Ein Bärenmarkt bezeichnet eine längere Phase, in der die Kurse von Vermögenswerten, wie Aktien oder Kryptowährungen, deutlich und ...
12 Min. Utility Tokens sind in der Kryptowelt sehr verbreitet und oft der größte Teil der bei einem Projektstart ausgegebenen Tokens. Im Grunde sind es digitale Berechtigungen, die eine bestimmte Funktion innerhalb eines Blockchain-Projekts ermöglichen.
Wir erklären, was Utility Tokens sind, wie sie funktionieren und welche Möglichkeiten und Risiken eine Investition in sie bietet.


Ein Utility Token ist ein digitaler blockchain-basierter Token, der primär dazu dient, Zugang zu einer bestimmten Dienstleistung oder Funktion in einem Krypto-Projekt zu ermöglichen.
Viele Projekte bringen ihren eigenen Utility-Token heraus, um zwei Dinge gleichzeitig zu erreichen:
1️⃣ Sie binden damit Kapital an das Projekt
2️⃣Sie geben Nutzern die Möglichkeit den Token für etwas zu verwenden.
Utility bedeutet in diesem Zusammenhang: Der Token hat einen klaren Zweck. Er erfüllt eine Aufgabe.
In technischer Hinsicht sind Utility Token meist Smart Contracts auf einer bestehenden Blockchain. Das bedeutet, ein Projekt muss kein eigenes Netzwerk entwickeln, um einen Token herauszugeben. Stattdessen wird ein Token-Vertrag (oft nach ERC-20) entwickelt, der sämtliche Token-Transaktionen regelt.
So laufen viele Utility Token als ERC-20-Token auf Ethereum, als BEP-20 auf der BNB Chain oder als SPL-Token auf Solana.
Die Erstausgabe erfolgt oft im Rahmen eines Token Sale (z.B. ICO, IEO) oder durch Initial Token Distribution an Gründer, Investoren und die Community. Ist das Smart Contract einmal live, sind die Spielregeln unveränderlich (immutable).
Daher lassen viele Projekte vorab Sicherheitsaudits durchführen, um Fehler im Token-Code auszuschließen. Ein Fehler im Smart Contract könnte ansonsten fatale Folgen haben, da er nicht ohne Weiteres behoben werden kann.
Ein Utility Token kann entweder einmalig in fester Menge erstellt werden (z.B. 1 Milliarde Token, davon ein Teil sofort in Umlauf, der Rest gesperrt) oder dynamisch erzeugt werden (etwa durch Mining, Staking oder als Nutzungsreward).
Nach der Ausgabe ist die Verwaltung der Token-Ökonomie entscheidend: Viele Projekte definieren Tokenomics, also Regeln zur Verteilung (wie viel geht ans Team, an Entwickler, an Nutzerbelohnungen), zu Vesting-Zeitplänen (gesperrte Token, die nach und nach freigegeben werden) und ggf.
zu Inflation/Deflation (manche Tokens sind inflationär, andere werden durch Burn-Mechanismen verknappt). Diese technischen und wirtschaftlichen Parameter beeinflussen den Kurs und die Nachfrage eines Utility Tokens maßgeblich.

Ein häufiger Stolperstein ist die Abgrenzung von Utility Tokens zu Security Tokens (auch Wertpapier-Token genannt). Security Token verbriefen klassischerweise Eigentums- oder Ertragsrechte, ähnlich Aktien oder Anleihen, während Utility Token rein funktionale Zugangsrechte bieten. Die folgenden Kernunterschiede verdeutlichen das:
| Merkmal | Utility Token | Security Token |
|---|---|---|
| Zweck | Zugang/Funktion im Netzwerk | Anlage, Beteiligung, Vermögensrechte |
| Rechte | Nutzung, ggf. Rabatte oder Stimmrecht | Gewinn-, Zins- oder Eigentumsrechte |
| Beispiele | BAT, Filecoin | Digitale Aktien, Immobilien-Token |
| Regulierung | MiCAR-Kryptowert, kein Wertpapier | Wertpapier/Finanzinstrument, Prospektpflicht |
| Emission | Einfach durch Projekte (mit MiCAR-Whitepaper) | Nur mit Prospekt/Lizenz |
| Handel | Frei auf Kryptobörsen | Regulierte Plattformen, teils beschränkt |
| Regulierungsziel | Transparenz, Verbraucherschutz | Anlegerschutz, strenge Aufsicht |
Für Investoren und Projekte ist es entscheidend zu wissen, ob ein Token als Utility oder als Security gilt.
Allerdings gab und gibt es Grenzfälle: Einige Token wurden als Utility verkauft, boten aber faktisch gewinnabhängige Vorteile oder ähnelten einer Aktienbeteiligung. Solche Vorgänge müssen zukünftig über die neue EU-Regulierung-MiCAR geprüft werden.
In solchen Fällen kann die Aufsicht (BaFin oder SEC etc.) trotzdem eine Wertpapier-Einstufung vornehmen, unabhängig vom Utility-Etikett. BaFin betonte bereits 2019, dass die bloße Bezeichnung als „Utility-Token“ nicht entscheidend ist – entscheidend ist die konkrete Ausgestaltung.
Um Utility Token greifbarer zu machen, betrachten wir nun einige konkrete Beispiele und Use Cases. Diese Auswahl zeigt die Bandbreite typischer Utility Token und warum sie als solche gelten:
Chainlink verknüpft Blockchains mit realen Datenquellen.
Der LINK-Token wird eingesetzt, um Node-Betreiber zu bezahlen, die korrekte Off-Chain-Daten liefern (z.B. Preise, Wetter). Smart Contracts, die externe Daten brauchen, verwenden LINK als Zahlungsmittel an die Orakel-Nodes. LINKs Utility ist die Zugangsgewährung zu den Datenfeeds, wenn Investoren Chainlink kaufen.
UNI ist eigentlich als Governance-Token des Uniswap-Protokolls bekannt, doch auch hier kann man Utility-Aspekte sehen: UNI-Inhaber können über Protokoll-Upgrades und Gebührenmodelle abstimmen.
Zudem wurde UNI rückwirkend an Nutzer verteilt (Retroactive Airdrop) als Belohnung für frühe Nutzung der Plattform.

Dies ist der Utility Token der virtuellen Welt The Sandbox.
Teilnehmer benötigen SAND, um virtuelle Grundstücke (LAND NFTs) zu kaufen, ihren Avatar auszurüsten oder In-Game-Gegenstände zu handeln. Es ist zudem im Ökosystem der Transaktionstoken.
Chancen🟢
Risiken🔴
Auf dem Markt erscheinen immer wiede neue Presales, die einen Utility Token im Vorverkauf anbieten. Hier finden sich natürlich Renditepotenzial und absolutes Risiko.
Die meisten etablierten Utility Tokens sind jedoch auf Kryptobörsen handelbar. Dazu zählen große internationale Exchanges genauso wie einige regulierte europäische Handelsplätze. Hier eine Übersicht:
Insgesamt sollten Sie als Anleger bei Utility Token immer bedenken. Fundamentale Nutzungsdaten (On-Chain-Daten) sind wichtig zu verstehen.
Etwa aktive Adressen, Transaktionsvolumen oder gesperrte Werte in einem Protokoll. Diese können helfen, die Substanz eines Utility Tokens einzuschätzen.
Wenn die On-Chain-Nutzung steigt, ohne dass der Preis völlig davonläuft, kann das ein gutes Zeichen sein. Umgekehrt: Explodiert der Kurs, aber kaum jemand nutzt die Plattform tatsächlich, ist Skepsis angebracht.
So oder so, Diversifikation und gründliche Recherche sind auch im Utility-Token-Segment unverzichtbar.

Fragen Sie sich zuerst: Welches Problem löst das Projekt überhaupt? Gibt es einen echten Anwendungsfall, oder wurde der Token nur erstellt, um Kapital einzusammeln?
Ein seriöses Projekt kann klar erklären, wofür der Token gebraucht wird und warum er notwendig ist.
Sie sollten genau wissen, was Sie mit dem Token tun können. Dient er als Zugangsschlüssel?
Als Zahlungsmittel im Netzwerk? Für Governance oder Gebühren? Nur wenn der Token einen unverzichtbaren Nutzen innerhalb des Systems hat, handelt es sich wirklich um einen Utility Token.
Schauen Sie sich Zahl und Struktur der Token an: Wie groß ist das maximale Supply? Wer erhält wie viele Tokens, Team, Investoren, Community?
Wie hoch ist die Inflation? Kritisch wird es, wenn große Mengen an Team- oder Investorentokens erst später freigeschaltet werden. Das kann massiven Druck auf den Kurs ausüben. Ein solides Projekt zeigt Vesting-Pläne offen und nachvollziehbar.
Prüfen Sie, wer das Ganze baut. Gibt es ein sichtbares Team oder zumindest eine aktive Entwicklercommunity?
Werden auf GitHub regelmäßig Updates veröffentlicht? Wird die Roadmap eingehalten? Wenn Sie kaum Informationen finden oder das Team komplett abgetaucht ist, sollten Sie sehr vorsichtig sein.
Analysieren Sie, wie sich der Token bisher entwickelt hat. Ein stark schwankender oder dauerhaft fallender Kurs deutet auf Risiken hin.
Ebenso entscheidend: Liquidität. Wenn ein Token nur auf kleinen Börsen mit wenig Volumen gehandelt wird, kann der Verkauf später schwierig werden.
Gewinne aus dem Verkauf von Kryptowährungen (damit auch Utility Tokens) unterliegen für Privatpersonen der Einkommensteuer, sofern zwischen Anschaffung und Veräußerung weniger als ein Jahr liegt (sog. privates Veräußerungsgeschäft nach §23 EStG).
Verkaufen Sie also Token mit Gewinn innerhalb eines Jahres, ist der Gewinn zu Ihrem persönlichen Steuersatz zu versteuern.
ABER: Halten Sie die Token länger als ein Jahr, bleibt der Verkauf steuerfrei. Auch wenn zwischendurch Staking oder Lending betrieben wurde, hat das BMF klargestellt, dass keine Verlängerung der Haltefrist mehr erfolgt.
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Ein Bärenmarkt bezeichnet eine längere Phase, in der die Kurse von Vermögenswerten, wie Aktien oder Kryptowährungen, deutlich und ...
Alex Fournier
, 689 ArtikelAlexander Fournier ist Blockchain-Projektmanager und seit fast einem Jahrzehnt leidenschaftlicher Investor im Bereich Kryptowährungen. Als täglich aktiver Autor bleibt er stets am Puls der Krypto-Welt, analysiert Trends und teilt fundierte Einblicke. Neben seiner redaktionellen Tätigkeit bietet er Coachings an, unterstützt bei Transaktionen und ist auf zahlreichen sozialen Plattformen präsent, um sich und seine Community immer auf dem neuesten Stand zu halten.