Belarus legalisiert Krypto-Banken per Präsidentenerlass: Diese mögliche Sanktionsumgehung könnte zu neuen Sanktionszielen führen.
Krypto-Banken in Belarus dank Präsidentenerlass
Belarus zieht eine klare Linie: Token-Finanzdienstleistungen sollen nicht länger als Parallelwelt neben dem Bankensektor existieren, sondern innerhalb eines formalisierten Rahmens stattfinden. Grundlage ist ein Präsidentenerlass, mit dem Minsk erstmals Krypto-Banken als eigene Kategorie definiert und in das staatlich kontrollierte Finanzsystem integriert.
Krypto-Banken sind laut Erlass Aktiengesellschaften, die klassische Banklogik (Zahlungsverkehr, Abwicklung) mit tokenbasierten Transaktionen kombinieren dürfen. Der Marktzugang wird an Bedingungen geknüpft – insbesondere an die Anbindung an den staatlichen Hi-Tech-Park (HTP) sowie an ein formales Register- und Aufsichtssetup.
Innerhalb von sechs Monaten soll die erste Krypto-Bank stehen. Perspektivisch ist von Produkten die Rede, die weit über „Krypto-Handel“ hinausgehen – etwa Karten- und Zahlungsfunktionen, tokenbezogene Kontenlogik oder kreditnahe Services.
JUST IN: 🇧🇾 Belarus leader Lukashenko signs decree to allow crypto banks. pic.twitter.com/3f4WAYHf3s
— Whale Insider (@WhaleInsider) January 16, 2026
Warum ausgerechnet jetzt?
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Belarus ist seit Jahren Ziel westlicher Sanktionen; seit 2022 kamen im Kontext des Ukrainekriegs zusätzliche Restriktionen hinzu. Auf EU-Ebene gehört dazu auch die Restriktion von SWIFT-Finanzmessaging für belarussische Banken sowie weitere finanzielle Beschränkungen. Auch schon im dritten Quartal 2025 setzte Belarus auf Kryptowährungen als Reaktion auf Sanktionen.
Auf US-Seite wird der Druck flankiert: Das US-Finanzministerium hat wiederholt Maßnahmen gegen belarussische Netzwerke angekündigt, unter anderem mit Verweis auf Sanktionsumgehung und Unterstützung russischer Kriegslogistik.
Vor diesem Hintergrund ist die Krypto-Banken-Regulierung doppeldeutig: offiziell Fintech-Modernisierung und „Ordnung“ im Token-Sektor – de facto aber auch ein Signal, dass Minsk alternative Finanzschienen institutionalisieren will, ohne sich auf westliche Infrastruktur zu verlassen.
Kontrolle statt Wildwest: Token-Dienste sollen „staatstauglich“ werden
Schon mit Decree No. 8 (2017) wurde ein Rechtsrahmen geschaffen, der Blockchain- und Token-Aktivitäten (insbesondere im HTP-Kontext) legal strukturieren sollte.
Die neue Krypto-Bank-Kategorie wirkt wie der nächste Schritt: nicht mehr nur „Krypto im Sonderregime“, sondern Token-Services als Bank-/Zahlungsinfrastruktur – allerdings ausdrücklich über genehmigte Institute und nicht als unkontrollierte Peer-to-Peer-Landschaft. Das ist für Minsk politisch attraktiv: Wer den Geldfluss nicht vollständig öffnen kann (oder will), versucht ihn kanalisierbar zu machen. Neue Wege der Sanktionsumgehung.
Fazit
Belarus versucht, Token-Finanzdienste nicht zu liberalisieren, sondern zu kanalisieren: Krypto soll über genehmigte Institute laufen – kontrolliert, registriert, beaufsichtigt. Aber das macht das Projekt geopolitisch heikel: Je „bankfähiger“ die Infrastruktur wird, desto eher kann sie als Sanktions-Bypass gelesen werden – und desto wahrscheinlicher ist zusätzliche Aufmerksamkeit westlicher Aufseher, was zu neuen Sanktionszielen führen könnte.
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