Trump-Zölle, schwacher Dollar, Rekordgold: Risiko raus aus den Portfolios. Optionen werden defensiv, Profis sichern ab, aber Wale akkumulieren weiter.
Bitcoin hat in den vergangenen Tagen einmal kurz „Ausbruch“ angedeutet – und ist dann doch wieder in den alten Rhythmus zurückgekippt. Wenn Washington mit Zöllen droht und Europa im Grönland-Streit auf Krawall gebürstet wirkt, bedeutet das oft Risk-Off bei Bitcoin und in den Portfolios allgemein. Bitcoin wird in solchen Momenten entgegen des Sicherheitsnarrativs nicht als Krisenwährung gehandelt, sondern wie ein klassisches Risk-Asset.
Grönland, Zölle, Risk-Off bei Bitcoin
Aktuell gibt es eine neue „Risk-off“-Welle am Markt, ausgelöst durch Trumps Ankündigung zusätzlicher Zölle auf Waren aus mehreren europäischen Ländern – explizit verknüpft mit dem politischen Druck rund um Grönland. Das führt im Umkehrschluss zu Risiko-Assets unter Druck, Volatilität hoch und Anleger suchen sichere Häfen.
Bitcoin ist im Zuge der neu aufflammenden Handels- und Zollrhetorik wieder deutlich südlich abgewandert, parallel zu schwachen US-Index-Futures. Am heutigen 21. Januar notiert BTC laut CoinGecko bei gerade mal rund 89.000 US-Dollar.
NEW: @potus letter to @jonasgahrstore links @NobelPrize to Greenland, reiterates threats, and is forwarded by the NSC staff to multiple European ambassadors in Washington. I obtained the text from multiple officials:
Dear Ambassador:
President Trump has asked that the…
— Nick Schifrin (@nickschifrin) January 19, 2026
Makrodaten: Risk-Off bei Bitcoin
Aus klassischer Makro-Perspektive gab es zuletzt keine echte Inflations-Explosion, die einen Ausverkauf „erzwingen“ würde. Die US-Verbraucherpreise lagen im jüngsten CPI-Update im Bereich, der in den Märkten bereits erwartet war. Beim Produzentenpreisindex (PPI) zeigte sich zuletzt ebenfalls kein Schock, der die Zinserwartungen komplett neu sortiert hätte.
Und trotzdem bleiben die Erwartungen an schnelle Zinssenkungen zäh. Das lässt sich auch daran ablesen, dass Tools zur Fed-Zinserwartung wie FedWatch zuletzt eher Stabilität als „Pivot-Euphorie“ signalisierten.
Und selbst wenn Zinssenkungen kommen, ist das nicht automatisch bullisch „weil Geld billig wird“. Häufig steckt dahinter die Sorge, dass die Wirtschaft abkühlt.
Derivatemarkt wird defensiver: Die 80.000-US-Dollar bis Ende Juni
Während der Spotmarkt auf Headlines reagiert, zeigt der Optionsmarkt, wo Profis Risiko verorten. Derive.xyz – ein On-Chain-Protokoll für Optionen und Futures – beschreibt in einem Marktupdate vom 20. Januar einen klaren Abwärts-Bias: Bis 26. Juni werde ungefähr eine 30-%-Chance eingepreist, dass Bitcoin bis unter 80.000 US-Dollar fällt, Coinspeaker berichtete.
Derive nennt außerdem ein zweites Signal: In den Juni-Kontrakten sammelt sich besonders viel Open Interest in Put-Optionen in einem Korridor um 75.000 bis 80.000/85.000 US-Dollar – also dort, wo viele Trader entweder einen möglichen „Stress-Test“ sehen oder ihr Portfolio genau gegen diese Zone schützen wollen.
Gegengewicht: ETF-Zuflüsse und große Wallets kaufen wieder
Es gibt jedoch nicht nur negative News: Was gegen eine reine Crash-Erzählung spricht ist, dass das Kapital nicht komplett aus Bitcoin abgezogen wird. Für die Vorwoche wurden laut Farside teils starke Zuflüsse in Spot-Bitcoin-ETFs berichtet, wenn auch diese Woche wieder Abflüsse verzeichnet wurden.
Auch on-chain läuft es noch rund: Laut Glassnode haben Wallets mit 10 bis 1.000 BTC in den letzten 30 Tagen so stark akkumuliert wie seit dem FTX-Zusammenbruch nicht mehr.
LATEST: 📈 Bitcoin holders with 10-1,000 BTC have accumulated 110,000 coins over the past 30 days, the strongest monthly buying since the 2022 FTX collapse, according to Glassnode data. pic.twitter.com/3rTzqYAbIG
— CoinMarketCap (@CoinMarketCap) January 19, 2026
CLARITY Act und der Streit um Stablecoin-Zinsen
Neben Makro und Charttechnik gibt es in dieser Woche noch ein zweites Nerventhema: Regulierung. In den USA sorgte zuletzt die Debatte um den CLARITY Act für Unruhe, weil sich politische Prozesse verzögerten und Lobby-Interessen – insbesondere rund um Stablecoins – aufeinanderprallen.
Ein zentraler Konfliktpunkt ist die Frage, ob und wie Stablecoin-Emittenten bzw. Plattformen Zinsen/Rewards an Nutzer weitergeben dürfen. Nachdem Coinbase öffentlich Vorbehalte geäußert habe, der Fortschritt beim CLARITY Act ins Stocken geraten. Parallel gibt es im Senat Entwürfe bzw. Diskussionen, die Stablecoin-„Interest“ einschränken könnten – was wiederum Banken schützt, aber das Krypto-Angebot unattraktiver machen kann.
Klarheit kann zwar Vertrauen bringen, aber Einschränkungen können auch das Wachstum bremsen.
Fazit
Die politische Gemengelage rund um Grönland und Zölle ist ein klassischer „Short-Term-Schocker“. Solche Drohkulissen schlagen sofort in Dollar, Aktien, Volatilität und Safe Havens durch. Das kann sich schnell drehen, aber genauso gut festfressen. Der Derivatemarkt jedenfalls zeigt: Einige Profis zahlen lieber für Schutz, als auf ein schnelles Happy End zu wetten.
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