Der Bitcoin-Kurs bleibt stabil über 80.000 US-Dollar, Hoffnung kehrt zurück. Doch Analysten von Wintermute mahnen zur Vorsicht.
Der Kryptomarkt zeigt sich zum Wochenstart erstaunlich robust. Während die US-Technologiebörse Nasdaq nach überraschend heißen Inflationsdaten deutlich unter Druck geriet und auch andere Risikoanlagen scharf korrigierten, hielt sich Bitcoin vergleichsweise stabil.
Die größte Kryptowährung der Welt verteidigt weiterhin die psychologisch wichtige Marke von 80.000 US-Dollar und notiert damit so hoch wie seit Januar 2026 nicht mehr. Die mittelfristige Erholung setzt sich damit fort, obwohl der übergeordnete Abwärtstrend aus Sicht vieler Analysten noch nicht vollständig überwunden wurde. Genau hier mahnt nun der bekannte Market Maker Wintermute zur Vorsicht. Zwar sei der Ausbruch technisch bedeutsam, doch unter der Oberfläche sehen die Experten bislang keinen wirklich gesunden Bull-Run.
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Wintermute sieht vor allem einen Short-Squeeze statt echter Stärke
Aus Sicht von Wintermute wirkt der jüngste Bitcoin-Anstieg auf den ersten Blick für eine Bitcoin Prognose äußerst bullisch. Bitcoin stieg erstmals seit Januar wieder über die Marke von 80.000 US-Dollar und erreichte zwischenzeitlich sogar rund 83.000 US-Dollar. Gleichzeitig wurde der viel beachtete 200-Tage-Durchschnitt überwunden, der monatelang als massiver Widerstand fungierte. Genau dieser technische Ausbruch gilt normalerweise als starkes Signal für einen neuen Aufwärtstrend.
Doch Wintermute warnt davor, die Rally vorschnell als Beginn eines neuen Bullenmarktes zu interpretieren. Entscheidend sei nämlich die Struktur der Bewegung. Laut Analyse wurde der jüngste Anstieg vor allem durch gehebelte Futures-Positionen und einen massiven Short-Squeeze getragen. Das Open Interest bei Bitcoin-Derivaten sprang innerhalb eines Monats von 48 auf 58 Milliarden US-Dollar an. Gleichzeitig lagen die Spot-Handelsvolumina auf dem niedrigsten Niveau seit zwei Jahren. Genau diese Kombination gilt als problematisch.
— Wintermute (@wintermute_t) May 12, 2026
Normalerweise werden nachhaltige Ausbrüche durch stark steigende Spot-Nachfrage bestätigt. Anleger kaufen dabei reale Bitcoins am Kassamarkt. Aktuell dominiert jedoch der Futures-Markt. Viele Trader hatten auf fallende Kurse gesetzt, wurden durch den plötzlichen Ausbruch über 80.000 US-Dollar überrascht und mussten ihre Positionen eindecken. Dadurch entstand zusätzlicher Kaufdruck. Wintermute spricht deshalb eher von einer Liquidationsrally als von einer organischen Akkumulationsphase.
Dennoch gibt es auch konstruktive Signale. Die ETF-Zuflüsse bleiben robust. Allein in der vergangenen Woche flossen laut Wintermute rund 623 Millionen US-Dollar in Bitcoin-ETFs. Besonders auffällig: Der neue Bitcoin-ETF von Morgan Stanley sammelte bereits im ersten Monat 194 Millionen US-Dollar ein – ohne einen einzigen Tag mit Nettoabflüssen. Gleichzeitig befinden sich die Bitcoin-Reserven auf zentralen Börsen weiterhin auf dem niedrigsten Stand seit sieben Jahren. Langfristige Investoren akkumulieren also offenbar weiterhin.
Wintermute Says BTC Rally Looks More Like a Short Squeeze Than a Healthy Breakout
Wintermute said U.S. equities extended gains for a sixth straight week, with the Nasdaq and S&P 500 hitting fresh highs, while Bitcoin climbed above $80,000 for the first time since January and… pic.twitter.com/IgswEVB7Nj
— Wu Blockchain (@WuBlockchain) May 12, 2026
Kurzfristig bleibt Wintermute jedoch vorsichtig. Der RSI-Indikator nähert sich inzwischen dem überkauften Bereich. Damit steigt das Risiko einer technischen Abkühlung. Solange die Spot-Nachfrage nicht deutlich zunimmt, könnte sich der Markt laut Wintermute schnell wieder nach unten bewegen, sobald der aktuelle Short-Squeeze ausläuft. Besonders wichtig werde nun die Makrolage.
Sollten neue Inflationsdaten belasten oder die US-Notenbank restriktiver auftreten, könnte Bitcoin erneut gemeinsam mit Aktien korrigieren. Hält sich BTC dagegen auch durch mögliche Makro-Schocks stabil über 80.000 US-Dollar, wäre das laut Wintermute die erste echte Bestätigung für einen nachhaltigen Trendwechsel.
Bitcoin Analyse: Möglicher Regimewechsel am Kryptomarkt
Deutlich optimistischer als Wintermute bewertet der bekannte Krypto-Analyst Michaël van de Poppe die aktuelle Marktphase. Aus seiner Sicht unterschätzen viele Anleger weiterhin die Stärke des laufenden Trends. Van de Poppe argumentiert, dass Märkte bei jedem Ausbruch reflexartig als „überhitzt“ bezeichnet würden, obwohl sich möglicherweise bereits ein fundamentaler Regimewechsel vollzieht. Genau das könnte aktuell auch bei Bitcoin passieren.
Every time there's a breakout upwards, the first response is that the markets must reverse back down.
'The Nasdaq breaks upwards, we must crash!'
'#Bitcoin bounces from $60K to $70K, we must go down!'People miss the bigger picture and that's a complete regime switch.
The…
— Michaël van de Poppe (@CryptoMichNL) May 11, 2026
Besonders verweist er auf die makroökonomische Entwicklung. Die Wirtschaftsdaten würden sich zunehmend stabilisieren, während weitere Zinserhöhungen immer unwahrscheinlicher erscheinen. Gleichzeitig bleibe die Wachstumsdynamik rund um Künstliche Intelligenz enorm. Laut Van de Poppe könnte genau dieser Trend langfristig auch Kryptowährungen antreiben, da digitale Assets künftig als globale Zahlungsinfrastruktur für KI-Anwendungen genutzt werden könnten.
Zusätzlich hebt er die weiterhin starken ETF-Zuflüsse hervor. Institutionelle Investoren würden täglich Millionenbeträge in Bitcoin investieren, während viele Altcoins trotz jüngster Erholung weiterhin rund 80 Prozent unter ihren Allzeithochs notieren. Für Van de Poppe spricht genau diese Kombination dafür, dass der Markt womöglich bereits schrittweise aus dem Bärenmarkt herausdreht.
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Massive Bitcoin-Abflüsse von Börsen gelten als bullisches Signal
Zusätzlich liefert aktuell auch die Onchain-Analyse von Glassnode ein konstruktives Signal für Bitcoin. Die Metrik „Exchange Net Position Change“ misst, ob netto mehr BTC auf Börsen transferiert oder von dort abgezogen werden. Genau hier zeigt sich derzeit ein auffälliges Bild: In den vergangenen Wochen wurden massiv Bitcoins von zentralen Handelsplattformen abgezogen. Die roten Balken markieren dabei starke Nettoabflüsse.
Historisch gilt das häufig als bullisches Signal. Denn wenn Anleger Coins von Börsen abziehen, deutet das oft darauf hin, dass sie ihre Bestände langfristig halten und kurzfristig nicht verkaufen wollen. Besonders spannend: Derartige Abflüsse gab es zuletzt im Herbst 2025 – also genau in jener Phase, als Bitcoin sein damaliges Allzeithoch markierte.
Die aktuelle Entwicklung könnte deshalb darauf hindeuten, dass größere Marktteilnehmer erneut akkumulieren. Das passt auch zur weiterhin niedrigen Börsenreserve und den stabilen ETF-Zuflüssen. Zwar bleibt kurzfristig Vorsicht angebracht, doch die Onchain-Daten sprechen weiterhin eher gegen eine unmittelbare massive Verkaufswelle am Markt.
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