Eine Blockchain-Analyse half dem FBI, über 560.000 US-Dollar zu beschlagnahmen und Hamas-Spenden- sowie Online-Netzwerke offenzulegen.
Das US-Justizministerium hat am 1. September 2026 die Beschlagnahmung von mehr als 560.000 US-Dollar in Kryptowährungen bekanntgegeben, die laut Behörden für Hamas-Spendenkampagnen bestimmt waren. Gerichte autorisierten das FBI dabei nicht nur zur Beschlagnahmung der Mittel, sondern auch zur Störung von Websites und Kommunikationskanälen, über die die Organisation Spenden gesammelt und mit Unterstützern kommuniziert haben soll – ein Fall, der zeigt, wie Blockchain-Analyse über Jahre hinweg Finanznetzwerke sichtbar macht.
FBI-Maßnahmen gegen die Krypto- und Online-Infrastruktur der Hamas
Die Ankündigung bündelt fünf zusammenhängende Maßnahmen, die sich laut Justizministerium von März 2025 bis August 2026 erstrecken. Die drei Krypto-Beschlagnahmungsbeschlüsse wurden im März, Juni und Oktober 2025 vollzogen, während im Juli und August 2026 zusätzliche Aktionen gegen die Online-Infrastruktur der Gruppe folgten.
Blockchain-Analyse half Ermittlern dabei, Geldflüsse von Spendenadressen über operative und Konsolidierungs-Wallets, Bridges, Börsen sowie OTC-Dienste nachzuverfolgen. Ein wiederverwendetes Gas-Funding-Wallet verband dabei zahlreiche Adressen, die laut Ermittlern dem militärischen Flügel al-Qassam-Brigaden zugeordnet wurden. Im Juli und August 2026 übernahmen US-Behörden schließlich Domains und Server der zentralen al-Qassam-Brigaden-Website, wodurch beabsichtigte Spenden abgefangen und Informationen über Personen gesammelt werden konnten, die Kontakt zur Organisation gesucht hatten. Wie solche Ermittlungen zunehmend auch grenzüberschreitend zusammenlaufen, zeigt sich an gemeinsamen Vorgehen von US-Behörden und internationalen Partnern gegen Krypto-Betrugsnetzwerke.
Bedeutung der Blockchain-Analyse für weitere Ermittlungen
Ausgangspunkt der Ermittlungen war ein Fall vom März 2025, bei dem rund 200.000 US-Dollar in Stablecoins beschlagnahmt wurden. Darauf aufbauend identifizierten Ermittler neue Konten – darunter eines, das mutmaßlich mit einem libanesischen OTC-Broker verbunden war, sowie ein Konto mit Mustern, die auf Money-Mule-Aktivität hindeuteten.
Laut der ausgewerteten Oktober-2025-Erklärung setzte Hamas zunehmend auf Bridges zwischen Blockchains und einmalige Spenden-Wallets, um Spuren zu verwischen. Gas-, Spenden- und Konsolidierungs-Wallets sowie eine wechselnde Auswahl an OTCs und Virtual-Currency-Börsen blieben dabei wiederkehrende Elemente der Infrastruktur. Für die technische Aufarbeitung solcher Netzwerke setzten Ermittler auf Chainalysis Reactor, eine Software zur Visualisierung von Verbindungen zwischen Wallets und Diensten – ein Ansatz, der sich auch bei anderen Fällen bewährt hat, etwa wenn Börsen Transaktionshistorien und Identitätsdaten an Ermittler weitergeben.
Fazit und Einordnung
Aus einzelnen Spendenadressen entstand über mehrere Fälle hinweg ein Bild zusätzlicher Wallets, Konsolidierungsinfrastruktur und mutmaßlicher finanzieller Vermittler. Die Beschlagnahmung zeigt, dass sich Adressen und Methoden zwar ändern können, die Transaktionshistorie auf der Blockchain aber erhalten bleibt und auch Jahre später neu ausgewertet werden kann – eine Dynamik, die auch für die laufende Debatte um US-Kryptoaufsicht und Compliance-Pflichten relevant bleibt, ohne dass daraus bereits neue Gesetzgebung folgt.
Die Fälle unterstreichen, dass Blockchain-Transaktionen zwar öffentlich nachvollziehbar sind, ohne begleitende Ermittlungsarbeit aber nicht automatisch einer realen Person zugeordnet werden können. Wer sich für die Rolle von Börsen bei der Weitergabe von Nutzerdaten an Behörden interessiert, findet weiteren Kontext im Beitrag zum Binance-Fall rund um Transaktionshistorien und Identitätsdaten.
Quelle: Chainalysis
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