-Abteilungen) bestimmte Adressen nicht anfassen dürfen, ohne sich rechtlich zu verbrennen.
Und dann ist da noch der operative Unterbau: Mining ist kein physikfreier Raum. Es hängt an Strom, Infrastruktur, Standorten – und damit an Regeln, Preisen und politischer Laune. Wie stark das durchschlägt, zeigen Analysen aus dem Energiesektor, die die Sensitivität von Mining gegenüber Strompreisen, Netzzugang und Regulierung betonen. Kurz: Wer „außerhalb staatlicher Einflussmöglichkeiten“ verspricht, verkauft eher ein Idealbild als eine belastbare Beschreibung.
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