Glassnode zeigt: True Market Mean, STH-MVRV und Realized Cap signalisieren weiterhin Bärenmarkt – Bitcoins Trendwende ist noch nicht bestätigt.
Bitcoin steht weiter massiv unter Druck. Nach dem Juni-Ausverkauf, der den Kurs zeitweise auf rund 60.000 US-Dollar drückte, hat sich BTC zwar stabilisiert, doch On-Chain-Daten von Glassnode zeichnen ein ernüchterndes Bild: Der Spot-Preis notiert aktuell bei rund 65.600 US-Dollar – und damit rund 15 Prozent unterhalb des sogenannten True Market Mean von 77.200 US-Dollar. Historisch markiert dieser Abstand ein Terrain, das Glassnode klar dem Bärenmarkt-Regime zuordnet.
Die Erholung vom Tief ist real, aber sie reicht nicht aus. Drei zentrale Bedingungen für eine belastbare Trendwende bleiben laut dem Glassnode-Report vom 17. Juni 2026 unerfüllt: eine Rückeroberung des True Market Mean, ein Short-Term Holder MVRV oberhalb von 1,0 sowie eine Realized Cap, die auf Dreimonatssicht wieder wächst. Alle drei Indikatoren liegen derzeit im negativen Bereich.
Glassnode: True Market Mean als Scheidelinie zwischen Bullen- und Bärenmarkt
Der True Market Mean misst den durchschnittlichen Einstandspreis aktiv gehandelter Coins im Netzwerk – er gilt bei Glassnode als eine der zuverlässigsten Trennlinien zwischen bullischen und bärischen Marktregimes. Mit 77.200 US-Dollar liegt er derzeit deutlich über dem Spot-Preis, was bedeutet: Der Markt befindet sich kollektiv im Verlustbereich gegenüber diesem Niveau.
Besonders unter Druck stehen Kurzfrist-Halter. Deren durchschnittliche Kostenbasis liegt laut Glassnode bei rund 72.600 US-Dollar, was bei einem aktuellen Kurs von 65.600 US-Dollar unrealisierte Verluste von rund 10 Prozent bedeutet. Der Short-Term Holder MVRV – der das aktuelle Marktgewicht dieser Gruppe ins Verhältnis zum Einstandspreis setzt – verbesserte sich zwar von 0,81 auf 0,90, bleibt aber unterhalb der Break-even-Schwelle von 1,0. Solange dieser Wert unter 1,0 verharrt, befinden sich jüngere Marktteilnehmer im Durchschnitt im Minus.
Zum Vergleich: On-Chain-Analysen zu Halter-Verlusten und Kapitualtionsphasen hatten bereits früh im Zyklus darauf hingedeutet, dass der Druck auf schwache Hände zunimmt, sobald der STH-MVRV dauerhaft unter die 1,0-Marke fällt.
Realized Cap und Kapitalflüsse: Ausflüsse verlangsamen sich, bleiben aber negativ
Die Realized Cap – vereinfacht das kumulierte investierte Kapital im Bitcoin-Netzwerk auf Basis des letzten Transaktionspreises je Coin – ist auf rund 1,07 Billionen US-Dollar gefallen. Auf Dreimonatssicht entspricht das einem Rückgang von 1,45 Prozent, was bedeutet: Netto verlässt weiterhin Kapital das Netzwerk.
Ein kleines Positivsignal: Der Sieben-Tage-Wert der Realized-Cap-Veränderung verbesserte sich auf minus 0,18 Prozent. Die Ausflüsse verlangsamen sich also, sind aber noch nicht gestoppt. Ähnlich verhält es sich mit dem 30-Tage-Realized-Profit/Loss-Ratio, der bei 0,53 liegt – realisierte Verluste überwiegen weiterhin die realisierten Gewinne im Netzwerk.
Diese Kapitalfluss-Struktur passt zum breiteren Bild: Analysen zu On-Chain-Indikatoren und möglichen Kurszielen im Bärenmarkt hatten die Nähe des Realized Price – aktuell um rund 53.600 bis 54.000 US-Dollar – als potenzielle Bodenzone identifiziert. Der aktuelle Spot-Preis liegt noch rund 20 Prozent darüber, ohne dass ein finales Tief bestätigt wäre.
Marktstruktur: Nachfrage stabilisiert sich, aber fehlen institutionelle Impulse
Binance-Orderbuchdaten zeigen einen ermutigenden Detailbefund: Die Kaufseite übertrifft ruhende Verkaufsorders mit dem größten Abstand seit Monaten, nachdem Bitcoin die 60.000-US-Dollar-Marke getestet hatte. Das deutet auf eine gewisse Nachfragebereitschaft bei Schwäche hin – klassisches Akkumulationsverhalten in Ausverkaufsphasen.
Gleichzeitig fehlen strukturelle Treiber. Das Open Interest in Bitcoin-Futures ist von rund 42 Milliarden US-Dollar Anfang Mai auf etwa 25 Milliarden US-Dollar Ende Mai gefallen – ein Sechs-Monats-Tief, das auf eine massive Enthebelung hindeutet. Institutionelle Zuflüsse über US-Spot-ETFs, die mit rund 1,3 Millionen BTC zu einem zentralen Taktgeber des Marktes geworden sind, blieben an einzelnen Handelstagen im Juni mit 70 bis 90 Millionen US-Dollar an Nettoabflüssen im negativen Bereich.
Die kritische Unterstützungszone bei 60.000 US-Dollar hatte der Markt im Juni nur knapp gehalten – die historische Bedeutung dieser Marke und der Verkaufsdruck in ihrer Nähe waren bereits vor dem Ausverkauf ein zentrales Diskussionsthema unter Analysten.
Bitcoin-Ausblick: Drei Bedingungen, die noch niemand erfüllt hat
Glassnode formuliert die Anforderungen für eine glaubwürdige Erholung klar und messbar: Erstens muss Bitcoin den True Market Mean bei rund 77.200 US-Dollar zurückerobern. Zweitens muss der STH-MVRV über 1,0 steigen, um jüngere Käufer wieder in die Gewinnzone zu bringen. Drittens muss die Realized Cap auf Dreimonatssicht ins Positive drehen, was einen anhaltenden Netto-Kapitalzufluss ins Netzwerk signalisiert. Keiner dieser drei Punkte ist aktuell erfüllt.
Kurzfristig richten Marktbeobachter den Blick auf kommende FOMC-Sitzungen und US-Inflationsdaten. Jede Überraschung bei Zinsen oder Forward Guidance dürfte sich unmittelbar auf ETF-Ströme und den Risikoappetit institutioneller Investoren auswirken. Das Widerstandsband zwischen 70.000 und 74.000 US-Dollar gilt als nächste technische Hürde, während Wochenschlusskurse unterhalb von 60.000 US-Dollar das bärische Szenario deutlich beschleunigen könnten.
Für Anleger bedeutet das eine unbequeme Zwischenphase: Die Bodenbildung ist möglich, aber nicht bestätigt. Die On-Chain-Signale zeigen Stabilisierung, noch keine Umkehr. Entscheidend bleibt, ob die Kapitalabflüsse aus ETFs in den kommenden Wochen nachhaltig stoppen und ob der Markt bei erneuter Schwäche die 60.000-US-Dollar-Marke verteidigen kann.
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