Polymarket hat sich in den vergangenen Monaten zu einem der bekanntesten Prognosemärkte weltweit entwickelt. Steigende Handelsvolumina und eine wachsende mediale Präsenz treiben die Plattform zunehmend in den Mainstream. Nun möchte das Unternehmen sein reguliertes Angebot in den Vereinigten Staaten deutlich ausbauen. Im Mittelpunkt steht eine Lizenz, die künftig auch Margin-Handel ermöglichen könnte.
Polymarket ist ein blockchainbasierter Prognosemarkt, auf dem Nutzer Anteile zum Ausgang politischer, wirtschaftlicher, sportlicher und gesellschaftlicher Ereignisse handeln. Die Kurse spiegeln dabei die vom Markt erwartete Eintrittswahrscheinlichkeit wider. Spätestens mit der US-Präsidentschaftswahl 2024 rückte die Plattform in den Mainstream und verzeichnete stark steigende Handelsvolumina.
Inzwischen arbeitet Polymarket zudem mit etablierten Medien- und Finanzunternehmen zusammen und baut sein reguliertes US-Geschäft aus. Nach der Rückkehr in die Vereinigten Staaten folgt nun der nächste Schritt: Das Unternehmen möchte dort auch den Handel mit hinterlegten Sicherheiten beziehungsweise Margin ermöglichen.
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Polymarket beantragt US-Zulassung für Margin-Handel
Polymarket möchte sein Angebot in den Vereinigten Staaten deutlich erweitern. Aktuellen Berichten zufolge reichte das Unternehmen am 3. Juli 2026 über verbundene Gesellschaften mehrere Anträge bei der National Futures Association, kurz NFA, ein. Im Mittelpunkt steht die Registrierung als „Futures Commission Merchant“, kurz FCM. Eine solche Zulassung würde es dem Anbieter grundsätzlich ermöglichen, Kundengelder und Sicherheiten für regulierte Derivategeschäfte entgegenzunehmen.
Polymarket Seeks License to Offer Margin Trading Legally in US
According to Bloomberg, Polymarket, the world’s largest prediction market platform, is seeking US regulatory approval to offer margin trading, allowing users to open positions without posting the full amount of… pic.twitter.com/Ah6CL2ZVWj
— Wu Blockchain (@WuBlockchain) July 10, 2026
Wichtig ist jedoch: Polymarket beantragt nicht erstmals überhaupt eine Erlaubnis für den US-Markt. Die Plattform verfügt bereits über eine regulierte amerikanische Infrastruktur. Polymarket hatte 2025 für 112 Millionen US-Dollar QCEX übernommen, zu dem eine von der US-Derivateaufsicht CFTC beaufsichtigte Börse und Clearingstelle gehören. Das heutige US-Angebot wird über QCX beziehungsweise Polymarket US betrieben und unterscheidet sich vom internationalen, kryptobasierten Marktplatz.
Bei dem neuen Verfahren geht es konkret darum, nicht vollständig besicherte Positionen anbieten zu können. Bislang müssen Händler bei klassischen Prognosemärkten den maximal möglichen Verlust einer Position üblicherweise vollständig hinterlegen. Wer beispielsweise Anteile im Wert von 10.000 US-Dollar kaufen möchte, benötigt entsprechend viel verfügbares Kapital.
Beim Margin-Handel würde dagegen nur ein Teilbetrag als Sicherheit ausreichen. Dadurch könnten Nutzer größere Positionen mit weniger Kapital kontrollieren. Dies könnte besonders professionelle Händler, Market Maker und institutionelle Marktteilnehmer ansprechen. Zugleich steigen jedoch die Risiken: Verluste können schneller die hinterlegten Sicherheiten aufzehren, weshalb Liquidationsmechanismen, Kapitalanforderungen und ein strenges Risikomanagement notwendig wären.
Der Antrag verdeutlicht dennoch, wohin sich Polymarket entwickeln möchte: weg von einem reinen Krypto-Prognosemarkt und hin zu einer umfassenderen, regulierten Handelsplattform.
Streitfälle bleiben Polymarkets größte offene Baustelle
Trotz des starken Wachstums bleibt die zuverlässige Abwicklung umstrittener Märkte eine zentrale Herausforderung für Polymarket. Eine von ICO Drops verbreitete Auswertung nennt acht besonders kontroverse Entscheidungen mit einem kombinierten Handelsvolumen von mehr als 418 Millionen US-Dollar. Dazu zählen unter anderem der Markt über Wolodymyr Selenskyjs Kleidung sowie die Frage, ob Strategy bis Ende Mai Bitcoin verkauft hatte.
Gerade der Strategy-Fall zeigt das Problem deutlich. Obwohl das Unternehmen später einen Verkauf innerhalb des relevanten Zeitraums meldete, wurde der Markt mit „Nein“ abgerechnet. Nutzer kritisierten nachträglich ergänzte oder unklare Bedingungen. Zwei Händler zogen deshalb sogar vor Gericht und werfen Polymarket eine fehlerhafte Abwicklung vor.
🚨NEW: POLYMARKET’S DISPUTED MARKETS HAVE NOW HIT $418M+
ICODrops shows 8 major disputed Polymarket resolutions affected more than $418M in combined volume.
The top disputes were Zelenskyy’s $242M suit market and Strategy’s $79M Bitcoin sale market, now the subject of a… https://t.co/7T9gg4HNGE pic.twitter.com/v0HMfqKqmG
— Coin Bureau (@coinbureau) July 8, 2026
Für eine Plattform, deren Produkte auf eindeutig überprüfbaren Ergebnissen beruhen, ist Vertrauen entscheidend. Unpräzise Formulierungen, nachträgliche Klarstellungen oder schwer nachvollziehbare Abstimmungen können hohe Verluste verursachen und die Glaubwürdigkeit beschädigen. Besonders problematisch wird dies, wenn Millionenbeträge auf subjektiv interpretierbaren Begriffen wie „Anzug“, „Verkauf“ oder „militärische Beteiligung“ beruhen.
Polymarket muss deshalb seine Regeln vor Handelsbeginn präziser formulieren, eindeutige Datenquellen festlegen und Einspruchsverfahren transparenter gestalten. Mit dem geplanten Ausbau des regulierten US-Geschäfts steigt dieser Druck zusätzlich. Je stärker Polymarket in den Mainstream vordringt, desto weniger kann sich die Plattform mehrdeutige Entscheidungen leisten.
Rekordvolumen trifft auf immer kleinere Einzelwetten
Die beiden Grafiken zeigen eine auffällige Entwicklung bei Polymarket. Das monatliche Handelsvolumen ist seit 2024 massiv gestiegen und erreichte zuletzt ein neues Allzeithoch von mehr als zehn Milliarden US-Dollar. Besonders seit Ende 2025 beschleunigte sich das Wachstum deutlich. Trotz zwischenzeitlicher Rückgänge blieb die Aktivität auf einem historisch hohen Niveau. Das ist grundsätzlich bullisch, weil immer mehr Kapital über die Prognosemärkte der Plattform gehandelt wird und die kumulierte Nutzung kontinuierlich steigt.
Gleichzeitig entwickelt sich die durchschnittliche Größe einzelner Wetten in die entgegengesetzte Richtung. Anfang 2024 lagen die durchschnittlichen Einsätze teilweise noch im vierstelligen Bereich, wobei einzelne Ausschläge sogar deutlich über 10.000 US-Dollar reichten. Seitdem ist die durchschnittliche Wettgröße kontinuierlich gefallen. Auch der Median liegt inzwischen vergleichsweise niedrig.
Dieser Gegensatz ist jedoch nicht zwingend negativ. Vielmehr deutet er darauf hin, dass das steigende Gesamtvolumen nicht ausschließlich von wenigen besonders großen Marktteilnehmern getragen wird. Offenbar wächst vor allem die Zahl kleinerer Transaktionen und aktiver Nutzer. Statt einzelner Großwetten entsteht das Volumen zunehmend durch eine breitere Marktteilnahme.
Für Polymarket wäre das ein wichtiges Signal der zunehmenden Mainstream-Adoption. Kleinere durchschnittliche Einsätze senken die Abhängigkeit von Walen und professionellen Händlern, während die Liquidität durch mehr Transaktionen dennoch steigt. Die Plattform könnte damit robuster und vielseitiger werden. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass automatisierter Handel, Market Maker und häufige Kleinsttransaktionen die Daten ebenfalls beeinflussen können. Insgesamt sprechen Rekordvolumen und sinkende Wettgrößen jedoch für eine wachsende Nutzerbasis.
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