Der Kryptomarkt durchläuft eine Phase, die für viele Anleger eine Geduldsprobe ist. Obwohl die Erwartungen hoch sind, hat der große Ausbruch bislang noch nicht stattgefunden. Seit Monaten zeigt Bitcoin eine breite Seitwärtsbewegung, während andere Anlageklassen deutlich an Momentum gewinnen. Edelmetalle sind besonders im Blickpunkt und erzeugen Vergleichsdruck. In diesem Umfeld äußern sich die führenden Stimmen der Branche mit teils gegensätzlichen Bewertungen.
Tom Lee, Raoul Pal, Changpeng Zhao und Michael Saylor repräsentieren vier verschiedene Perspektiven auf denselben Markt. Alles in allem ergeben ihre Äußerungen ein überraschend klares Gesamtbild vom aktuellen Zustand der Bitcoin.
Tom Lee: Enttäuschung, FOMO und die Perspektive auf Gold
Tom Lee äußert offen, was viele Marktteilnehmer empfinden. Seiner Meinung nach war Krypto in letzter Zeit eine große Enttäuschung. Solange Bitcoin auf der Stelle tritt, genießen Edelmetalle eine kräftige Rallye. Krypto-Investoren empfinden Frust und FOMO durch diese Entwicklung, weil sie sich wundern, warum ihr Kapital nicht woanders besser arbeitet.
🔥 TOM LEE: CRYPTO HAS BEEN A “HUGE DISAPPOINTMENT”
Lee says traders see “a huge move in precious metals,” creating “a lot of FOMO for crypto traders.”
He also blames the Oct 10 deleveraging and the Greenland shock for suppressing crypto prices.
Still, Lee says past gold… pic.twitter.com/56034aea6K
— Coin Bureau (@coinbureau) February 1, 2026
Neben psychologischen Aspekten bezieht Lee auch konkrete Marktereignisse in seine Argumentation ein. Die massive Enthebelung im Oktober hat den Markt erheblich gebremst. Die Liquidität wurde plötzlich abgezogen, das Risiko minimiert und das Vertrauen beschädigt. Solche Schocks haben keinen kurzfristigen Effekt; sie hinterlassen eine strukturelle Vorsicht.
Lee bleibt jedoch nicht bärisch. Eine historische Betrachtung zeigt, dass starke Gold-Rallyes oft größeren Bewegungen im Kryptomarkt vorausgingen. Seine Hauptbotschaft ist aus diesem Grund weniger pessimistisch, als es auf den ersten Blick scheint. Obwohl Krypto kurzfristig enttäuscht, könnte es zeitverzögert reagieren, sobald sich Kapital wieder risikofreudiger positioniert.
Raoul Pal: Bitcoin als Liquiditätsopfer
Tom Lee beschreibt die emotionale Lage, während Raoul Pal mit einer klaren technischen Argumentation aufwartet. Er sieht Bitcoin zurzeit nicht als schwach, sondern als falsch bepreist. Eine große Bewertungsdifferenz wird sichtbar, wenn man Bitcoin mit der globalen Liquidität und der Entwicklung der Technologieaktien vergleicht.
RAOUL PAL: BITCOIN IS DEEPLY DISCOUNTED
Raoul Pal says based on global liquidity and how Nasdaq has tracked, #Bitcoin should be closer to $160,000 right now.
That gap, in his view, is the liquidity discount $BTC is trading at.
He calls this a technical year — not a demand… pic.twitter.com/z654qr5Gfp
— CryptosRus (@CryptosR_Us) February 2, 2026
Der Liquiditätsdiscount wird von Pal angesprochen. Bitcoin ist zurzeit deutlich unter dem Niveau, das frühere Modelle nahegelegt haben würden. Dabei ist es entscheidend, dass er zwischen Nachfrage und Timing unterscheidet. Es mangelt nicht an strukturellem Interesse, sondern an einem synchronen Kapitalfluss.
Für Pal ist das Jahr 2025 kein Jahr mit geringem Bedarf, sondern ein technisches Jahr. Märkte entwickeln sich nicht linear. Wenn die Liquidität vorausgeht und Bitcoin hinterherhinkt, ist diese Lücke selten von Dauer. Seine Argumentation ist unmissverständlich: Der Markt hat Bitcoin eine Bewegung zu schulden. Es ist nicht die Frage, ob es passiert, sondern wann.
CZ: Kann FUD einen Superzyklus stoppen?
Changpeng Zhao fügt der Diskussion eine weitere Dimension hinzu. Er betrachtet die Dinge weniger aus einer makroökonomischen Sicht und mehr durch die Linse der Marktpsychologie. Die Debatte über einen möglichen Bitcoin-Superzyklus wird in letzter Zeit immer mehr von Zweifeln, Pessimismus und interner Kritik beeinflusst.
CZ believed that 2026 $BTC would enter the "Super Cycle" But now because of the FUD from CT, it might be canceled.
Congrats people. You canceled the super cycle by FUD:ing @cz_binance . Thoughts? pic.twitter.com/HCQqNSkThg
— Crypto Seth (@seth_fin) February 1, 2026
CZ wirft die provokante Frage, ob kontinuierlicher FUD einen Zyklus wirklich abbrechen kann. Die Annahme ist, dass negative Narrative über Stimmungseinflüsse hinaus auch Kapitalflüsse verhindern könnten. Es gibt einen Grund, diese Perspektive zu vertreten. Erwartungen steuern die Reaktionen der Märkte. Wenn sich die Erwartungen ändern, ändert sich auch das Timing.
Die Geschichte von Bitcoin beweist jedoch, dass die Phasen maximaler Skepsis selten das Ende sind. Häufig stellen sie den Boden für die nächste Bewegung dar. Deshalb ist CZs Aussage weniger resignativ; sie spiegelt vielmehr die aktuelle Marktverfassung wider.
Michael Saylor: Filter der Volatilität
Während Lee, Pal und CZ über Timing, Liquidität und Marktstimmung diskutieren, hat Michael Saylor eine radikal langfristige Sichtweise. Er betrachtet Kursschwankungen als zweitrangig. Massive Rückgänge haben einen Zweck: Sie entfernen kurzfristige Spekulanten aus dem Markt.
Michael Saylor: "We're buying it to hold it 100 years…that $66K to $16K crash. That shook out the tourists. That shook out the non-believers."
"When it was 16K, we were all ready to ride it to zero." pic.twitter.com/tZVTrOuhRL
— Documenting Saylor (@saylordocs) February 1, 2026
Saylor sieht die Crash-Phasen der Vergangenheit nicht als Krisen, sondern als einen Reinigungsprozess. Die Personen, die in extremen Abwärtsphasen ihre Überzeugung beibehalten, sind die Kernbasis des Netzwerks. Langfristige Holder verkaufen kaum in Phasen tiefer Frustration, was diese Haltung erklärt.
Er verfolgt einen Ansatz, der in direktem Gegensatz zur kurzfristigen Enttäuschung vieler Trader steht. Obwohl Emotionen schwanken, bleibt die langfristige These konstant. Bitcoin sollte man nicht als Quartals-Investment betrachten; er ist ein generationsübergreifender Wertspeicher.
Vier Stimmen, aber ein gemeinsamer Nenner
Verschiedene Sichtweisen führen dennoch zu einem gemeinsamen Nenner. Momentan hat Bitcoin kein strukturelles Problem. Weder die Nachfrage noch die Fundamentaldaten sind gesunken. Es ist eher eine Phase der Unausgewogenheit.
Tom Lee geht auf die emotionale Seite ein. Das Liquiditätsargument wird von Raoul Pal präsentiert. CZ untersucht die Bedeutung der Marktstimmung und von FUD. Saylor steht für die langfristige Überzeugung, unabhängig von allen Zyklen. In der Summe skizzieren diese Perspektiven das Bild eines Marktes, der im Wartemodus ist.
Phasen wie diese sind selten angenehm. Sie sind beeinflusst von Zweifeln, Ungeduld und dem Vergleich mit Assets, die besser laufen. Historisch gesehen waren diese Phasen jedoch oft die ruhigste Zeit vor einer Neubewertung.
Die Analyse solcher zyklischen Übergangsphasen erfolgt regelmäßig auf coinspeaker.de, weil kurzfristige Preisbewegungen ohne einen makroökonomischen Zusammenhang oft irreführend sind.
Warum Geduld zurzeit der seltenste Faktor ist
Der größte Engpass im Markt ist nicht das Kapital, sondern die Geduld. Erwartungen wurden durch frühere Zyklen verzerrt. Viele Anleger erwarten schnelle Verdopplungen, nicht monatelange Konsolidierungen. Aber Märkte benötigen Zeit, um ihre Energie aufzubauen.
Die Lage zwingt Anleger zur Wahl. Man kann entweder kurzfristiger Frustration folgen oder Seitwärtsphasen als Teil des Zyklus akzeptieren. Diese Wahl trennt Trader von Investoren.
Ungleichgewichte beheben sich selten ohne Aufsehen
Lange Zeiträume der Ineffizienz können dazu führen, dass Märkte sich abrupt anpassen. Die Schließung von Liquiditätslücken erfolgt nicht schrittweise, sondern impulsiv. Es ist ungewiss, ob der Auslöser makroökonomisch, regulatorisch oder psychologisch sein wird.
Eines ist jedoch sicher: Die Mischung aus Enttäuschung, Unterbewertung, FUD und langfristiger Überzeugung war historisch gesehen selten ein Endpunkt. Meistens war sie nur ein Übergang.
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