Bitcoin steht weiter massiv unter Druck und notiert inzwischen unter 64.000 US-Dollar. Innerhalb von 24 Stunden verlor die größte Kryptowährung der Welt mehr als 5 Prozent und bestätigt damit den laufenden Bärenmarkt. Während erste Anleger bereits wieder lautstark „Buy the Dip“ rufen, fehlen bislang klare Anzeichen für eine nachhaltige Trendwende. Neue On-Chain-Daten von CryptoQuant legen sogar nahe, dass sich die Schwächephase noch deutlich länger hinziehen könnte.
Bitcoin steht massiv unter Druck. Der Kurs ist inzwischen unter die Marke von 64.000 US-Dollar gefallen und verliert auf 24-Stunden-Sicht mehr als 5 Prozent. Von einer nachhaltigen Erholung fehlt bislang jede Spur. Stattdessen dominiert weiter ein klarer Abwärtstrend das Marktgeschehen.
Viele Anleger sprechen bereits vom nächsten „Buy the Dip“-Moment und hoffen auf eine schnelle Gegenbewegung. Doch genau hier könnte die Gefahr liegen. Während kurzfristige Spekulanten nach Schnäppchen suchen, zeichnen neue On-Chain-Daten ein deutlich vorsichtigeres Bild. Mehrere Indikatoren erinnern zunehmend an frühere Bärenmarktphasen.
Besonders die Entwicklung der Holder-Struktur sowie aktuelle Kapitulationssignale werfen die Frage auf, ob der Krypto-Winter noch lange nicht vorbei ist. Einige Analysten halten sogar einen ausgedehnten Bärenmarkt bis Anfang 2027 für möglich.
Mehr erfahren: Beste Krypto-Presales in 2026
Langfristige Bitcoin-Halter übernehmen den Markt: Historisches Warnsignal
Der CryptoQuant-Gründer Ki Young Ju verweist auf eine bemerkenswerte Entwicklung innerhalb des Bitcoin-Netzwerks. Während Bitcoin heute ungefähr auf dem Kursniveau von vor zwei Jahren notiert, hat sich die Zusammensetzung der Investoren deutlich verändert. Besonders die Gruppe der Coins mit einem Alter zwischen sechs Monaten und zwei Jahren hält inzwischen rund 53 Prozent der gesamten Realized Market Cap. Vor zwei Jahren lag dieser Wert noch bei lediglich 15 Prozent.
Die Realized Cap misst vereinfacht gesagt den Wert aller Bitcoins basierend auf dem Preis ihrer letzten Bewegung. Dadurch lassen sich Aussagen darüber treffen, welche Anlegergruppen den Markt dominieren. Historisch erreichte dieser Anteil in früheren Bärenmärkten Spitzenwerte von rund 68 Prozent. Genau in diesen Phasen bildete Bitcoin seine endgültigen Tiefpunkte aus.
Bitcoin is at the same price as two years ago, but one thing is different.
The 6m–2y cohort, who joined this cycle, now holds 53% of realized cap, up from 15% two years ago. Last cycle, Bitcoin bottomed when this hit 68%.
Short-term holders are evolving into long-term holders. pic.twitter.com/tfmLz3mFPS
— Ki Young Ju (@ki_young_ju) June 4, 2026
Der aktuelle Wert von 53 Prozent zeigt daher, dass der Prozess möglicherweise noch nicht abgeschlossen ist. Immer mehr kurzfristige Spekulanten verwandeln sich unfreiwillig in langfristige Holder, weil sie ihre Positionen nicht mehr mit Gewinn verkaufen können. Dieses Verhalten ist typisch für späte Bärenmarktphasen, signalisiert jedoch nicht automatisch eine unmittelbare Trendwende.
Aus dieser Perspektive könnte Bitcoin noch viele Monate in einer Seitwärts- oder Abwärtsbewegung verharren. Sollte sich die historische Struktur erneut wiederholen, wäre ein finales Tief erst dann wahrscheinlich, wenn ein noch größerer Teil der umlaufenden Coins in die Hände langfristiger Investoren übergeht. Das würde die These eines anhaltenden Bärenmarktes bis 2027 zumindest statistisch unterstützen.
CryptoQuant: Kurzfristige Anleger kapitulieren auf Rekordniveau
Zusätzlichen Gegenwind liefert eine aktuelle Analyse von CryptoQuant-Analyst Julio Moreno. Seine Daten zeigen die stärkste Kapitulation kurzfristiger Bitcoin-Halter im gesamten Jahr 2026. Innerhalb von nur 24 Stunden wurden rund 53.800 BTC mit Verlust an Börsen transferiert. Gleichzeitig lag die Menge der profitabel bewegten Coins praktisch bei null.
Dieser Indikator misst die Gewinne und Verluste, die kurzfristige Anleger beim Transfer ihrer Coins auf Handelsplattformen realisieren. Hohe Verlusttransfers deuten darauf hin, dass Anleger aus Angst verkaufen und Positionen aufgeben. Genau dieses Verhalten wird als Kapitulation bezeichnet.
Short-Term Holders Hit the Year's Worst Capitulation Reading
“A single 24H extreme is a stress marker, not a standalone reversal signal. Capitulation can extend if inflows stay elevated.” – By @MorenoDV_ pic.twitter.com/14otFFsDgM
— CryptoQuant.com (@cryptoquant_com) June 4, 2026
Historisch treten solche Extremwerte häufig in der Nähe lokaler Tiefpunkte auf. Schwache Hände verlassen den Markt, während langfristig orientierte Investoren die frei werdenden Coins aufnehmen. Dennoch warnt Moreno ausdrücklich vor voreiligen Schlussfolgerungen. Ein einzelner Kapitulationstag reicht nicht aus, um eine nachhaltige Bodenbildung zu bestätigen.
Entscheidend wird nun sein, ob die verlustgetriebenen Zuflüsse in den kommenden Tagen wieder zurückgehen. Stabilisiert sich der Bitcoin-Kurs parallel dazu, könnte dies auf eine erste Erschöpfung des Verkaufsdrucks hindeuten. Bleiben die Zuflüsse jedoch erhöht, droht eine Fortsetzung der Abwärtsbewegung. Für Anleger bedeutet das: Die aktuellen Daten zeigen zwar zunehmenden Stress im Markt, liefern aber noch kein klares Signal dafür, dass der Bärenmarkt bereits beendet ist.
MVRV Z-Score deutet an: Bitcoin könnte sich wie im Mai 2022 verhalten
Ein weiterer wichtiger On-Chain-Indikator liefert aktuell ebenfalls kein klares Entwarnungssignal. Gemeint ist der MVRV Z-Score, eine der bekanntesten Bewertungsmetriken im Bitcoin-Netzwerk. Der Indikator setzt den aktuellen Marktwert von Bitcoin ins Verhältnis zum sogenannten Realized Value, also dem Wert aller Coins zum Zeitpunkt ihrer letzten Bewegung. Vereinfacht gesagt zeigt der MVRV Z-Score, ob Bitcoin im historischen Vergleich überbewertet, fair bewertet oder unterbewertet ist.
Extrem hohe Werte signalisierten in der Vergangenheit häufig Marktspitzen und überhitzte Bullenmärkte. Negative Werte markierten dagegen oft die finalen Tiefpunkte großer Bärenmärkte. Aktuell befindet sich der MVRV Z-Score jedoch in einer Zwischenzone. Bitcoin wirkt nach dieser Kennzahl deutlich günstiger als während der Hochphase 2025, erreicht aber noch nicht die extremen Unterbewertungen früherer Zyklustiefs.
Doch es gibt Parallelen zum Mai 2022. Auch damals war Bitcoin nach dem ersten großen Abverkauf bereits deutlich günstiger bewertet. Viele Marktteilnehmer glaubten, der Boden sei erreicht. Der MVRV Z-Score signalisierte allerdings, dass zwar ein großer Teil der Überbewertung abgebaut wurde, eine echte Kapitulationsphase jedoch noch ausstand.
Die Folge ist bekannt: Im Sommer 2022 beschleunigte sich die Abwärtsbewegung erneut. Bitcoin verlor nach dem ersten Crash nochmals deutlich an Wert, ehe erst Monate später das finale Tief ausgebildet wurde. Sollte sich dieses Muster wiederholen, könnte die aktuelle Bewertung zwar langfristig attraktiv erscheinen, kurzfristig aber dennoch Raum für weitere Kursverluste lassen. Der MVRV Z-Score spricht somit eher für Vorsicht als für eine sofortige Entwarnung.
Kryptowährungen kaufen – alles Wissenswerte für 2026
next