Der Kelp-Hack war einer der größten Vorfälle in 2026. DeFi United sorgte für Kompensation. Nun spricht ein US-Gericht Aave 71 Millionen US-Dollar zu.
Der Kelp-Hack war einer der schwersten DeFi-Vorfälle der letzten Monate. Im April wurden über die rsETH-Struktur Vermögenswerte im Umfang von rund 290 bis 300 Millionen US-Dollar attackiert. Besonders brisant: Die gestohlenen Assets landeten nicht isoliert irgendwo im Ökosystem, sondern hatten direkte Auswirkungen auf Aave. Der Angreifer nutzte Teile der erbeuteten rsETH-Positionen als Sicherheiten, um auf Aave liquide Vermögenswerte zu leihen.
Damit wurde aus einem Protokoll-Hack schnell ein systemisches Problem für den breiteren DeFi-Markt. Aave musste reagieren, weil die Positionen Risiken für Nutzer, Liquidität und die Stabilität der Märkte erzeugten. Inzwischen wurden verbliebene Positionen liquidiert und in einen Recovery-Prozess überführt.
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Nach dem Kelp-Hack: Warum DeFi United entstand
Aus dem Kelp-Hack entstand anschließend eine koordinierte Rettungsinitiative namens DeFi United. Dahinter steht im Kern der Versuch, die Lücke bei rsETH zu schließen, betroffene Nutzer zu entschädigen und das Vertrauen in DeFi-Infrastruktur zu stabilisieren. Denn nach dem Angriff war nicht nur Kapital verschwunden. Auch die Glaubwürdigkeit von Restaking-Produkten, Cross-Chain-Infrastruktur und Kreditmärkten stand unter Druck.
DeFi United bündelte deshalb mehrere Akteure aus dem Ökosystem, um die Wiederherstellung der Deckung von rsETH voranzutreiben. Dabei ging es nicht nur um Kommunikation, sondern um konkrete Vermögenswerte: Es wurden zusätzliche Mittel mobilisiert, Liquidationen durchgeführt und Assets an Recovery-Strukturen weitergeleitet. Nach vorliegenden Berichten wurden mehr als 300 Millionen US-Dollar beziehungsweise große ETH-Bestände für den Recovery-Prozess gesichert. Damit ist die entstandene Lücke mittlerweile weitgehend kompensiert oder zumindest wesentlich stärker abgesichert als unmittelbar nach dem Hack.
Aave founder Stani Kulechov said he is personally contributing 5,000 ETH to the DeFi United relief effort and is working with partners to formalize additional commitments, aiming to resolve the situation and restore normal market conditions.
— Wu Blockchain (@WuBlockchain) April 23, 2026
Wichtig ist: DeFi United ist damit auch ein Präzedenzfall. Statt dass jedes Protokoll isoliert reagiert, entstand eine Art Branchenkoordination. Genau das dürfte in Zukunft wichtiger werden, weil große Hacks längst nicht mehr nur einzelne Smart Contracts treffen, sondern ganze Liquiditätsketten.
Arbitrum friert 71 Millionen Dollar ein: Notfallmaßnahme mit Sprengkraft
Besonders kontrovers wurde der Fall, als auf Arbitrum rund 30.766 ETH eingefroren wurden. Der Wert lag bei etwa 71 Millionen US-Dollar. Die Maßnahme sollte verhindern, dass Mittel, die mit dem Kelp-Hack in Verbindung standen, weiterbewegt oder endgültig abgezogen werden. Aus Sicht vieler DeFi-Nutzer war das zunächst ein Erfolg: Statt dass die Gelder verschwinden, lagen sie plötzlich erreichbar in einer Struktur, die für die Entschädigung der Opfer genutzt werden konnte.
The @arbitrumdao_gov proposal to release 30,765 ETH to rsETH holders ends in one day.
Approve Release of Frozen ETH: https://t.co/e0zCefyHPW
DeFi United. https://t.co/h2VmXxZpO2
— Kelp (@KelpDAO) May 6, 2026
Doch genau hier begann die Debatte. Kritiker sahen darin einen massiven Eingriff in die Funktionsweise einer vermeintlich dezentralen Blockchain. Wenn eine DAO oder ein Security Council Gelder einfrieren kann, stellt sich die Frage, wie unveränderlich solche Netzwerke wirklich sind. Befürworter argumentierten dagegen, dass es sich um eine außergewöhnliche Notsituation handelte.
Zusätzlich kam eine juristische Dimension hinzu. Kläger mit bestehenden Forderungen gegen Nordkorea argumentierten, dass die eingefrorenen Assets mutmaßlich nordkoreanischen Hackern zuzuordnen seien. Deshalb könnten sie für offene Verbindlichkeiten genutzt werden. Damit wurde aus einer DeFi-Recovery ein Konflikt zwischen Nutzerentschädigung, Sanktionsrecht und alten Gerichtsurteilen.
US-Gericht entscheidet: Aave darf die ETH bewegen
Nun gab es den entscheidenden juristischen Schritt. Ein US-Gericht erlaubte Aave, die eingefrorenen ETH im Umfang von rund 71 Millionen US-Dollar zu bewegen. Damit kann die On-Chain-Abstimmung praktisch umgesetzt werden, ohne dass Teilnehmer gegen die rechtliche Sperre verstoßen. Die Mittel sollen von Arbitrum in eine von Aave kontrollierte Struktur übertragen werden, um den Recovery-Plan weiterzuführen.
🚨 AAVE GETS GREEN LIGHT TO MOVE FROZEN $71M ETH
A U.S. judge has cleared the way for Aave to transfer $71M in frozen $ETH after the rsETH exploit.
The ruling allows an on-chain vote to move the ETH from Arbitrum to an Aave-controlled wallet without participants violating the… pic.twitter.com/uMM2ILMxMB
— Coin Bureau (@coinbureau) May 9, 2026
Für Aave ist das ein wichtiger Sieg. Die Entscheidung stärkt die Position, dass diese Gelder primär der Wiederherstellung geschädigter Nutzer dienen sollen.
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