Grünen-Politiker Boris Palmer fordert Bitcoin-Verbot
Bitcoin-Verbot als Lösung? Der Streit Palmer/Friedrich zeigt die Fronten: Kontrolle vs. Freiheit. Einordnung mit Fakten zu Mining, Crime und digitalem Euro.
In einem Mitschnitt/Clip aus einer öffentlichen Diskussion zwischen Boris Palmer und Finanzautor Marc Friedrich geht es plötzlich um ein mögliches Bitcoin-Verbot.
Palmer begründet seine harte Linie vor allem mit Kriminalität, Energieverbrauch und „Kontrollverlust“ des Staates.
Parallel rückt der digitale Euro als politischer Gegenentwurf wieder stärker in den Fokus – die EZB beschreibt dafür einen mehrjährigen Fahrplan.
Schon wieder „Bitcoin-Verbot“ – diesmal nicht als Internet-Meme, sondern als Satz, der (zumindest in einem viral geteilten Videoausschnitt) einem amtierenden Oberbürgermeister zugeschrieben wird: Boris Palmer. In dem Clip, der derzeit in Krypto-Kanälen kursiert, diskutiert Palmer mit Finanzautor Marc Friedrich über Bitcoin – und Palmer schießt dabei ungewöhnlich scharf.
Was gerade viral geht – und was daran politisch brisant ist
Der Clip zeigt eine Diskussion, die als „Talk im Gewölbe“ (Pfullingen) beworben bzw. geteilt wird; Marc Friedrich selbst verweist öffentlich auf den Mitschnitt.
In Krypto-Kanälen wird daraus vor allem eine Botschaft destilliert: Palmer wolle Bitcoin verbieten, weil man Zahlungsströme nicht ausreichend kontrollieren könne.
Politisch brisant ist das aus zwei Gründen: Erstens, weil Verbotsforderungen bei Bitcoin in Deutschland/europäisch sofort die Fragen nach Umsetzbarkeit (globales Netzwerk) und nach Kollateralschäden (Innovation/Standort) aufwerfen. Zweitens, weil Palmer seine Kritik in dem Clip stark über die Themen Kriminalität und Energie auflädt – zwei Felder, in denen Zahlen und Realitäten oft auseinanderlaufen.
Ich bin am Donnerstag, 12.02 ab 18 Uhr live zu sehen in Pfullingen mit Boris Palmer, David Reger & Anton Paun https://t.co/sFoqOyJUss
Argument 1: „Bitcoin ist ein Verbrecher-System“ – stimmt das so?
Dass Ransomware-Erpresser und andere Tätergruppen Krypto nutzen, ist unstrittig. Strittig ist die pauschale Schlussfolgerung „ohne Bitcoin gäbe es das Geschäftsmodell nicht“ oder „Kriminelle brauchen Bitcoin und sonst niemand“ (so wird es in der Debatte/Clip-Zusammenfassungen zugespitzt).
Was man dazu belastbar sagen kann: Blockchain-Analyse-Firmen wie Chainalysis beziffern den Anteil illegaler Aktivitäten am gesamten On-Chain-Volumen seit Jahren als klein (deutlich unter den großen Alltags-Zahlungsströmen in Fiat).
Gleichzeitig zeigt die gleiche Datenwelt, dass sich Kriminalität nicht „an Bitcoin festbindet“: Ein großer Teil illegaler Transaktionen läuft inzwischen über Stablecoins (also tokenisierte Dollar/Euro-Äquivalente), weil sie im Untergrund praktisch sind und schnell „durchgereicht“ werden können.
Argument 2: „Man kann Bitcoin nicht verfolgen“ – so einfach ist es nicht
Ein häufiger Kurzschluss in solchen Talkrunden: „Krypto = anonym = unaufklärbar“. Bei Bitcoin ist das als Pauschalbehauptung schwierig, weil Transaktionen dauerhaft öffentlich auf der Blockchain einsehbar sind(pseudonym statt anonym). Genau deswegen ist Bitcoin für Täter nicht automatisch „perfekt“, sondern oft erstaunlich gut analysierbar – insbesondere dann, wenn Geldströme irgendwann an regulierten Schnittstellen (Börsen, Payment-Provider) auftauchen.
Boris Palmer fordert bei einer Debatte mit Marc Friedrich ein VERBOT für Bitcoin.
„Es ist ein Weg um die Leute in den Abgrund zu treiben“.
Das ist übrigens der Oberbürgermeister von Tübingen der in der Corona Zeit „Beugehaft“ für Impfverweigerer gefordert hat.@marcfriedrichpic.twitter.com/HJCLNQXctL
Argument 3: „Bitcoin frisst Strom wie ganze Länder“ – was die Daten hergeben
Der Energieverbrauch ist der Punkt, bei dem Palmer im Clip besonders plakativ wird (Vergleiche mit Staaten, Wüsten-Mining etc.). Solche Vergleiche kursieren seit Jahren – sie sind aber stark abhängig davon, welche Methodik man nutzt (Schätzmodelle, Zeiträume, Strommix, Auslastung).
Zusätzlich hat zuletzt auch die US-Energiebehörde (EIA) Daten und Einschätzungen zur Stromnachfrage von Krypto-Mining in den USA thematisiert – inklusive der Frage, wie sich Mining auf Netze und lokale Versorgung auswirken kann.
Ja: Bitcoin-Mining verbraucht viel Strom. Aber: Ob das automatisch „Klimaschaden“ bedeutet, hängt am Strommix, an Standort/Netz, an Abwärmenutzung und daran, ob Mining flexible Last sein kann oder eben nicht. Und: Selbst hohe absolute Zahlen sind kein „Verbotsargument“ per se – sie sind erstmal ein Regulierungs- und Energiepolitik-Thema.
Der digitale Euro als Gegenentwurf – und warum er in der Debatte mitschwingt
In der Diskussion um Kontrolle/Transparenz landet man schnell beim digitalen Euro. Die EZB beschreibt dafür seit Längerem einen mehrjährigen Prozess: Nach der Untersuchungsphase läuft eine Vorbereitungsphase, in der Regelwerk, technische Optionen und Pilotierung vorbereitet werden.
Die EZB selbst betont dabei zwei Dinge, die im Palmer-Argument („staatlich, kontrolliert, transparent“) mitschwingen: Erstens soll ein digitaler Euro (wenn er politisch beschlossen wird) öffentliches Geld im digitalen Raum sein, zweitens hängt eine Einführung an Gesetzgebung und politischen Entscheidungen – nicht an einem einzelnen Akteurx
Pia ist Web3- und AI-Enthusiastin. Als studierte Geisteswissenschaftlerin liebt sie es, den Zeitgeist innerhalb der Gesellschaft zu beobachten und zu analysieren. Ehemalig im Think Tank und Forschungszentrum der Frankfurt School of Finance als Bitcoin-Talent und NFT-Talent im Frankfurt Blockchain Center. Wenn sie nicht gerade schreibt, surft sie gerne am Atlantik.
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