Kasachstan will Flare-Gas in bis zu 1,3 TWh Strom für Krypto-Mining umwandeln – doch Netz und Regulierung bremsen den Neustart der Branche.
Kasachstan will überschüssiges, bislang abgefackeltes Ölfeldgas künftig in Strom für Krypto-Miner umwandeln. Nach Angaben von Daniyar Mubarakov, Leiter des Verbands für Blockchain und Digitales Mining, ließe sich das gesamte im Land anfallende Flare-Gas theoretisch in 1,2 bis 1,3 Terawattstunden Strom umwandeln – genug, um mehrere industrielle Mining-Farmen dauerhaft zu versorgen.
Kasachstan sucht nach einer neuen Energiequelle für das Mining
Der Hintergrund reicht bis in das Jahr 2021 zurück, als Kasachstan einen regelrechten Mining-Boom erlebte. Der Zustrom energiehungriger Rechenzentren setzte der alternden, teils noch aus der Sowjetzeit stammenden Stromnetzinfrastruktur erheblich zu, sodass die Regierung das Mining einschränkte und ein Auktionssystem einführte, über das Unternehmen nur überschüssige Netzkapazität kaufen durften. Die Folge: Ein Großteil der Branche verließ das Land oder wich in den Graumarkt aus – eine Entwicklung, die zeigt, wie stark der wirtschaftliche Druck auf viele Miner durch sinkende Margen zusätzlich verschärft wird, wenn günstiger Strom fehlt. Im Juli unterzeichnete Präsident Kassym-Jomart Tokayev einen Erlass zur Förderung der Digital-Asset-Branche, der einen Mechanismus für genau solche Gasnutzungsmodelle vorsieht.
Flare-Gas könnte bis zu 1,3 TWh für Mining liefern
Konkret sollen Miner Anlagen kaufen und installieren dürfen, um das an Ölfeldern anfallende Begleitgas in nutzbaren Strom umzuwandeln. Je nach Standort könnte ein einzelnes Feld ein mittleres oder großes Rechenzentrum beziehungsweise eine Bitcoin-Mining-Farm versorgen, während Ölunternehmen im Gegenzug Entsorgungsgebühren in Millionenhöhe vermeiden und zusätzliche Einnahmen aus dem Gasverkauf erzielen. Batyr Bauyrzhan, Technischer Direktor von WES LLP, hob zudem hervor, dass sich Miner mit einer eigenen Kraftanlage die Strompreise über Jahre sichern könnten, statt von schwankenden Netztarifen abhängig zu sein – ein Argument, das zeigt, wie entscheidend verlässlicher Stromzugang für die Wettbewerbsfähigkeit von Minern geworden ist. Das Energieministerium beziffert die Zahl der flare-gas-produzierenden Ölfelder auf bis zu 60.
Stromnetz und Regulierung bleiben die entscheidenden Einschränkungen
Ganz gelöst sind Kasachstans strukturelle Probleme damit nicht. Die frühere Einführung eines Auktionssystems zur Begrenzung des Stromverbrauchs der Mining-Branche zeigt, wie schnell politische Kurswechsel Unternehmen zur Abwanderung zwingen können. Ob das neue Flare-Gas-Modell tatsächlich trägt, hängt maßgeblich davon ab, ob Vize-Minister Gizzat Baitursynov und sein Ministerium den angekündigten rechtlichen Rahmen zeitnah mit praktikablen Regeln füllen.
Ob das Modell den Mining-Sektor tatsächlich zurückbringt, bleibt offen
Laut Mubarakov ist das Interesse an den Flare-Gas-Möglichkeiten unter Minern bereits gestiegen. Wie tragfähig solche Energiepartnerschaften am Ende sind, zeigt auch der Abbruch eines 120-Millionen-Dollar-Mining-Projekts in Uruguay – ein Beispiel dafür, dass selbst gut finanzierte Vorhaben an Infrastruktur- oder Standortfragen scheitern können. Ob Kasachstan seinen Mining-Sektor damit tatsächlich zurückbringt, wird sich erst zeigen, wenn Unternehmen konkret in Anlagen investieren und der Rechtsrahmen steht.
Anleger sollten regulatorische Entwicklungen in Kasachstan und anderen Mining-Standorten eigenständig verfolgen, bevor sie Kapital in entsprechende Projekte binden.
next