Eine On-Chain-Analyse verbindet 53 Memecoin-Launches auf der Robinhood Chain mit 18,43 Millionen Dollar – doch die Summe ist nicht bestätigt.
Der pseudonyme On-Chain-Analyst Wazz hat 53 Memecoin-Launches auf der Robinhood Chain zu einer einzigen mutmaßlichen Rug-Pull-Struktur zusammengeführt und beziffert die daraus resultierenden Erlöse auf mindestens 18,43 Millionen Dollar. Die Untersuchung, veröffentlicht am Sonntag auf X und von The Block aufgegriffen, erstreckt sich über einen Zeitraum von rund zwei Monaten. Im Zentrum steht nicht nur die Schadenssumme selbst, sondern die Frage, ob wiederkehrende Wallet-, Funding- und Launchpad-Muster tatsächlich auf einen koordinierten Betreiberkreis hindeuten – und wie belastbar diese Zurechnung ist.
Der Mechanismus hinter dem mutmaßlichen Schema
Laut Wazz liefen die meisten der betroffenen Launches über Pons V2, die zentrale Launchpad-Plattform auf Robinhood Chain. Bei nahezu jedem der untersuchten Token-Starts sollen Bündel aus 70 bis 200 Wallets innerhalb weniger Sekunden mindestens 70 Prozent des jeweiligen Angebots erfasst haben – noch bevor reguläre Käufer überhaupt zugreifen konnten.
Die Verbindung zwischen den einzelnen Launches stellte Wazz über mehrere Ebenen her. 45 der 53 Launches ließen sich demnach durch Zahlungsflüsse verknüpfen: Gelder aus der Collection Wallet eines Launches landeten in der Funding Wallet des jeweils nächsten Tokens. Vier weitere Launches teilten sich denselben Private Key für Batch-Funding-Transaktionen, weitere vier eine gemeinsame Collector Wallet.
The Block überprüfte die Angaben teilweise und bestätigte zehn der von Wazz aufgeführten Sniping-Fälle sowie einen der zur Verknüpfung genutzten Geldflüsse. Die vollständige Gesamtsumme von 18,43 Millionen Dollar konnte die Redaktion nach eigenen Angaben jedoch nicht unabhängig nachbilden.
Datenlage: Zurechnung statt bestätigter Gesamtschaden
Innerhalb des Wazz-Datensatzes sticht eine Handvoll Tokens durch besonders hohe Einzelentnahmen heraus. CRUMBS wird mit rund 3,12 Millionen Dollar geführt, LEGS mit etwa 2,9 Millionen Dollar und PINK mit rund 1,44 Millionen Dollar – zusammen ein erheblicher Anteil der gesamten zugerechneten Summe.
Wichtig für die Einordnung: Die 18,43 Millionen Dollar sind eine von Wazz ermittelte On-Chain-Schätzung, keine unabhängig bestätigte Gesamtschadenssumme. The Block betont, dass es die vollständige Zahl nicht selbst repliziert hat, sondern lediglich einen Teil der zugrunde liegenden Sniping-Fälle und Geldflüsse verifizieren konnte.
Wazz verweist zudem auf mindestens zwei weitere serielle Deployer, die auf Robinhood Chain aktiv erscheinen, sich der bislang beschriebenen Gruppe aber noch nicht eindeutig zuordnen lassen. Das deutet darauf hin, dass das Ausmaß des Problems größer sein könnte als der bislang dokumentierte Cluster – belegt ist das jedoch nicht.
Einordnung: Strukturelles Risiko permissionless Launchpads
Der Fall zeigt vor allem eines: Wie leicht sich auf permissionless Launchpads Anti-Sniping-Schutz umgehen lässt, wenn ausgewählte Wallets binnen Sekunden den Großteil eines Angebots akkumulieren können. Weiterführende Informationen bietet der Beitrag zu pump.fun auf Solana im FOMO-getriebenen Memecoin-Handel.
Für Robinhood Chain, das mit dem Sprung in eigene Blockchain-Infrastruktur einen deutlichen Expansionsschritt über das klassische Brokerage-Geschäft hinaus vollzogen hatte, wiegt der Befund entsprechend schwer. Für die Einordnung dieses Falls bleibt allein das in der Untersuchung beschriebene Wallet- und Funding-Muster maßgeblich.
Wichtig ist die Trennung zwischen dem, was die Primärquelle belegt, und dem, was offen bleibt: Weder die Identität der Betreiber noch eine unabhängige Bestätigung der vollständigen Schadenssumme liegen vor. Die Analyse liefert ein konsistentes Wallet- und Funding-Muster, keinen abschließenden Beweis für eine bestimmte Täterschaft.
Szenarien: Wie sich die Aufklärung weiterentwickeln könnte
Im positiven Fall bestätigen weitere unabhängige Analysen die bereits von Wazz dokumentierten Wallet- und Fund-Flow-Verbindungen, sodass sich der Kreis der betroffenen Launches klar abgrenzen lässt und Nutzer künftig vor ähnlichen Mustern gewarnt werden können. Ein Frühwarnsignal wäre hier eine belastbare Replikation zusätzlicher Verbindungen durch andere On-Chain-Ermittler.
Im Basisszenario bleiben die 53 identifizierten Launches der am besten dokumentierte Cluster, während sich die beiden zusätzlichen seriellen Deployer zunächst nicht eindeutig zuordnen lassen. Ein Signal dafür wäre, dass keine unabhängige Bestätigung der vollständigen 18,43-Millionen-Dollar-Summe erfolgt und die Untersuchung auf dem aktuellen Stand verharrt.
Im negativen Szenario weiten sich Umfang und Zahl der betroffenen Wallets und Launches weiter aus, ohne dass die Betreiber identifiziert werden – ein Muster, das sich etwa durch neu entdeckte, wiederverwendete Funding- oder Collector-Wallets ankündigen würde. Entscheidend für alle drei Pfade bleibt, ob unabhängige Analysten die von Wazz beschriebenen Verbindungen und Erlössummen reproduzieren können.
Fazit
Die Untersuchung von Wazz zeichnet über 53 Memecoin-Launches ein wiederkehrendes, walletbasiertes Muster nach und rechnet diesem mindestens 18,43 Millionen Dollar an Erlösen zu. Der Befund ist im Detail nachvollziehbar dokumentiert, doch die vollständige Summe wurde von The Block nicht unabhängig repliziert.
Offen bleibt vor allem, wie weit die zwei zusätzlich beobachteten seriellen Deployer reichen und ob sie sich demselben Betreiberkreis zuordnen lassen. Bis dahin bleibt der Fall ein Lehrstück über die Risiken permissionless Token-Launches – mehr aber vorerst nicht.
Krypto-Investments bleiben volatil und mit erhöhtem Risiko verbunden, insbesondere bei Memecoins auf noch jungen Launchpad-Strukturen. Wer Token kauft oder verkauft, sollte die geltenden KYC-Pflichten der jeweiligen Handelsplattform sowie das eigene Risikoprofil im Blick behalten, etwa auch bei Launchpad-Aktivitäten wie denen rund um pump.fun.
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