Der Bitcoin Markt erlebt eine Phase wachsender Unsicherheit. Nach einer langen Phase mit stabilen Gewinnen und einer überwiegend positiven Marktstimmung weisen mehrere On Chain Kennzahlen jetzt Entwicklungen auf, die viele Marktbeobachter an den Übergang vom Bullenmarkt zur Baisse in den Jahren 2021 und 2022 erinnern.
Es ist besonders bemerkenswert, dass Bitcoin Investoren seit Oktober 2023 erstmals wieder in nennenswertem Umfang Verluste realisieren. Die Kombination aus einer schwachen Kursstruktur, einer nachlassenden Nachfrage und zunehmender makroökonomischer Unsicherheit lässt für viele Anleger die Frage auf, ob Bitcoin nur eine gesunde Korrektur durchläuft oder ob der Markt sich bereits in der frühen Phase eines neuen Bärenmarktes befindet.
Die Entwicklung der realisierten Gewinne und Verluste ist ein zentraler Indikator für die aktuelle Marktlage. Diese Kennzahl zeigt, ob Coins mit Gewinn oder Verlust bewegt werden und gewährt somit einen tiefen Einblick in das Verhalten der Marktakteure. Seit Dezember haben Bitcoin-Inhaber schätzungsweise etwa 69.000 BTC mit Verlust verkauft.
Dies entspricht einem Wert von rund 6,1 Milliarden US-Dollar, wenn man es umrechnet. Es sind solche Phasen nicht ungewöhnlich, doch sie kommen oft dann gehäuft vor, wenn Anleger unter Druck stehen und sich gezwungen sehen, Positionen über ihrem Einstiegspreis zu verkaufen.
⚠️THE 2022 BEAR MARKET SIGNAL JUST RETURNED!
CryptoQuant data shows BTC investors are losing money for the first time since Oct 2023.
1️⃣ Since December, holders have realized 69K $BTC in losses, worth $6.1B.
2️⃣ Realized profits peaked in Jan 2024→ lower highs in Dec→ faded… pic.twitter.com/xhN6tJdHbm
— Coin Bureau (@coinbureau) January 25, 2026
Besonders kritisch ist nicht nur, wie hoch die Verluste insgesamt sind, sondern auch, wie sich die Struktur der Verluste im Zeitverlauf entwickelt. Die realisierten Gewinne erreichten bereits Anfang 2024 ihren Höhepunkt. In den folgenden Monaten entstanden allmählich niedrigere Hochs. Im Jahr 2025 hielt dieser Trend an, bis die Kennzahl schließlich ins Negative drehte.
Dieses Muster war historisch gesehen auch vor dem letzten großen Bärenmarkt zu beobachten. In der damaligen Zeit waren die rückläufigen Gewinnspitzen ein Zeichen für den schleichenden Wechsel von Euphorie zu Vorsicht, bevor die Verluste sich schließlich ausweiteten.
Netto Gewinne erreichen ein Mehrjahrestief
Diese Entwicklung wird durch einen weiteren Blick auf die netto realisierten Gewinne deutlich unterstrichen. Mit einem Rückgang auf etwa 2,5 Millionen BTC hat der Wert den niedrigsten Stand seit März 2024 erreicht. Die Ähnlichkeit zu März 2022 fällt auf. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der damalige Bärenmarkt schon deutlich an Tempo gewonnen. Obwohl man Marktzyklen nicht eins zu eins vergleichen kann, erkennen erfahrene Analysten in diesen Ähnlichkeiten zumindest ein Warnsignal, das man nicht übersehen sollte.
Der Rückgang der Netto Gewinne zeigt, dass die meisten Marktteilnehmer entweder keine Gewinne mehr erzielt oder Verluste hinnehmen. Dies geht oft mit einer vorsichtigeren Marktstimmung einher, weil Investoren weniger bereit sind, neue Risiken einzugehen. Die Wahrscheinlichkeit weiterer Abverkäufe steigt, besonders wenn entscheidende Unterstützungszonen unterschritten werden.
Die schwache Kursstruktur erhöht den Druck.
Bitcoin zeigt sich auch aus technischer Perspektive derzeit angeschlagen. Nachdem der Kurs wichtige Widerstandsmarken nicht langfristig überwinden konnte, fiel er zuletzt wieder unter die zuvor etablierten Unterstützungszonen. Die Marke von 90.000 US-Dollar konnte besonders nicht verteidigt werden. Seitdem hat der Markt eine Abfolge von tieferen Hochs und tieferen Tiefs gebildet, was ein typisches Zeichen für einen schwächeren Trend ist.
Der Bereich um 80.000 US-Dollar ist momentan das Augenmerk vieler Trader. Dieses Areal wird als das nächste wichtige Unterstützungsniveau angesehen. Falls Bitcoin diesen Bereich erreicht oder sogar darunter fällt, könnten weitere Stop-Loss-Verkäufe ausgelöst werden, was den Abwärtsdruck verstärken würde. Währenddessen betrachten einige Akteure den Bereich als potenzielle Chance für eine technische Gegenbewegung, vorausgesetzt, es entsteht ausreichend Kaufinteresse.
Unsicherheiten in der Makroökonomie als Belastungsfaktor
Die internationale Finanzlage ist weiterhin angespannt. Wegen hoher Zinsen, geopolitischer Konflikte und einer insgesamt instabilen Wirtschaft sind risikobehaftete Anlagen wie Kryptowährungen derzeit besonders im Fokus. In Zeiten erhöhter Unsicherheit ziehen es Investoren oft in Betracht, Kapital aus volatilen Märkten abzuziehen und in vermeintlich sichere Anlagen umzuschichten.
This is what happened with $BTC during the last "Yen Intervention."
A 29% weekly crash followed by a 100% pump. pic.twitter.com/Gv3YtVNDS6
— Ted (@TedPillows) January 25, 2026
Außerdem gibt es Fortschritte an den Devisenmärkten. Eingriffe großer Zentralbanken in der Vergangenheit, wie zum Beispiel zur Stabilisierung des japanischen Yen, haben oft massive Auswirkungen auf den Kryptomarkt gehabt. Historisch gesehen kamen nach solchen Interventionen entweder starke Rückgänge oder überraschend kräfte Erholungen bei Bitcoin. Wegen dieser Unbeständigkeit sind Vorhersagen komplizierter und die Gefahr von kurzfristigen Fehlausbrüchen steigt.
Marktsituation: Bärenmarkt oder späte Zykluskorrektur?
Die entscheidende Frage bleibt, wie man diese Signale bewerten soll. Ein Rückgang ist nicht immer ein Zeichen für den Beginn eines langfristigen Bärenmarktes. In der Vergangenheit gab es während übergeordneter Aufwärtstrends immer wieder tiefgreifende, mehrmonatige Korrekturen. Einige Analysten sind der Meinung, dass Bitcoin immer noch in einem langfristigen Wachstumszyklus ist, besonders angesichts der institutionellen Adoption und der wachsenden Integration in traditionelle Finanzprodukte.
$BTC Update
Bitcoin broke down again. The crypto market is very weak and continues to get weaker each day.
Waiting for a proper recovery.The current target for $BTC is around $80 pic.twitter.com/ZbSj4C6Zl3
— Crypto NL (@cryptoking_nl) January 25, 2026
Andere Stimmen warnen jedoch vor zu großer Unvorsichtigkeit. Sie weisen darauf hin, dass zahlreiche bullische Narrative momentan an Stärke verlieren. Die rückläufigen Gewinne, die schwache Kursentwicklung und das abnehmende Handelsvolumen könnten ein Zeichen dafür sein, dass der Markt Zeit braucht, um neues Vertrauen zu finden. Ohne dieses Vertrauen könnte es durchaus zu einem längeren Seitwärts- oder Abwärtstrend kommen.
Psychologie der Marktteilnehmer im Mittelpunkt
Die Psychologie der Anleger ist ein Faktor, der oft unterschätzt wird. In Phasen, in denen Verluste realisiert werden, kann man oft eine spürbare Veränderung im Verhalten vieler Marktteilnehmer beobachten. Langfristige Holder werden vorsichtiger, kurzfristige Trader agieren defensiv und neue Investoren zögern, den Markt zu betreten.
Eine solche Zurückhaltung kann den Markt zusätzlich belasten, weil frisches Kapital fehlt.
In solchen Phasen werden oft die Grundlagen für den nächsten Zyklus geschaffen. Ein langfristiger Stabilisierungseffekt kann eintreten, wenn schwache Hände den Markt verlassen und Coins sich bei überzeugten Langzeitinvestoren sammeln. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Prozess schon läuft oder noch bevorsteht.
Einstufung im historischen Kontext
Die Vergangenheit lehrt uns, dass Bitcoin immer wieder Phasen extremer Unsicherheit durchlebt hat. Die Bärenmarktphasen 2018, der Rückgang 2020 während der globalen Krise und die Korrektur 2022 hatten zwar verschiedene Ursachen, aber die Daten zeigten ähnliche Muster.
In diesen Phasen waren immer die Faktoren: Verluste, rückläufige Gewinne und eine negative Stimmung.
Der entscheidende Unterschied liegt jedoch oft im Umfeld. Heute ist Bitcoin stärker in das globale Finanzsystem integriert als jemals zuvor. Der Markt wird heutzutage durch institutionelle Investoren, börsengehandelte Produkte und regulatorische Entwicklungen in einer Weise beeinflusst, die es so noch nie gab. Diese Aspekte haben das Potenzial, einerseits zu stabilisieren und andererseits neue Risiken zu schaffen.
Leser, die ein vertieftes Verständnis dieser Themen suchen, finden auf dieser Seite regelmäßig fundierte Analysen zu Marktzyklen, On-Chain-Daten und makroökonomischen Einflüssen. Dort werden auch langfristige Vergleichsstudien zu früheren Bitcoin-Phasen detailliert behandelt, die dabei helfen, die aktuellen Entwicklungen besser zu verstehen. Analysen zur institutionellen Nachfrage und zur Rolle von Bitcoin im globalen Finanzsystem sind ebenfalls auf coinspeaker.de zu finden und können weitere Perspektiven bieten.
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