Der Clarity Act stockt weiter, Wahrscheinlichkeit für Gesetz in 2026 sinkt.
US-Börsenaufsicht macht weiter klare Regeln, nächster Schritt verkündet.
DeFi bekommt eine Broker-Ausnahme, mehr Rechtssicherheit dank SEC.
Der Kryptomarkt wartet weiter auf den Clarity Act. Eigentlich galt das Gesetz lange als einer der wichtigsten potenziellen Kurstreiber für US-Krypto-Aktien, DeFi-Protokolle und den gesamten Digital-Asset-Sektor. Doch zuletzt ist der politische Prozess ins Stocken geraten. Hintergrund ist vor allem der Streit um Stablecoin-Zinsen und die Frage, wie stark Banken vor neuer Konkurrenz geschützt werden sollen.
Gerade diese Auseinandersetzung zwischen traditioneller Finanzlobby und Krypto-Industrie hat eine schnelle Einigung bislang verhindert. Entsprechend kühlt auch die Erwartung am Markt etwas ab.
Auf Polymarket wird die Wahrscheinlichkeit, dass der Clarity Act noch 2026 Gesetz wird, aktuell nur noch bei 56 Prozent gesehen. Das zeigt: Die Hoffnung lebt, aber der Optimismus ist deutlich gedämpfter als noch vor wen
SEC unter Paul Atkins setzt auf eigene Krypto-Klarheit
Parallel zur blockierten Gesetzgebung versucht die SEC inzwischen selbst, Fakten zu schaffen. Unter Chairman Paul Atkins, der seit April 2025 im Amt ist, hat sich die Behörde klar vom konfrontativen Kurs der Vorgängerführung entfernt.
Statt Regulierung primär über Durchsetzung und Einzelfälle zu betreiben, setzt die SEC nun sichtbar stärker auf Leitlinien, Interpretationen und abgestufte Übergangsregeln. Schon im März 2026 veröffentlichte die Behörde eine grundlegende Klarstellung zur Anwendung der US-Wertpapiergesetze auf Krypto-Assets und betonte dabei ausdrücklich, dass dieser Schritt die Arbeit des Kongresses ergänzen solle.
Auch „Project Crypto“ wurde weiter ausgebaut, um gemeinsam mit der CFTC ein kohärenteres Regelwerk für digitale Vermögenswerte zu schaffen. Die neue Linie ist damit eindeutig: Mehr Rechtssicherheit soll nicht erst kommen, wenn der Clarity Act verabschiedet wird, sondern bereits vorab durch administrative Klarstellungen der Aufsicht.
Neue SEC-Regelung für DeFi: Was jetzt konkret gilt
Besonders relevant ist nun das neue Staff Statement der Division of Trading and Markets vom 13. April 2026. Darin legt die SEC erstmals genauer dar, unter welchen Bedingungen bestimmte Krypto-Oberflächen nicht als Broker-Dealer registriert werden müssen. Gemeint sind sogenannte „Covered User Interfaces“ – also Websites, Browser-Erweiterungen, Wallet-Oberflächen oder Apps, über die Nutzer mit ihrer eigenen Self-Custody-Wallet Transaktionen in Krypto-Asset-Securities vorbereiten.
Die SEC erkennt damit an, dass solche Interfaces technisch vor allem Befehle für die Blockchain vorbereiten, Marktdaten anzeigen und Nutzern bei der Parametereingabe helfen können, ohne zwingend selbst als klassischer Broker aufzutreten.
NEW 🚨: As part of Project Crypto, the Division of Trading and Markets issued a staff statement providing its views on broker-dealer registration requirements in connection with certain interfaces used to prepare transactions in crypto asset securities.https://t.co/8jCwFOJZcwpic.twitter.com/gmp7jbBhgV
— U.S. Securities and Exchange Commission (@SECGov) April 13, 2026
Der entscheidende Punkt: Die Behörde signalisiert, dass sie keine Einwände gegen einen Betrieb ohne Broker-Dealer-Registrierung hat, wenn strenge Bedingungen eingehalten werden. Dazu zählt insbesondere, dass die Oberfläche rein self-custodial bleibt, also keine Kundengelder, Stablecoins oder Wertpapiere verwahrt oder kontrolliert. Außerdem darf der Anbieter keine konkreten Transaktionen bewerben, keine Anlageberatung leisten, keine Orders routen oder ausführen und keine diskretionäre Kontrolle über Transaktionen oder Marktdaten haben. Auch Vergütungen müssen neutral und fix sein, also etwa als feste Gebühr oder fester Prozentsatz, ohne Abhängigkeit von Produkt, Handelsplatz, Gegenpartei oder Ausführungsweg.
🇺🇸 JUST IN: SEC says certain crypto interfaces, including DeFi front-ends, wallet extensions, and apps, may operate without broker-dealer registration under conditions:
• No custody of user funds (self-custodial only) • No investment advice or recommendations • No order… pic.twitter.com/0LcMhKlMPE
Mehr Transparenz und Kontrolle – dennoch DeFi-freundlich
Hinzu kommen Transparenz- und Kontrollpflichten. Anbieter müssen offenlegen, wie Gebühren berechnet werden, welche Interessenkonflikte bestehen, welche Handelsplätze eingebunden sind, nach welchen objektiven Parametern Routen oder Standardwerte angezeigt werden und welche Cybersecurity- sowie Datenschutzmaßnahmen bestehen. Wenn mehrere Ausführungswege angezeigt werden, dürfen Sortierungen nur nach objektiven Kriterien wie Preis oder Geschwindigkeit erfolgen. Wertende Aussagen wie „bester Preis“ oder „zuverlässigste Route“ sind gerade nicht vorgesehen. Commissioner Hester Peirce flankierte die Veröffentlichung mit dem Hinweis, dass Nutzer nicht durch eine zu weite Auslegung des Broker-Begriffs von Wallets und Frontends abgeschnitten werden sollten.
Huge!
The SEC just gave DeFi a broker exemption.
Uniswap UI, MetaMask Swap, DEX aggregators DON'T need to register as a broker-dealers.
DeFi apps just can't get paid for order flow, offer investment advice, or touch user funds – all fair.
— RYAN SΞAN ADAMS – rsa.eth 🦄 (@RyanSAdams) April 13, 2026
Genau darin liegt die eigentliche Signalwirkung: Die SEC öffnet DeFi-Frontends, Wallet-Erweiterungen und Aggregatoren kein regulatorisches Freifahrts-Ticket, schafft aber einen klareren Rahmen, in dem diese Angebote legaler und planbarer operieren können als unter der alten Linie. Für den Markt ist das ein wichtiges bullisches Signal, weil Washington damit zeigt, dass Krypto-Regulierung 2026 nicht nur aus blockierter Gesetzgebung besteht, sondern zunehmend auch aus praktischer, innovationsfreundlicher Verwaltungsarbeit.
Raphael Adrian ist ein Krypto-Journalist und Analyst, der bei Coinspeaker über Krypto-News, PR-Inhalte und Marktanalysen schreibt. Hier gilt er als Lead-Autor und Experte für Kryptowährungs-Prognosen. Mit seinem journalistischen Hintergrund und seiner Spezialisierung auf Finanzen, Business und digitale Assets berichtet er seit Jahren über Blockchain-Trends, neue Projekte und Entwicklungen am Kryptomarkt.
Seine Kenntnisse in fundamentaler und technischer Analyse ermöglichen es ihm, Marktbewegungen fundiert zu bewerten, Potenziale von Projekten einzuordnen und datenbasierte Krypto-Prognosen zu erstellen. In seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf verständliche, recherchierte Inhalte, die Leser bei fundierten Entscheidungen im Kryptomarkt unterstützen.
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