Grünen-Politiker Boris Palmer fordert Bitcoin-Verbot

On Feb. 15, 2026 at 12:24 pm UTC by · 4 Min. read

Bitcoin-Verbot als Lösung? Der Streit Palmer/Friedrich zeigt die Fronten: Kontrolle vs. Freiheit. Einordnung mit Fakten zu Mining, Crime und digitalem Euro.

Schon wieder „Bitcoin-Verbot“ – diesmal nicht als Internet-Meme, sondern als Satz, der (zumindest in einem viral geteilten Videoausschnitt) einem amtierenden Oberbürgermeister zugeschrieben wird: Boris Palmer. In dem Clip, der derzeit in Krypto-Kanälen kursiert, diskutiert Palmer mit Finanzautor Marc Friedrich über Bitcoin – und Palmer schießt dabei ungewöhnlich scharf.

Was gerade viral geht – und was daran politisch brisant ist

Der Clip zeigt eine Diskussion, die als „Talk im Gewölbe“ (Pfullingen) beworben bzw. geteilt wird; Marc Friedrich selbst verweist öffentlich auf den Mitschnitt.

In Krypto-Kanälen wird daraus vor allem eine Botschaft destilliert: Palmer wolle Bitcoin verbieten, weil man Zahlungsströme nicht ausreichend kontrollieren könne.

Politisch brisant ist das aus zwei Gründen: Erstens, weil Verbotsforderungen bei Bitcoin in Deutschland/europäisch sofort die Fragen nach Umsetzbarkeit (globales Netzwerk) und nach Kollateralschäden (Innovation/Standort) aufwerfen. Zweitens, weil Palmer seine Kritik in dem Clip stark über die Themen Kriminalität und Energie auflädt – zwei Felder, in denen Zahlen und Realitäten oft auseinanderlaufen.

Argument 1: „Bitcoin ist ein Verbrecher-System“ – stimmt das so?

Dass Ransomware-Erpresser und andere Tätergruppen Krypto nutzen, ist unstrittig. Strittig ist die pauschale Schlussfolgerung „ohne Bitcoin gäbe es das Geschäftsmodell nicht“ oder „Kriminelle brauchen Bitcoin und sonst niemand“ (so wird es in der Debatte/Clip-Zusammenfassungen zugespitzt).

Was man dazu belastbar sagen kann: Blockchain-Analyse-Firmen wie Chainalysis beziffern den Anteil illegaler Aktivitäten am gesamten On-Chain-Volumen seit Jahren als klein (deutlich unter den großen Alltags-Zahlungsströmen in Fiat).

Gleichzeitig zeigt die gleiche Datenwelt, dass sich Kriminalität nicht „an Bitcoin festbindet“: Ein großer Teil illegaler Transaktionen läuft inzwischen über Stablecoins (also tokenisierte Dollar/Euro-Äquivalente), weil sie im Untergrund praktisch sind und schnell „durchgereicht“ werden können.

Argument 2: „Man kann Bitcoin nicht verfolgen“ – so einfach ist es nicht

Ein häufiger Kurzschluss in solchen Talkrunden: „Krypto = anonym = unaufklärbar“. Bei Bitcoin ist das als Pauschalbehauptung schwierig, weil Transaktionen dauerhaft öffentlich auf der Blockchain einsehbar sind(pseudonym statt anonym). Genau deswegen ist Bitcoin für Täter nicht automatisch „perfekt“, sondern oft erstaunlich gut analysierbar – insbesondere dann, wenn Geldströme irgendwann an regulierten Schnittstellen (Börsen, Payment-Provider) auftauchen.

Argument 3: „Bitcoin frisst Strom wie ganze Länder“ – was die Daten hergeben

Der Energieverbrauch ist der Punkt, bei dem Palmer im Clip besonders plakativ wird (Vergleiche mit Staaten, Wüsten-Mining etc.). Solche Vergleiche kursieren seit Jahren – sie sind aber stark abhängig davon, welche Methodik man nutzt (Schätzmodelle, Zeiträume, Strommix, Auslastung).

Als seriöse Referenz gilt häufig der Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index (CBECI), der fortlaufend Schätzungen zur Stromnachfrage des Bitcoin-Netzwerks veröffentlicht.

Zusätzlich hat zuletzt auch die US-Energiebehörde (EIA) Daten und Einschätzungen zur Stromnachfrage von Krypto-Mining in den USA thematisiert – inklusive der Frage, wie sich Mining auf Netze und lokale Versorgung auswirken kann.

Ja: Bitcoin-Mining verbraucht viel Strom. Aber: Ob das automatisch „Klimaschaden“ bedeutet, hängt am Strommix, an Standort/Netz, an Abwärmenutzung und daran, ob Mining flexible Last sein kann oder eben nicht. Und: Selbst hohe absolute Zahlen sind kein „Verbotsargument“ per se – sie sind erstmal ein Regulierungs- und Energiepolitik-Thema.

Auch interessant: Bitcoin-Mining 2025: So hat sich die Branche über die Jahre weiterentwickelt.

Der digitale Euro als Gegenentwurf – und warum er in der Debatte mitschwingt

In der Diskussion um Kontrolle/Transparenz landet man schnell beim digitalen Euro. Die EZB beschreibt dafür seit Längerem einen mehrjährigen Prozess: Nach der Untersuchungsphase läuft eine Vorbereitungsphase, in der Regelwerk, technische Optionen und Pilotierung vorbereitet werden.

Die EZB selbst betont dabei zwei Dinge, die im Palmer-Argument („staatlich, kontrolliert, transparent“) mitschwingen: Erstens soll ein digitaler Euro (wenn er politisch beschlossen wird) öffentliches Geld im digitalen Raum sein, zweitens hängt eine Einführung an Gesetzgebung und politischen Entscheidungen – nicht an einem einzelnen Akteurx

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