Bitget bezifferte den Schaden eines Hacks zunächst auf 351,6 Mio. US-Dollar und korrigierte die Summe später auf 387,5 Mio. US-Dollar. Die Börse forderte THORChain öffentlich auf, mit den Angreifern verbundene Adressen zu blockieren – das Protokoll lehnte ab, und die Grundsatzdebatte über Verantwortung und Zensur in dezentraler Infrastruktur ist damit neu entfacht.
Warum Bitgets Forderung eine Grundsatzdebatte auslöst
Der Vorfall begann am 25. September, als die asiatisch geprägte Börse Bitget „nicht autorisierte Transfers“ meldete und die Summe im Verlauf der Aufarbeitung auf 387,5 Mio. US-Dollar anhob. Nach eigenen Angaben brachte eine vorläufige Untersuchung die genutzten IP-Adressen mit VPN-Diensten in Verbindung, die einer nordkoreanischen Hackergruppe zugeschrieben werden – ein Zusammenhang, der ausdrücklich nicht als endgültiger Beweis gilt, sondern auf Ähnlichkeiten mit früheren Diebstählen gestützt wird.
Bitget-CEO Gracy Chen richtete daraufhin öffentlich die Forderung an THORChain, die mit dem Angriff verknüpften Adressen zu sperren. Der Fall reiht sich ein in ein bekanntes Muster: Bereits beim separaten, deutlich größeren Bybit-Hack wurden nach früheren Berichten erhebliche Teile der gestohlenen Gelder über THORChain getauscht – ein Protokoll, das explizit kein Mixer ist und bei dem Transaktionen nach dem Swap weiterhin nachverfolgbar bleiben.
THORChain stellt Permissionless-Prinzip über Blacklisting
THORChain wies die Forderung zurück und löste damit eine breite Debatte darüber aus, ob ein dezentrales Protokoll einer solchen Aufforderung überhaupt nachkommen kann oder soll. Befürworter der ablehnenden Haltung argumentieren, ein Einknicken unter Druck einer zentralisierten Börse würde einen Zensurpräzedenzfall schaffen, der die permissionless Grundlage von Krypto-Infrastruktur insgesamt untergräbt.
Die Diskussion wird dadurch verschärft, dass THORChains Grad an Dezentralisierung häufig mit dem von Bitcoin oder Ethereum verglichen wird – ein Vergleich, den Kritiker angesichts der Historie des Protokolls infrage stellen. Im Mai koordinierte THORChain nach eigenem Hack über 10,7 Mio. US-Dollar eine schnelle Pause der Chain. Die tatsächliche technische Fähigkeit, einzelne Adressen selektiv zu blacklisten, bleibt dagegen unklar: Bereits im Februar 2025 hatte das Projekt mitgeteilt, den zentralen Admin-Key außer Betrieb genommen zu haben.
Die Einschränkung: Dezentralisierung schließt Koordination nicht aus
Genau dieser Widerspruch treibt die Kritik an: Wer im eigenen Notfall koordiniert handeln kann, muss erklären, warum dies bei fremden gestohlenen Geldern nicht möglich sein soll. Die Mai-Pause zeigt, dass THORChain grundsätzlich zu schnellem, abgestimmtem Handeln fähig ist – daraus folgt aber nicht automatisch eine belastbare, dauerhafte Fähigkeit zum gezielten Blacklisting einzelner Adressen im laufenden Betrieb.
Wie belastbar frühere Einfrierungen im Zusammenhang mit dem Bitget-Hack tatsächlich waren, lässt sich am Beispiel bereits eingefrorener Stablecoin-Beträge nachvollziehen, die von den jeweiligen Emittenten und nicht von THORChain selbst gestoppt wurden.
Was der Streit für Krypto-Infrastruktur bedeutet
Im Kern dreht sich der Konflikt um eine einfache, aber grundsätzliche Frage: Soll ein permissionless Cross-Chain-Protokoll mutmaßlich gestohlene Gelder auf Zuruf einer zentralisierten Börse sperren, ohne gerichtliche oder regulatorische Anordnung? THORChains natives Token RUNE legte im Zuge der Aufmerksamkeit innerhalb einer Woche um rund 50 Prozent zu, was zeigt, wie stark solche Kontroversen auch die Marktwahrnehmung eines Protokolls beeinflussen können. Eine belastbare technische oder regulatorische Antwort auf die Grundsatzfrage steht bislang aus.
Kryptotransaktionen sind pseudonym, nicht automatisch anonym – je nach genutztem Dienst und Rechtsraum können KYC-Pflichten und Meldepflichten greifen. Wer verstehen will, welche Beträge aus dem Bitget-Hack bereits durch Emittenten eingefroren wurden, findet dazu ergänzenden Hintergrund in der Aufstellung zu den eingefrorenen Bitget-Hack-Geldern.
Raphael Adrian ist ein Krypto-Journalist und Analyst, der bei Coinspeaker über Krypto-News, PR-Inhalte und Marktanalysen schreibt. Hier gilt er als Lead-Autor und Experte für Kryptowährungs-Prognosen. Mit seinem journalistischen Hintergrund und seiner Spezialisierung auf Finanzen, Business und digitale Assets berichtet er seit Jahren über Blockchain-Trends, neue Projekte und Entwicklungen am Kryptomarkt.
Seine Kenntnisse in fundamentaler und technischer Analyse ermöglichen es ihm, Marktbewegungen fundiert zu bewerten, Potenziale von Projekten einzuordnen und datenbasierte Krypto-Prognosen zu erstellen. In seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf verständliche, recherchierte Inhalte, die Leser bei fundierten Entscheidungen im Kryptomarkt unterstützen.
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