Während der Clarity-Act aufgrund der Gegenwehr der Banken aktuell in den USA stockt, bahnt sich der nächste Konflikt an. Gerüchten zufolge möchte die Bankenlobby die OCC verklagen – der Grund: Lizenzen für Krypto-Unternehmen.
Die jüngste Neubewertung des Kryptomarkts in den USA ist eng mit dem politischen und regulatorischen Kurswechsel in Washington verbunden. Seit dem Amtsantritt von Donald Trump wurden mehrere Maßnahmen auf den Weg gebracht, die digitale Vermögenswerte stärker in das US-Finanzsystem integrieren sollen. Dazu zählen ein neues White-House-Arbeitsprogramm für digitale Assets, eine klarer pro-innovation formulierte Kryptopolitik, eine SEC-Crypto-Task-Force mit Fokus auf Regelklarheit sowie ein kooperativerer Ton der CFTC gegenüber Marktstrukturreformen. Für viele Anleger ist genau dieser regulatorische Wandel ein zentraler Kurstreiber, weil er Rechtssicherheit, institutionellen Zugang und neue Geschäftsmodelle begünstigen könnte. So suchen diese die besten Kryptowährungen für ein freundliches Umfeld.
US-Banken prüfen Klage gegen die OCC
Der aktuelle Bericht des Guardian beschreibt eine neue Eskalationsstufe im Machtkampf zwischen der traditionellen Bankenlobby und der Kryptoindustrie in den USA. Demnach prüft das Bank Policy Institute (BPI), das rund 40 der größten US-Banken vertritt, rechtliche Schritte gegen das Office of the Comptroller of the Currency, also die OCC. Laut Guardian geht es dabei um die jüngste Auslegung der nationalen Trust-Bank-Charta, durch die Krypto-, Payment- und Fintech-Unternehmen leichter unter ein bundesweites Regime fallen können. Für deinen Text kannst du den Guardian-Artikel direkt als Primärquelle verlinken.
Hintergrund ist, dass die OCC seit Dezember mehreren Krypto-Unternehmen bedingte Genehmigungen für nationale Trust-Bank-Strukturen erteilt hat. Offiziell argumentiert die Behörde, neue Marktteilnehmer stärkten Wettbewerb, Innovation und den Zugang zu modernen Finanzdienstleistungen. Genau das sieht die Bankenlobby jedoch als Problem: Sie befürchtet, dass Unternehmen bankähnliche Dienstleistungen bundesweit anbieten können, ohne denselben regulatorischen Pflichten zu unterliegen wie klassische Vollbanken. Der Guardian zitiert diese Sorge klar: Die Institute warnen davor, dass Verbraucher- und Systemrisiken steigen könnten, wenn neue Akteure eine Art regulatorischen Abkürzungsweg erhalten.
🇺🇸 NEW: The Bank Policy Institute is weighing a lawsuit against the OCC over new crypto banking licenses it says put consumers at risk, The Guardian reports. pic.twitter.com/un6q7dd2uj
— Cointelegraph (@Cointelegraph) March 10, 2026
Besonders brisant ist, dass sich der Konflikt nicht nur auf Großbanken beschränkt. Auch die Conference of State Bank Supervisors und die Independent Community Bankers of America haben Kritik an der expansiveren OCC-Linie geäußert. Der Vorwurf lautet im Kern, dass die nationale Trust-Bank-Charta ursprünglich für Institute mit echter Trust- und Treuhandfunktion gedacht sei, nicht als Einfallstor für breitere Krypto-, Zahlungs- oder Stablecoin-Geschäftsmodelle. Damit geht es nicht nur um einzelne Zulassungen, sondern um die Grundsatzfrage, wie weit die Bundesaufsicht den Bankbegriff dehnen darf. Genau deshalb hat dieser Streit für den gesamten Kryptomarkt hohe Relevanz: Er entscheidet mit darüber, wie schnell Krypto-Unternehmen in den USA in den regulierten Finanzmainstream hineinwachsen können.
Welche Firmen betroffen sind, was die Charta bedeutet
Die OCC hatte im Dezember 2025 fünf bedeutenden Anträgen eine bedingte Zustimmung erteilt. Für de novo nationale Trust-Banken wurden First National Digital Currency Bank und Ripple National Trust Bank genehmigt. Zusätzlich erhielten BitGo, Fidelity Digital Assets und Paxos die bedingte Freigabe für die Umwandlung bestehender State-Trust-Strukturen in nationale Trust-Banken. Im Februar 2026 kam dann laut OCC-Unterlagen und Unternehmensmitteilungen weitere Dynamik hinzu, unter anderem mit einer vorläufig bedingten Genehmigung für Crypto.coms Foris DAX National Trust Bank.
Wichtig ist, was diese Charta gerade nicht bedeutet. Eine nationale Trust-Bank ist keine klassische Geschäftsbank. So dürfen diese Institute zwar Vermögenswerte verwahren, bestimmte Zahlungs- und Stablecoin-bezogene Dienstleistungen anbieten und bundesweit operieren, sie dürfen aber keine traditionellen Einlagen annehmen und keine Kredite wie eine normale Bank vergeben. Für Krypto-Unternehmen ist das trotzdem enorm wertvoll: Sie erhalten einen direkten Zugang zu einer bundesweiten regulatorischen Hülle, mehr institutionelle Glaubwürdigkeit und potenziell eine deutlich bessere Ausgangslage für Custody-, Zahlungs- und Reserve-Management-Dienstleistungen.
Genau hier setzt der Widerstand der Bankenlobby an. BPI argumentiert, dass solche Konstruktionen regulatorische Arbitrage ermöglichen könnten: also bankähnliche Angebote mit leichterer Aufsicht. Bereits im Oktober hatte BPI die OCC aufgefordert, Anträge von Circle, Ripple und anderen abzulehnen. Jetzt geht es augenscheinlich darum, diese Öffnung entweder juristisch zu stoppen oder politisch so einzuschränken, dass Trust-Bank-Charten enger ausgelegt werden.
🔥Just heard from my DC sources: The White House is now leaning on banks, and the banks are holding the CLARITY Act hostage. They continue to want to ban stablecoin yield because they’re scared of competition. 🏦🛑 I expect them to cave soon.
Banks have already lost trillions to… pic.twitter.com/tWHbZmE9h7
— PaulBarron (@paulbarron) February 20, 2026
Parallel tritt die Bankenlobby auch an anderer Front offensiv auf: Beim Clarity Act blockieren Banken weiterhin Kompromisse, weil sie fürchten, dass Stablecoin-Erträge, Rewards oder yield-ähnliche Modelle Bankeinlagen abziehen könnten. Doch wenn die Banken hier ihre Deutungshoheit verlieren, könnte manch ein Krypto-Geheimtipp profitieren.
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