Das Wichtigste in Kürze
- Die US-Notenbank (Fed) schlägt in einem neuen Research Paper vor, Kryptowährungen bei der Risikomessung für OTC-Derivate als eigene Assetklasse zu behandeln.
- Im Fokus steht „Initial Margin“: also die Sicherheitsleistung, die Marktteilnehmer bei nicht zentral geclearten Derivaten hinterlegen müssen.
- Die Autoren trennen „floating“ Coins (etwa Bitcoin) von „pegged“ Coins (Stablecoins) – wegen fundamental unterschiedlicher Volatilitätsprofile.
Die US-Notenbank denkt Krypto neu: Ein frisches Research Paper aus der FEDS-Reihe schlägt vor, Kryptowährungen bei der Risikomessung für OTC-Derivate als eigene Assetklasse zu behandeln.
US-Notenbank nimmt Krypto auseinander – und das ist größer, als es klingt
Die Federal Reserve hat Bitcoin nicht plötzlich „liebgewonnen“. Im Gegenteil: Das neue Papier liest sich wie klassische Risiko-Bürokratie. Aber genau darin steckt die Nachricht: Krypto wird nicht mehr als Randnotiz behandelt, sondern als ein Thema, das in die Systemlogik der Finanzmärkte eingepasst werden muss.
Der Text trägt den Titel „Initial Margin for Cryptocurrency Risk in Uncleared Markets“ und stammt aus der FEDS-Working-Paper-Reihe. Das klingt trocken, berührt aber einen Kernpunkt institutioneller Märkte: Wie viel Sicherheit muss hinterlegt werden, wenn große Adressen Krypto-Risiken über Derivate handeln, die nicht über zentrale Clearingstellen laufen.
Dass Bitcoin parallel bei rund 68.964 US-Dollar steht, ist dabei nur die Kulisse. Spannend ist die Mechanik dahinter: Wie wird Hebel im System bepreist – und wie hart könnte er künftig reglementiert werden.
New #FEDSPaper: Initial Margin for Crypto Currencies Risks in Uncleared Markets: https://t.co/iQYLbZVgjN #EconTwitter
— FedResearch (@FedResearch) February 12, 2026
Die Fed will eine neue Krypto-Risikoklasse – offiziell, nicht als Bauchgefühl
Kernaussage der Autoren: Kryptowährungen passen nicht sauber in bestehende Risikoklassen wie Aktien, Rohstoffe oder Devisen, wenn es um die Standardmodelle zur Margin-Berechnung für OTC-Derivate geht. Stattdessen schlagen sie vor, Krypto als eigene Kategorie innerhalb des ISDA-SIMM-Frameworks zu behandeln – also genau dort, wo in der Praxis große Teile der initialen Margin-Kalkulation standardisiert werden.
Das ist weniger „Meinung der Fed“ als „Vorschlag von Fed-nahen Forschern“ – aber in der Finanzwelt sind solche Papiere oft die erste Stufe, bevor sich Marktstandards verschieben.
Wichtig dabei: Das Paper argumentiert nicht über Moral („gut“ oder „böse“), sondern über Messfehler. Wenn Risiko falsch eingeordnet wird, ist Margin falsch kalibriert. Und wenn Margin falsch kalibriert ist, kann Hebel zu billig werden.
Floating vs. Pegged: Warum Bitcoin nicht wie ein Stablecoin tickt
Die Autoren trennen innerhalb ihrer vorgeschlagenen Krypto-Klasse zwei Gruppen: „floating“ Coins (frei schwankend) und „pegged“ Coins (gebunden, also Stablecoins). Der Grund ist simpel: Volatilität. Bei floating Coins ist sie strukturell hoch, bei pegged Coins im Idealzustand niedrig.
Im Paper werden Beispiele für beide Kategorien genannt (floating u. a. Bitcoin; pegged u. a. Stablecoins). Diese Trennung ist nicht nur akademisch: Wer beides in einen Topf wirft, riskiert falsche Sicherheitsanforderungen – entweder zu streng für Stablecoins oder zu lasch für Bitcoin & Co.
Die Zahl, die zählt: höhere Risikogewichte – und was das mit Hebel macht
Der brisanteste Teil des Papers steckt in den Kalibrierungen: Die Autoren zeigen, dass die bislang übliche Behandlung vieler Kryptowährungen unter bestehenden SIMM-Risikoklassen (etwa „Commodity“) das Risiko von floating Coins tendenziell unterschätzen kann.
Konkret tauchen in den Tabellen deutlich höhere Risikogewichte für eine eigene „Crypto“-Kategorie für floating Coins auf, während pegged Coins in einem völlig anderen Bereich liegen. Der Subtext ist klar: Wenn das Modell am Ende höhere Gewichte ansetzt, wird Initial Margin teurer – Hebel wird nicht verboten, aber er wird kostspieliger.
Das ist genau die Art von Stellschraube, die in Stressphasen Kaskaden dämpfen kann: Wenn weniger „billiger“ Hebel im System ist, sind erzwungene Liquidationen zumindest theoretisch weniger explosiv. Das ist eine Ableitung aus der Logik von Margin-Mechaniken, nicht „Fed verspricht Stabilität“.