Krypto-Kriminalität steigt laut Chainalysis auf 154 Milliarden US-Dollar. Stablecoins und Sanktionsumgehung treiben den Rekord.
Anders als der Begriff „Krypto-Kriminalität auf Rekord“ zunächst vermuten lässt, erzählt der neue Chainalysis-Befund vor allem eine Geschichte über Strukturwandel. Illegale Walletadressen haben 2025 laut dem Analysehaus mindestens 154 Milliarden US-Dollar erhalten. Das ist ein Rekordwert. Doch Chainalysis betont selbst, dass der Anteil illegaler Transaktionen am gesamten zuordenbaren Krypto-Volumen weiter unter einem Prozent liegt. Die entscheidende Verschiebung liegt woanders: Kriminelle und staatlich unterstützte Netzwerke agieren professioneller, größer und geopolitischer als in früheren Zyklen.
Der Rekord kommt vor allem aus der Sanktionsumgehung
Der größte Treiber ist nicht mehr allein der klassische Krypto-Betrug aus dem Spam-Ordner. Chainalysis schreibt, dass sanktionierte Akteure im Jahr 2025 rund 104 Milliarden US-Dollar bewegten. Das entspräche einem Sprung von 694 Prozent binnen Jahresfrist. Parallel beschreibt das Unternehmen eine immer stärker professionalisierte Infrastruktur, in der Geldwäsche-Netzwerke, OTC-Broker und technische Dienstleister mit staatlich geprägten Akteuren zusammenlaufen. Wer den Russland-Komplex vertiefen will, findet bei CoinSpeaker bereits Hintergrund in Krypto, Korruption und Sanktionen: Die Schattenwelt zwischen Russland und Kirgisistan.
Das ist die eigentliche Pointe des Berichts: Die Schattenseite des Marktes wird industrieller. Chainalysis spricht von einem Umfeld, in dem sich staatliche Stellen in dieselben Lieferketten einklinken, die ursprünglich von Cyberkriminellen und organisierten Netzwerken aufgebaut wurden. Der Unterschied zu früheren Berichten ist damit weniger die Schlagzahl einzelner Hacks als der Maßstab, auf dem Krypto inzwischen für Sanktionsumgehung, Beschaffung und grenzüberschreitende Transfers genutzt wird.
Stablecoins verdrängen Bitcoin im illegalen Zahlungsverkehr
Besonders brisant ist der Rollenwechsel bei den Assets. Laut Chainalysis machen Stablecoins inzwischen 84 Prozent des gesamten illegalen Krypto-Volumens aus. Das passt zur Logik des Marktes: Wer grenzüberschreitend schnell, rund um die Uhr und mit möglichst geringer Kursschwankung transferieren will, landet eher bei digitalen Dollar-Abbildern als bei volatilen Coins. Genau deshalb ist es wichtig, die Technologie sauber einzuordnen. Stablecoins sind nicht per se ein Problemfall, sondern vor allem die effizienteste Schiene im Krypto-Finanzsystem. Einen thematischen Evergreen dazu gibt es bei CoinSpeaker hier: Stablecoins: Die unsichtbare Revolution im Zahlungsverkehr.
Wie groß dieses Segment inzwischen auch auf legaler Seite ist, zeigen die heutigen CoinGecko-Daten. Die gesamte Stablecoin-Marktkapitalisierung liegt bei rund 311 Milliarden US-Dollar. Tether kommt dabei allein auf rund 183,9 Milliarden US-Dollar, USDC auf rund 78,2 Milliarden US-Dollar. Die kriminelle Nutzung wächst also nicht im luftleeren Raum, sondern auf einer Infrastruktur, die gleichzeitig zentral für Handel, DeFi und globale Krypto-Liquidität geworden ist.
Russland, Iran und Nordkorea stechen besonders heraus
Chainalysis nennt drei Brennpunkte besonders deutlich. Erstens Russland: Der rubelgestützte Stablecoin A7A5 hat laut Chainalysis in weniger als einem Jahr ein Volumen von über 93,3 Milliarden US-Dollar verarbeitet. Zweitens Iran: Adressen aus dem Umfeld der Revolutionsgarden standen im vierten Quartal 2025 für mehr als die Hälfte der an iranische Services geflossenen Werte; das Volumen dieser IRGC-nahen Adressen stieg im Gesamtjahr auf mehr als drei Milliarden US-Dollar. Drittens Nordkorea: DPRK-verbundene Hacker sollen 2025 rund 2,02 Milliarden US-Dollar in Kryptowerten gestohlen haben.
Fazit
Unterm Strich ist der Chainalysis-Befund deshalb doppelt unbequem. Ja, die illegale Krypto-Nutzung erreicht nach dieser Methodik einen neuen Höchststand. Aber nein, die Geschichte dahinter lautet nicht schlicht „mehr Scam, mehr Chaos“. Sie lautet: Stablecoins werden zur globalen Infrastruktur – und genau diese Effizienz macht sie eben auch für Sanktionen, Schattenhandel und staatlich gestützte Netzwerke interessant. Das Problem ist damit nicht die Existenz von Krypto, sondern die zunehmende Professionalität der Akteure, die diese Infrastruktur missbrauchen.
next