Ethereum zählt weiterhin zu den lebendigsten Ökosystemen der gesamten Krypto-Branche. Tausende Entwickler arbeiten an neuen Anwendungen, Layer-2-Lösungen und technischen Verbesserungen des Netzwerks. Gerade diese Offenheit sorgt jedoch regelmäßig für intensive Debatten, denn grundlegende Änderungen werden öffentlich diskutiert und nicht einfach von einer zentralen Instanz beschlossen. Nun sorgt ein neuer Vorschlag zur Geldpolitik von Ethereum für […]
Ethereum zählt weiterhin zu den lebendigsten Ökosystemen der gesamten Krypto-Branche. Tausende Entwickler arbeiten an neuen Anwendungen, Layer-2-Lösungen und technischen Verbesserungen des Netzwerks. Gerade diese Offenheit sorgt jedoch regelmäßig für intensive Debatten, denn grundlegende Änderungen werden öffentlich diskutiert und nicht einfach von einer zentralen Instanz beschlossen.
Nun sorgt ein neuer Vorschlag zur Geldpolitik von Ethereum für außergewöhnlich starken Widerstand. Der zunächst als EIP-8361 bezeichnete und inzwischen unter EIP-8363 geführte Entwurf könnte die Vergütung von Validatoren erheblich verändern. Befürworter wollen damit eine übermäßige Ausweitung des Stakings verhindern – Kritiker sehen dagegen erhebliche Risiken für Ethereum.
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EIP-8361: Darum geht es beim neuen Ethereum-Vorschlag
Der Entwurf trägt den Namen „Tapered Issuance Burn“. Dabei handelt es sich bislang lediglich um einen frühen Vorschlag und nicht um ein bereits beschlossenes Ethereum-Upgrade. Der Plan sieht vor, einen zunehmenden Teil der neu ausgegebenen Validator-Belohnungen zu verbrennen, sobald ein immer größerer Anteil des gesamten ETH-Angebots im Staking gebunden wird. Der Vorschlag wurde ursprünglich in einem Pull Request als EIP-8361 verbreitet, später jedoch vorläufig der Nummer EIP-8363 zugeordnet.
🚨 UPDATE: Ethereum contributors have submitted EIP-8361, proposing a market-driven change to ETH issuance that would remove incentives for staking to grow beyond 50% of the total ETH supply. pic.twitter.com/dvHIrQtjOI
— Cointelegraph (@Cointelegraph) August 5, 2026
Aktuell sinkt die prozentuale Staking-Rendite zwar, wenn mehr Ether eingesetzt werden. Allerdings verschwindet der wirtschaftliche Anreiz zum Staken nach Ansicht der Autoren niemals vollständig. Selbst bei einem extrem hohen Staking-Anteil würde die Rendite demnach nicht auf null fallen. Genau das soll der neue Mechanismus verändern.
Künftig würde bei jeder Validator-Aufgabe ein bestimmter Anteil der theoretischen Belohnung abgezogen und endgültig vernichtet. Je höher der Anteil der gestakten ETH, desto größer wäre dieser Abzug. Bei einer Schwelle von rund 60,25 Millionen ETH, was ungefähr 50 Prozent des aktuellen Angebots entspricht, würde die Verbrennung die gesamte neu geschaffene Consensus-Layer-Belohnung aufzehren. Zusätzliche ETH-Ausgaben würden dann faktisch auf null sinken. Die Marke von 50 Prozent ist allerdings nicht als Ziel gedacht. Vielmehr soll sich bereits vorher ein Marktgleichgewicht bilden, bei dem die niedrigere Rendite weiteres Staking unattraktiv macht.
Die Umstellung soll über 18 Monate erfolgen, um abrupte Validator-Ausstiege zu vermeiden. Die Initiatoren argumentieren, dass eine unbegrenzt wachsende Staking-Quote langfristig große Börsen, Verwahrer und liquide Staking-Anbieter stärken könnte. Gleichzeitig würde die fortlaufende Ausgabe neuer ETH alle Anleger verwässern, die ihre Coins nicht staken.
Massive Kritik: Entwickler und DeFi-Gründer warnen vor EIP-8361
In der Ethereum-Community stößt der Vorschlag auf ungewöhnlich starken Widerstand. Kritiker bezweifeln nicht nur die konkrete Umsetzung, sondern stellen auch grundsätzlich infrage, ob die Ethereum Foundation und beteiligte Entwickler derzeit die richtigen Prioritäten setzen.
Besonders deutlich äußerte sich Rhett Shipp. Seiner Ansicht nach sollte die Ethereum Foundation sogar personelle Konsequenzen für alle Beteiligten prüfen. Zwar hält auch er den Vorschlag selbst für schlecht. Noch problematischer sei jedoch, dass Entwickler überhaupt erhebliche Zeit in eine Feinjustierung der ETH-Ausgabe investieren, während Ethereum aus seiner Sicht dringend wichtigere Probleme lösen müsse. Shipp kritisiert damit vor allem den strategischen Fokus: Statt minimale Stellschrauben der Geldpolitik zu verändern, solle das Ökosystem Maßnahmen priorisieren, die reale Nachfrage, Nutzung und Wettbewerbsfähigkeit fördern.
EF should consider firing everyone involved in this.
Yes it’s a bad proposal, but more importantly focusing any time at all turning these tiny nobs when issuance is good enough demonstrates a huge lack of focus on the things that will actually have impact. https://t.co/k9Uqg5oXXb
— Rhett Shipp (@RhettShipp) August 5, 2026
Ähnlich scharf fällt die Kritik von Stani Kulechov, dem Gründer des DeFi-Protokolls Aave, aus. Nach seiner Einschätzung lehnt nahezu jeder mit gesundem Menschenverstand den Vorschlag ab. EIP-8361 beziehungsweise EIP-8363 könne als einer der am stärksten bekämpften Ethereum-Vorschläge überhaupt in Erinnerung bleiben.
Kulechov fordert, dass Ethereum stärker auf Probleme eingeht, die tatsächliche Nachfrage erzeugen und das Netzwerk gegenüber konkurrierenden Blockchains wettbewerbsfähiger machen.
It looks to me that not only the majority, but almost everyone with a bit of common sense is against EIP-8361. It may go down as one of the most resisted Ethereum proposals ever, perhaps second only to ProgPoW.
What people genuinely want is for Ethereum to focus on solving… https://t.co/jEsbc6811n
— Stani (@StaniKulechov) August 6, 2026
Zugleich wirft er der Ethereum Foundation einen akademischen „Elfenbeinturm“-Ansatz vor. Die Entscheidungen seien zu weit von den Entwicklern und Unternehmern entfernt, die täglich reale Anwendungen auf Ethereum aufbauen. Gerade diese Builder dürfe das Netzwerk nicht als selbstverständlich betrachten.
Auch inhaltlich bestehen erhebliche Sorgen. Sinkende Staking-Erträge könnten zunächst kleinere Solo-Validatoren treffen, deren Betriebskosten relativ hoch sind. Große institutionelle Anbieter könnten dagegen aufgrund niedrigerer Kosten und größerer Skaleneffekte länger profitabel bleiben. Damit könnte ein Mechanismus, der eigentlich eine Konzentration verhindern soll, paradoxerweise zu einer stärkeren Zentralisierung führen. Darüber hinaus ist die Staking-Rendite tief in DeFi integriert. Sie beeinflusst liquide Staking-Token, Kreditmärkte, gehebelte Staking-Strategien und zahlreiche Renditeprodukte. Eine deutliche Reduktion könnte deshalb weite Teile des Ethereum-Finanzsystems neu bewerten.
Noch ist nichts entschieden: Der Entwurf wurde weder genehmigt noch verbindlich für das Hegotá-Upgrade eingeplant. Die heftige Reaktion zeigt jedoch, wie grundlegend die Debatte ist. Es geht nicht nur um Validator-Renditen, sondern um die Frage, ob Ethereum seine Geldpolitik optimieren oder seine Energie stärker auf Nutzung, Entwickler und reale Nachfrage konzentrieren sollte.
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