Der Kryptomarkt bleibt unter Druck. Bitcoin verlor im Mai mehr als 6 Prozent, während Ethereum sogar zweistellige Verluste verzeichnete. Die Stimmung ist schwach und viele Anleger bleiben vorsichtig. Dennoch zeigen historische Daten und On-Chain-Metriken, dass sich gerade in solchen Phasen oft attraktive Chancen für langfristige Investoren ergeben.
Der Mai hat den Kryptomarkt erneut hart getroffen. Ethereum verlor zweistellig, Bitcoin gab um mehr als 6 Prozent nach. Eine nachhaltige Stabilisierung ist bis dato nicht gelungen. Stattdessen nimmt der Druck wieder zu, während auch das allgemeine Sentiment schwach bleibt. Angst macht sich breit, viele Anleger zweifeln wieder am Markt. Übergeordnet befindet sich Krypto damit weiterhin klar im Bärenmarkt – daran gibt es aktuell kaum Zweifel. Doch genau solche Phasen waren historisch oft besonders spannend. Denn wenn Panik dominiert und kaum jemand kaufen will, entstehen langfristig häufig die besten Chancen.
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Analyst sieht Parallelen zu früheren Akkumulationsphasen
Der bekannte Krypto-Analyst Michaël van de Poppe ordnet die aktuelle Marktphase historisch ein und zieht dabei einen Vergleich zu Q4 2018 sowie Q4 2022. Beide Phasen galten rückblickend als extrem schwierige, aber auch chancenreiche Zeitpunkte im Kryptomarkt. 2018 war der Markt nach dem großen ICO-Hype und dem Bitcoin-Cash-Fork massiv eingebrochen. 2022 wiederum belasteten die Zusammenbrüche von Terra/Luna, Celsius und FTX das Vertrauen in die gesamte Branche schwer.
Van de Poppe argumentiert nun, dass die aktuelle Lage ähnlich sei: schwaches Momentum, schlechte Stimmung, viel Angst und kaum Risikobereitschaft. Genau diese Kombination habe in der Vergangenheit oft die Phase markiert, in der langfristige Anleger begonnen hätten, Positionen aufzubauen. Seine Kernaussage lautet damit nicht, dass der Markt sofort dreht. Vielmehr sieht er die jetzige Schwäche als mögliche Akkumulationsphase.
The current stage of the #Crypto markets are comparable to the Q4 2018, Q4 2022 periods.
Just after a #Bitcoin fork destroyed the momentum.
Just after FTX, Luna and Celsius collapsed.Historically, that's the time to accumulate your positions as these periods have proven to be…
— Michaël van de Poppe (@CryptoMichNL) May 31, 2026
Historisch war der Kryptomarkt häufig zyklisch geprägt. Nach starken Übertreibungen folgten lange Phasen der Kapitulation, in denen viele Anleger das Interesse verloren. Erst danach entstanden neue Aufwärtsbewegungen. Van de Poppe sieht offenbar genau hier die Chance: Wenn der Markt bereits stark gefallen ist, die Stimmung extrem negativ wirkt und viele Investoren Angst haben, könne das Chance-Risiko-Verhältnis für geduldige Anleger wieder attraktiver werden.
Dennoch bleibt Vorsicht wichtig. Ein Vergleich mit früheren Zyklen garantiert keine Wiederholung. Kurzfristig kann der Druck weiter anhalten, gerade wenn Bitcoin keine Stabilisierung schafft. Doch für antizyklische Investoren könnte genau diese Unsicherheit der Punkt sein, an dem sich der Blick auf starke Projekte und langfristige Trends wieder lohnt.
MVRV Z-Score signalisiert attraktive Bewertung – aber kein finales Tief
Auch die aktuelle MVRV-Z-Score-Metrik von Glassnode stützt die These, dass Bitcoin inzwischen wieder vergleichsweise günstig bewertet sein könnte. Die Kennzahl vergleicht die Marktkapitalisierung mit der sogenannten Realized Cap und dient dazu, Über- und Unterbewertungen im historischen Kontext sichtbar zu machen. Besonders hohe Werte signalisierten in der Vergangenheit häufig Marktspitzen, während niedrige Werte oft in der Nähe bedeutender Tiefpunkte auftraten.
Aktuell notiert der MVRV Z-Score deutlich unter den Niveaus der großen Haussephasen 2021 und auch klar unter den Spitzenwerten des Zyklus 2024 und 2025. Damit befindet sich Bitcoin inzwischen in einem Bereich, der historisch eher mit attraktiven langfristigen Einstiegszonen als mit Überhitzung verbunden war. Genau das dürfte die bullische Interpretation von Michaël van de Poppe zusätzlich untermauern.
Allerdings zeigt der Vergleich mit dem Bärenmarktende 2022 auch eine wichtige Einschränkung. Damals fiel der MVRV Z-Score zeitweise sogar in die grüne Akkumulationszone und markierte die stärkste Unterbewertung des gesamten vergangenen Zyklus. Von solchen Extremwerten ist Bitcoin derzeit noch entfernt. Tatsächlich erinnert das aktuelle Bewertungsniveau eher an die Situation zu Beginn des Jahres 2022. Auch damals wirkten viele Kennzahlen bereits attraktiv, bevor der Markt durch die späteren Zusammenbrüche von Terra, Celsius und FTX noch einmal deutlich tiefer fiel.
Genau deshalb sollten Anleger die aktuelle Situation differenziert betrachten. Die Metrik spricht dafür, dass Bitcoin inzwischen wieder deutlich günstiger bewertet ist als noch vor einigen Monaten. Sie liefert jedoch keinen Beweis dafür, dass das finale Tief bereits erreicht wurde. Eine Fortsetzung des Bärenmarktes über mehrere Monate hinweg bleibt deshalb durchaus möglich.
Dennoch entsteht genau daraus ein spannendes Chance-Risiko-Verhältnis. Historisch waren die besten Akkumulationsphasen selten die Zeitpunkte, an denen sich Anleger besonders wohlfühlten. Vielmehr dominierten Angst, Unsicherheit und Zweifel. Die aktuelle Marktstimmung erinnert stark an solche Phasen. Deshalb erscheint die schrittweise Akkumulation von Bitcoin für langfristig orientierte Investoren heute so interessant wie seit mehreren Jahren nicht mehr – auch wenn es sich im Moment für viele Marktteilnehmer völlig anders anfühlt.
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