Orionx-Auszahlungen sind pausiert: Ein Audit meldet unbekannte Transaktionen über 7 Millionen Dollar, Nutzer müssen um Rückzahlungen bangen.
Die chilenische Krypto-Handelsplattform Orionx hat ihren Betrieb eingestellt und die Auszahlungen für Nutzer pausiert. Auslöser war ein forensisches Audit, das nach Angaben des Unternehmens unbekannte Transaktionen im Wert von mehr als 7 Millionen Dollar aufdeckte, durch die verwahrte Kundengelder auf Wallets außerhalb der Unternehmenskontrolle abflossen. Orionx beschreibt daraus eine Vermögens-Verbindlichkeiten-Lücke, deren endgültige Höhe bislang nicht abschließend gerichtlich festgestellt ist.
Fall reicht bis ins Jahr 2018 zurück
Orionx wurde 2017 gegründet und zählte laut eigenen Angaben über 100.000 registrierte Nutzer – darunter viele junge, kryptoaffine Chilenen. Lokalen Medienberichten zufolge sollen die nun untersuchten Transaktionen zwischen 2018 und 2021 ausgeführt worden sein, wobei Kryptowährungen von Exchange-Wallets zu Konten bewegt wurden, die mit E-Mail-Adressen des Unternehmens auf anderen Plattformen verknüpft waren.
Die chilenische Finanzaufsicht CMF erklärte, Orionx sei nicht autorisiert gewesen, Krypto-Finanzdienstleistungen anzubieten: Der Antrag auf Zulassung sei im Juli abgelehnt worden, das Unternehmen habe außerhalb der Bestimmungen des Fintech-Gesetzes operiert.
Audit: Kundengelder womöglich in Marktgeschäften eingesetzt
Laut dem Audit wurden die abgezogenen Mittel intensiv in Marktgeschäften eingesetzt, was realisierte Gewinne und Verluste sowie Funding- und Trading-Gebühren erzeugte. Sollte sich dies bestätigen, wären Kundengelder für spekulativen Handel auf externen Plattformen verwendet worden – ein Vorwurf, der bislang aus der Audit-Darstellung von Orionx selbst stammt und nicht als gerichtlich erwiesen gilt.
Orionx beschuldigt die Gründungspartner Joaquín Díaz und Roberto Zibert sowie weitere frühere Mitarbeiter, an einer oder mehreren dieser Transaktionen beteiligt gewesen zu sein oder davon gewusst zu haben. Das Unternehmen hat die Vorgänge der nationalen Staatsanwaltschaft gemeldet und eine Strafanzeige gegen die früheren Führungskräfte eingereicht.
Volle Rückzahlung nicht garantiert
Orionx betonte, es gebe keine Garantie, dass Nutzer 100 Prozent ihrer Vermögenswerte zurückerhalten. Die CMF stellte zudem klar, dass sie keinen Regularisierungsplan des Unternehmens beaufsichtigt, da Orionx nie unter ihre Zuständigkeit fiel.
Betroffene Nutzer wurden von der Aufsicht aufgefordert, ihre Ansprüche direkt an Orionx zu richten und Belege wie Kontoauszüge, Transaktionsaufzeichnungen und Kommunikation mit der Plattform aufzubewahren, um gegebenenfalls gerichtliche Schritte zur Rückerstattung einzuleiten.
Nächste Schritte: Ermittlungen und Nutzeransprüche
Die weitere Aufklärung liegt nun bei der Staatsanwaltschaft, die Verantwortlichkeiten für die fraglichen Bewegungen klären soll. Für betroffene Nutzer bleibt der Ausgang der Ermittlungen und der zivilrechtlichen Verfahren entscheidend für die Frage, wie viel ihrer Gelder sie zurückerhalten.
Risikohinweis
Der Fall Orionx zeigt erneut, dass Kryptowährungen auf zentralisierten Plattformen letztlich vom Vertrauen in deren Verwahrungspraxis abhängen – anders als bei Selbstverwahrung bleibt die Kontrolle über die eigenen Assets an den Betreiber gebunden. Ähnliche Betriebsunterbrechungen bei Handelsplattformen, etwa der jüngste Ausfall bei Robinhood Chain, unterstreichen dieses strukturelle Risiko zentralisierter Anbieter.
next