Stablecoin-Karten: Finanzierung wird zum neuen Engpass

On Sep. 10, 2026 at 1:48 p.m. UTC by · 3 Min. read

Stablecoin-Finanzierung wird zum Engpass: Visa wickelt annualisiert mehr als 20 Milliarden US-Dollar über weltweit aktive Kartenprogramme ab.

Visa hat bei der Abwicklung von Kartenzahlungen über Stablecoins die Marke von 20 Milliarden US-Dollar annualisiert überschritten – mehr als das 15-Fache des Niveaus vor einem Jahr. Treiber sind mehr als 160 Stablecoin-verknüpfte Kartenprogramme, die im zweiten Fiskalquartal des Zahlungsdienstleisters weltweit aktiv waren. Das Wachstum verschiebt nach Angaben von Visa den eigentlichen Engpass: weg von der Nutzerakzeptanz, hin zur Finanzierung der laufenden Abwicklung.

Visa baut Stablecoin-Abwicklungen auf mehr als 20 Milliarden Dollar aus

Laut Visa stieg das Zahlungsvolumen über die mehr als 160 Kartenprogramme im Jahresvergleich um nahezu 200 Prozent. Anders als klassische Kartenprogramme wickeln diese Stablecoin-Linien sieben Tage die Woche ab, viele davon benötigen laut Primärquelle nur wenige Millionen US-Dollar auf einmal – ein deutlich anderes Liquiditätsprofil als bei etablierten Emittenten.

Um diesen Bedarf zu decken, hat Credit Coop gemeinsam mit Visa eine stablecoin-denominierte revolvierende Kreditfazilität aufgebaut. Ein Smart Contract namens Spigot leitet Settlement-Forderungen automatisiert weiter und bedient Rückzahlungen direkt über Code – ähnlich einer klassischen Lender-Lockbox, nur ohne manuelle Zwischenschritte. Über die Plattform wurden nach Angaben von Credit Coop bereits mehr als 9.000 Rückzahlungen onchain ausgeführt, während die Finanzierungskosten teilnehmender Programme um bis zu 30 Prozent sanken.

Kumuliert beziffert Credit Coop das über diese Struktur finanzierte Volumen auf über 2,5 Milliarden US-Dollar, verteilt auf mehr als 3.000 Borrow-Events – bei null Ausfällen. Wie stark Stablecoins inzwischen als praktisches Zahlungsinstrument taugen, zeigt sich auch in anderen institutionellen Anwendungsfällen, etwa bei der Einbindung von Stablecoins in Verwahrung und Zahlungsinfrastruktur großer Finanzunternehmen.

Der Finanzierungsbedarf wird zum nächsten Engpass

Das Grundproblem ist strukturell: Kartenzahlungen müssen abgewickelt werden, bevor Karteninhaber ihre Verbindlichkeiten zurückzahlen. Große Emittenten decken diese Lücke traditionell über Warehouse-Linien oder Verbriefungen – Instrumente, die für kleinere, täglich rotierende Stablecoin-Programme oft zu teuer und zu langsam in der Dokumentation sind.

Onchain-Kredit soll genau hier ansetzen: Settlement-Forderungen werden in Echtzeit überwacht, Rückzahlungen laufen automatisiert über Code statt über klassische Kreditprüfungen. Ein konkretes Beispiel liefert Karta, das dasselbe Modell zunächst nutzte, um eine Kredithistorie aufzubauen, und darauf anschließend eine institutionelle Kreditfazilität über 125 Millionen US-Dollar sicherte – Teil eines größeren Finanzierungspakets von 140 Millionen US-Dollar.

Für Visa liegt die eigentliche Relevanz der 20-Milliarden-Marke weniger in der reinen Wachstumszahl als im Signal, dass Stablecoins tiefer in die Zahlungsinfrastruktur vordringen. Der nächste limitierende Faktor dürfte laut Primärquelle nicht die Nachfrage sein, sondern die Frage, wie schnell sich die Finanzierung der Settlement-Ebene an das Tempo des Kartenwachstums anpassen lässt. Wie sich stablecoin-basierte Zahlungssysteme auch außerhalb des Kartengeschäfts im Alltag bewähren, zeigt ein Praxistest zu programmierbaren Stablecoin-Zahlungen.


Kryptowährungen bleiben trotz wachsender institutioneller Nutzung volatil und teils pseudonym; Transaktionen über regulierte Kartenprogramme unterliegen in der Regel KYC-Pflichten. Wer sich für die praktische Seite stablecoin-basierter Zahlungen interessiert, findet ergänzende Einordnung im Praxistest zum programmierbaren Einsatz eines Stablecoins.

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