Der Kryptomarkt bleibt im Jahr 2026 von Unsicherheit geprägt. Während einige Analysten bereits erste Anzeichen einer Bodenbildung erkennen, warnen andere weiterhin vor einer letzten Kapitulationsphase. Verschiedene On-Chain-Daten zeichnen derzeit ein gemischtes Bild und sprechen weder klar für Bullen noch Bären. Besonders eine Kennzahl von Glassnode deutet darauf hin, dass die finale Bereinigung am Markt womöglich noch nicht abgeschlossen ist.
Der Kryptomarkt zeigt sich auch zum Wochenende weiter angeschlagen. Zwar konnte sich Bitcoin zuletzt wieder leicht erholen und notiert erneut oberhalb von 64.000 US-Dollar, doch von Entwarnung kann keine Rede sein.
Gegenüber dem Allzeithoch liegt die größte Kryptowährung weiterhin rund 50 Prozent im Minus – ein klassisches Merkmal eines Bärenmarktes. Gleichzeitig fällt auf, dass Bitcoin seit mehreren Wochen die Unterstützungszone um 60.000 US-Dollar verteidigt und auf Wochensicht weitgehend seitwärts tendiert. Trotz geopolitischer Unsicherheiten, ETF-Abflüssen und makroökonomischem Gegenwind bleiben neue Tiefstände bislang aus.
Das wirft die entscheidende Frage auf: Hat der Markt bereits den Großteil der Korrektur hinter sich oder droht Anlegern noch eine weitere Kapitulationsphase?
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Ist der Bitcoin-Bärenmarkt bereits vorbei? Das ist die These
Der bekannte Krypto-Analyst und Trader Michaël van de Poppe vertritt aktuell eine vergleichsweise optimistische Einschätzung für den weiteren Verlauf von Bitcoin. Seine zentrale These lautet: Solange Bitcoin den langfristig wichtigen 200-Wochen-Durchschnitt verteidigt und keine neuen Tiefs markiert, könnte der Bärenmarkt bereits weit fortgeschritten oder sogar beendet sein.
Besonders bemerkenswert sei laut van de Poppe die Widerstandsfähigkeit des Marktes angesichts zahlreicher negativer Faktoren. In den vergangenen Wochen hätten gleich mehrere Belastungsfaktoren auf Bitcoin eingewirkt. Dazu zählen die geopolitischen Spannungen rund um den Iran-Konflikt, anhaltende Abflüsse aus Spot-Bitcoin-ETFs, Inflationssorgen sowie die Aussicht auf weiterhin hohe Zinsen ohne kurzfristige Zinssenkungen durch die US-Notenbank.
My thesis is:
If #Bitcoin holds the 200-Week MA and refuses to drop deeper, there's clearly not enough sell pressure despite:
– Iran war
– STRC Michael Saylor doomposting about FTX
– Outflows of the ETF
– Macroeconomic inflationary topics and no rate cutsThat's the sign that… https://t.co/nVCk9CMIsL
— Michaël van de Poppe (@CryptoMichNL) June 20, 2026
Hinzu kam zuletzt die Diskussion um Strategy und das STRC-Finanzinstrument von Michael Saylor. Die deutliche Entkopplung des Produkts vom angestrebten Wert löste zwischenzeitlich zusätzliche Sorgen am Markt aus. Dennoch blieb Bitcoin oberhalb der markanten Unterstützungszone bei rund 60.000 US-Dollar stabil.
Für van de Poppe ist genau diese Stabilität ein positives Signal. Wenn selbst unter starkem negativen Nachrichtenfluss keine signifikant tieferen Kurse entstehen, deute dies häufig darauf hin, dass der Verkaufsdruck weitgehend absorbiert wurde. Historisch markierten solche Phasen oftmals die Endphase eines Bärenmarktes.
Zusätzlichen Optimismus zieht der Analyst aus der Entwicklung vieler Altcoins. Zahlreiche größere Kryptowährungen konnten sich in den vergangenen Wochen stabilisieren und notieren deutlich über ihren jüngsten Tiefständen. Eine zunehmende relative Stärke im Altcoin-Sektor galt in früheren Marktzyklen häufig als frühes Indiz für eine bevorstehende Erholung des gesamten Kryptomarktes.
Dennoch bleibt Vorsicht angebracht. Erst ein nachhaltiger Ausbruch über wichtige Widerstände würde die bullische These endgültig bestätigen. Bis dahin bewegt sich Bitcoin weiterhin in einer kritischen Übergangsphase zwischen Bodenbildung und möglicher weiterer Schwäche.
CryptoQuant widerspricht: Droht Bitcoin noch eine finale Kapitulation?
Während Analysten wie Michaël van de Poppe bereits Anzeichen für ein Ende des Bärenmarktes sehen, mahnt die Analyseplattform CryptoQuant weiterhin zur Vorsicht. Nach Einschätzung des On-Chain-Analysten Moreno könnte dem Bitcoin-Markt noch eine letzte Kapitulationsphase bevorstehen, bevor ein nachhaltiger Boden ausgebildet wird.
Im Mittelpunkt der Analyse steht die Kennzahl „Net Realized Profit/Loss“. Diese misst, ob Anleger ihre Coins mit Gewinn oder Verlust verkaufen. Aktuell zeigt die 30-Tage-Metrik zwar deutliche realisierte Verluste, allerdings fällt die aktuelle Verkaufswelle deutlich schwächer aus als die erste große Abwärtsbewegung im Jahr 2026. Damals realisierte der Markt Verluste von rund 400.000 BTC, während die jüngste Abverkaufsphase lediglich etwa 234.000 BTC erreichte – obwohl sich Bitcoin auf ähnlichen Kursniveaus bewegt.
The Final Flush Before Bitcoin Finds Its Bottom?
“The key question now is whether BTC can stabilize while realized losses continue to decline, or whether one last downside wave is needed to complete the capitulation process.” – By @MorenoDV_ pic.twitter.com/iNVTpA5Tnt
— CryptoQuant.com (@cryptoquant_com) June 19, 2026
Für CryptoQuant ist diese Divergenz durchaus positiv. Sie deutet darauf hin, dass viele schwache Marktteilnehmer ihre Positionen bereits in der ersten Abwärtswelle verkauft haben. Die Panikverkäufer könnten demnach größtenteils aus dem Markt gespült worden sein.
Dennoch liefert eine zweite Kennzahl, das Buy/Sell Pressure Delta, noch keine endgültige Entwarnung. Zwar hat der Verkaufsdruck zuletzt nachgelassen, allerdings wurden noch nicht jene extrem negativen Werte erreicht, die frühere zyklische Tiefpunkte kennzeichneten. Historisch kam es in vergleichbaren Marktphasen häufig noch zu einem letzten, scharfen Ausverkauf, um die verbliebenen Anleger mit hohen Buchverlusten ebenfalls zur Aufgabe zu zwingen.
Auch die langfristige Einjahresbetrachtung der realisierten Gewinne und Verluste spricht laut CryptoQuant gegen eine bereits abgeschlossene Bodenbildung. Zwar befindet sich die Kennzahl mittlerweile im negativen Bereich, die historischen Extremwerte früherer Bärenmarkt-Tiefs wurden bislang jedoch nicht erreicht.
Die Analysten sehen den Markt daher in einer späten Stressphase: Ein Großteil der schwachen Hände könnte bereits ausgeschieden sein, doch die finale Bestätigung eines Bodens fehlt weiterhin.
Bitcoin-Halter noch nicht vollständig kapituliert? Diese Metrik mahnt zur Vorsicht
Eine weitere spannende On-Chain-Kennzahl liefert derzeit zusätzliche Hinweise darauf, dass der Bitcoin-Bärenmarkt möglicherweise noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Gemeint ist die Metrik „Percent of Addresses in Profit“ von Glassnode. Sie misst den Anteil aller Bitcoin-Adressen, deren Bestände auf Basis des durchschnittlichen Kaufpreises aktuell im Gewinn liegen.
Historisch erwies sich diese Kennzahl als äußerst hilfreich, um Überhitzungen und finale Bodenbildungsphasen zu identifizieren. In euphorischen Marktphasen notieren häufig mehr als 95 Prozent aller Adressen im Plus. Dies war sowohl in den Haussephasen 2021 als auch 2024/2025 zu beobachten. Umgekehrt fallen die Werte in ausgeprägten Bärenmärkten deutlich zurück, da immer mehr Anleger unter Wasser geraten.
Aktuell liegt der Anteil profitabler Bitcoin-Adressen erstmals seit längerer Zeit wieder unter der Marke von 70 Prozent. Das signalisiert bereits eine deutliche Verschlechterung der Marktstimmung. Viele Anleger sitzen mittlerweile auf Verlusten, was typischerweise mit zunehmender Unsicherheit und sinkender Risikobereitschaft einhergeht.
Für einen finalen zyklischen Boden könnte dies jedoch noch nicht ausreichen. Beim letzten großen Bärenmarkt-Tief Ende 2022 sank die Kennzahl zeitweise bis auf rund 50 Prozent. Damals befand sich also etwa jede zweite Bitcoin-Adresse im Verlust – ein klassisches Zeichen für eine weitreichende Kapitulation und extreme Angst am Markt.
Sollte sich die Historie wiederholen, wäre somit durchaus noch eine letzte Verkaufswelle denkbar, die den Anteil profitabler Adressen weiter in Richtung der 50-Prozent-Zone drückt.
Gleichzeitig gilt: Je tiefer diese Kennzahl fällt, desto näher rückt aus historischer Sicht häufig auch das Ende des Bärenmarktes. Aktuell deutet die Metrik daher auf eine fortgeschrittene, aber womöglich noch nicht vollständig abgeschlossene Bereinigungsphase hin.
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