Bitcoin-Bullen trüben die Prognose ein

Bitcoin bleibt stabil über 80.000 US-Dollar. Dennoch sind die Bullen aktuell nicht bullisch genug unterwegs – was ist jetzt möglich?

Raphael Adrian von Raphael Adrian Raphael Adrian Editor Raphael Adrian Updated 4 Min. read
Bitcoin-Bullen trüben die Prognose ein

Das Wichtigste in Kürze

  • Bitcoin-Bullen bringen nicht genug Nachfrage, Momentum bleibt schwach.
  • Abflüsse von Bitcoin-Börsen gehen weiter, auf Monatssicht jedoch ausgeglichen.
  • Bitcoins Widerstand bei 88000 US-Dollar könnte mehr Momentum zu BTC bringen.

Bitcoin zeigt sich auch zum Wochenstart bemerkenswert stabil. Trotz geopolitischer Unsicherheiten und eines insgesamt eher impulslosen Marktumfelds hält sich die größte Kryptowährung der Welt weiter klar über der Marke von 80.000 US-Dollar. Größere Gewinnmitnahmen bleiben bislang aus, zugleich stabilisiert sich der Kurs nach den jüngsten Schwankungen zunehmend.

Damit rückt nun erneut der wichtige Widerstandsbereich um 83.000 US-Dollar in den Fokus vieler Trader. Noch fehlt allerdings die Dynamik für einen nachhaltigen Ausbruch. Die Volatilität bleibt vergleichsweise niedrig, frische Narrative fehlen weitgehend. Genau hier sehen einige Analysten aktuell ein Problem: Selbst viele Bitcoin-Bullen verhalten sich derzeit deutlich defensiver, als es für eine explosive Fortsetzung der Rallye eigentlich notwendig wäre.

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Bitcoin-Bullen bleiben laut Onchain-Daten überraschend zurück

Der Analyst Joao Wedson verweist nun auf eine Entwicklung, die kurzfristig durchaus zur Vorsicht mahnt. Im Fokus steht dabei die sogenannte „Exchange Reserve MoM“-Kennzahl. Diese misst vereinfacht gesagt die Veränderung der Bitcoin-Bestände auf zentralen Börsen innerhalb der vergangenen 30 Tage. Entscheidend ist dabei vor allem die Richtung der Kapitalströme.

Sinkende Exchange-Reserven gelten im Kryptomarkt traditionell als bullisch. In diesem Fall ziehen Anleger ihre Coins von Börsen ab, was häufig auf langfristige Verwahrung und geringeren Verkaufsdruck hindeutet. Genau dieses Muster war beispielsweise während früherer Bodenbildungsphasen oder rund um den FTX-Crash deutlich zu beobachten. Damals flossen massiv Bitcoins von Börsen ab, während Anleger akkumulierten.

Aktuell zeigt sich laut Wedson jedoch ein anderes Bild. Die 30-Tage-Veränderung der Exchange-Reserven bewegt sich wieder zunehmend in den positiven Bereich. Das bedeutet: Im Vergleich zu vor 30 Tagen gelangen derzeit mehr Bitcoins auf Börsen, als von dort abgezogen werden. Historisch folgten auf solche Umschwünge mehrfach kurzfristige Korrekturen oder zumindest Phasen schwächerer Kursentwicklung.

Besonders interessant: Öffentlich kommunizieren Unternehmen, Fonds und institutionelle Akteure zwar weiterhin Bitcoin-Käufe. Die aggregierten Kapitalflüsse spiegeln diese bullische Rhetorik bislang jedoch nicht vollständig wider. Genau darin sieht der Analyst eine gewisse Diskrepanz zwischen Marktstimmung und tatsächlichem Verhalten der Anleger.

Zwar schließt Wedson weitere Kursanstiege ausdrücklich nicht aus. Dennoch fehle momentan die aggressive Akkumulation, die typischerweise größere Ausbrüche vorbereitet. Für einen nachhaltigen Angriff auf neue Hochs wären laut dieser Datenlage stärkere Nettoabflüsse von Börsen wohl das deutlich bullischere Signal.

Glassnode-Daten zeigen weiterhin Nettoabflüsse von den Börsen

Während einige Analysten kurzfristig vor einer nachlassenden Akkumulation warnen, zeichnen die täglichen Daten von Glassnode gleichzeitig ein etwas differenzierteres Bild. Denn beim sogenannten „Exchange Net Position Change“ zeigt sich weiterhin ein überwiegend negativer Wert. Das bedeutet vereinfacht gesagt: Unter dem Strich werden nach wie vor mehr Bitcoins von zentralen Börsen abgezogen als eingezahlt.

Gerade diese Entwicklung gilt im Kryptomarkt traditionell eher als bullisches Signal. Wenn Anleger Coins von Börsen abziehen, landen diese häufig in Cold Wallets oder langfristigen Verwahrungslösungen. Dadurch sinkt potenziell der unmittelbare Verkaufsdruck am Markt. Besonders auffällig: Seit März dominieren erneut deutliche rote Ausschläge im Chart. Teilweise lagen die täglichen Nettoabflüsse zuletzt bei über 50.000 BTC.

bitcoin

Damit widersprechen die kurzfristigen Exchange-Reserve-Daten zumindest teilweise dem Narrativ einer komplett fehlenden Akkumulation. Vielmehr deutet sich aktuell eine Art Übergangsphase an. Zwar fehlt bislang die aggressive Nachfrage, die typischerweise neue parabolische Aufwärtsbewegungen auslöst. Gleichzeitig sprechen die anhaltenden Nettoabflüsse jedoch dafür, dass viele Marktteilnehmer ihre Bitcoins weiterhin langfristig halten statt aktiv verkaufen wollen.

Genau dieses Spannungsfeld dürfte nun entscheidend werden, wenn Bitcoin den nächsten Angriff auf den Bereich um 83.000 US-Dollar startet.

Darauf kommt es jetzt bei Bitcoin wirklich an

Spannend ist aktuell vor allem der Blick auf die kurzfristigen Kostenbasen der Bitcoin-Investoren. Der Analyst Burak Kesmeci verweist hier auf die sogenannten UTXO Age Bands – also die durchschnittlichen Einstiegspreise verschiedener Haltezeiträume im Markt. Genau diese Daten könnten nun erste Hinweise darauf liefern, ob sich die Marktstruktur langsam wieder bullish aufhellt.

Besonders auffällig: Die Kostenbasis der kurzfristigen Holder mit einer Haltedauer von ein bis vier Wochen ist zuletzt stark angestiegen – von rund 67.000 auf mittlerweile etwa 76.000 US-Dollar. Damit nähert sich diese Gruppe zunehmend den nächsthöheren Clustern an. Laut Kesmeci entsteht hier eine Art kleiner „Golden Cross“ innerhalb der kurzfristigen Investorenstruktur.

Warum ist das relevant? Kurzfristige Anleger gelten oft als Momentum-Treiber des Marktes. Befinden sich diese Investoren im Verlust, steigt meist der Verkaufsdruck. Werden sie dagegen profitabel, verbessert sich die Stimmung häufig deutlich schneller. Genau deshalb könnte die aktuelle Entwicklung ein frühes Signal für eine mögliche Trendwende darstellen.

Entscheidend bleibt nun allerdings der Bereich um 88.000 US-Dollar. Dort verläuft aktuell die Kostenbasis der drei- bis sechsmonatigen Holder. Sollte Bitcoin diesen Bereich nachhaltig zurückerobern, würden praktisch alle kurzfristigen Kohorten wieder im Gewinn liegen. Das könnte neues Momentum erzeugen und den Markt psychologisch deutlich aufhellen.

Genau deshalb dürfte die Zone zwischen 83.000 und 88.000 US-Dollar nun zum zentralen Schlachtfeld der kommenden Wochen werden.

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Raphael Adrian

Raphael Adrian ist ein Krypto-Journalist und Analyst, der bei Coinspeaker über Krypto-News, PR-Inhalte und Marktanalysen schreibt. Hier gilt er als Lead-Autor und Experte für Kryptowährungs-Prognosen. Mit seinem journalistischen Hintergrund und seiner Spezialisierung auf Finanzen, Business und digitale Assets berichtet er seit Jahren über Blockchain-Trends, neue Projekte und Entwicklungen am Kryptomarkt. Seine Kenntnisse in fundamentaler und technischer Analyse ermöglichen es ihm, Marktbewegungen fundiert zu bewerten, Potenziale von Projekten einzuordnen und datenbasierte Krypto-Prognosen zu erstellen. In seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf verständliche, recherchierte Inhalte, die Leser bei fundierten Entscheidungen im Kryptomarkt unterstützen.

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