Der Kryptomarkt dürfte die kommenden Wochen weiterhin auf das Thema Quantencomputer achten. Doch warum kritisiert der BitGo-CEO nun diese Studie?
Quantencomputer gelten seit Jahren als eines der größten langfristigen Risiken für den Kryptomarkt. Immer dann, wenn neue Fortschritte bei Google, IBM oder anderen Tech-Konzernen publik werden, flammt die Debatte erneut auf: Können Quantencomputer irgendwann Bitcoin und andere Blockchains knacken?
Zuletzt rückte das Thema wieder stärker in den Fokus, nachdem die Sicherheitsfirma Project Eleven einen neuen Report veröffentlichte. Darin wird gewarnt, dass sogenannte „Q-Day“-Szenarien bereits ab 2030 Realität werden könnten. Besonders Bitcoin-Wallets mit klassischer Public-Key-Kryptographie seien potenziell gefährdet. Nun wehrt sich jedoch der CEO von BitGo gegen diese Warnungen – und wirft der Branche sogar gezielte Angstmache vor.
Krypto Geheimtipp für 2026 – hier mehr erfahren
BitGo-CEO Mike Belshe widerspricht der neuen Warnung
Der BitGo-CEO Mike Belshe kritisierte die jüngste Debatte rund um Quantencomputer ungewöhnlich deutlich. Auslöser war ein Bericht von Project Eleven, der davor warnt, dass Quantencomputer bereits innerhalb der nächsten Jahre ernsthafte Risiken für Bitcoin darstellen könnten. Laut dem Bericht könnte insbesondere die bestehende Public-Key-Kryptographie langfristig angreifbar werden.
The company who's business model depends on people freaking out about quantum computing is telling us to be freaked out about quantum computing.
You know what the report says without reading it. https://t.co/J3LqXmXd5J
— Mike Belshe (@mikebelshe) May 10, 2026
Belshe reagierte darauf mit scharfen Worten auf X. Er erklärte sinngemäß, dass ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell auf der Angst vor Quantencomputern basiere, naturgemäß genau diese Ängste verstärken wolle. Für ihn sei bereits ohne das Lesen des Reports klar gewesen, welche Schlussfolgerungen präsentiert würden. Damit spielt der BitGo-CEO auf mögliche wirtschaftliche Interessen hinter solchen Sicherheitswarnungen an.
Hintergrund ist vor allem die Behauptung von Project Eleven, dass Bitcoin bis 2030 unter Druck geraten könnte. Die Firma argumentiert dabei weniger mit einem unmittelbaren technischen Zusammenbruch, sondern vielmehr mit einem massiven Koordinationsproblem. Denn selbst wenn sichere Post-Quantum-Lösungen existieren, müssten Nutzer, Börsen, Custodians, Miner und Wallet-Anbieter gleichzeitig auf neue kryptographische Standards migrieren.
BitGo CEO Slams Report Claiming Quantum Computing Could Break BTC by 2030
CoinDesk reported that post-quantum security firm Project Eleven warned quantum computing could threaten BTC wallet security by 2030. The firm said Bitcoin's bigger challenge is not technical, but… pic.twitter.com/McbpmxWMBW
— Wu Blockchain (@WuBlockchain) May 10, 2026
Genau diese Einschätzung hält Belshe offenbar für überzogen. Aus seiner Sicht unterschätzen viele Analysten die Anpassungsfähigkeit des Bitcoin-Ökosystems. Historisch habe Bitcoin bereits mehrfach tiefgreifende technische Veränderungen umgesetzt – von SegWit bis Taproot. Zudem seien viele Wallets aktuell gar nicht direkt exponiert, solange Public Keys nicht aktiv offengelegt werden.
Die Diskussion zeigt dennoch, dass Quantencomputer am Kryptomarkt wieder stärker als narratives Thema gespielt werden. Besonders Coins mit Fokus auf Datenschutz oder quantensichere Ansätze wie Zcash profitieren aktuell von dieser Debatte und verzeichnen zuletzt teils massive Kursgewinne.
Beste Krypto Börsen in 2026 – das große Coinspeaker-Ranking
Das sagt die neue Studie von Project Eleven konkret
Die Studie „The Quantum Threat to Blockchains – 2026 Report“ von Project Eleven zeichnet ein deutlich alarmierenderes Bild als viele frühere Analysen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wann ein sogenannter „Q-Day“ erreicht werden könnte – also der Zeitpunkt, an dem ein kryptographisch relevanter Quantencomputer bestehende Public-Key-Verschlüsselung brechen kann.
The Quantum Threat to Blockchains – 2026 Report
Now available ⬇️ pic.twitter.com/kDNd5S3jrg
— Project Eleven (@projecteleven) May 6, 2026
Laut der Studie sinken die Kosten für Angriffe auf moderne Kryptographie kontinuierlich. Project Eleven geht in seinem Basisszenario davon aus, dass Q-Day bereits im Jahr 2033 eintreten könnte. Im optimistischen Szenario wäre dies sogar schon 2030 möglich, während ein pessimistisches Szenario erst 2042 annimmt. Damit rückt das Thema deutlich näher, als viele Marktteilnehmer bislang erwartet hatten.
Besonders problematisch sei laut Report die Struktur öffentlicher Blockchains. Bitcoin-Adressen speichern teilweise über Jahre hinweg Werte unter denselben Public Keys. Sobald diese offengelegt wurden, könnten leistungsfähige Quantencomputer theoretisch private Schlüssel rekonstruieren und damit Wallets übernehmen. Die Studie betont zudem, dass Blockchain-Systeme schwerer anzupassen seien als klassische IT-Infrastruktur, weil Signaturverfahren tief in Konsensregeln und Transaktionsformaten verankert sind.
Project Eleven argumentiert dabei ausdrücklich, dass die größte Gefahr nicht die reine Technik sei, sondern die Koordination. Denn ein erfolgreicher Wechsel auf Post-Quantum-Kryptographie würde voraussetzen, dass Nutzer, Börsen, Custodians, Wallet-Anbieter und Miner nahezu gleichzeitig migrieren. Schon kleinere Verzögerungen könnten Angriffsflächen schaffen.
Darüber hinaus hebt die Studie hervor, dass es bei kompromittierten Wallets keinen klassischen Recovery-Mechanismus gibt. Wird ein privater Schlüssel einmal gebrochen, sind die Assets unwiderruflich verloren. Genau deshalb fordert der Bericht, frühzeitig mit Vorbereitungen für quantensichere Standards zu beginnen.
Interessant ist zudem, dass der Report nicht nur Bitcoin betrachtet. Auch andere große Netzwerke wie Ethereum oder Solana müssten langfristig ihre Signatursysteme modernisieren. Unterschiede gebe es vor allem bei Governance-Strukturen und Upgrade-Fähigkeiten. Flexiblere Netzwerke könnten laut Project Eleven schneller reagieren als konservativere Systeme.
Die Studie dürfte damit die Debatte über quantensichere Kryptographie weiter anheizen. Zwar halten viele Experten das Risiko kurzfristig weiterhin für begrenzt, doch die Diskussion verschiebt sich zunehmend von der Frage „ob“ hin zu „wann“ Quantencomputer tatsächlich relevant werden könnten.
Mehr erfahren: Beste Krypto-Presales in 2026
next