US-Börsenaufsicht zeigt sich in der Post-Gensler-Ära Krypto-freundlich, unzählige ETFs gestartet.
Nun gibt es Verzögerungen bei neuen Prediction Market ETFs.
SEC fordert mehr Informationen an, Start wahrscheinlich verzögert, nicht verhindert.
Der Bitcoin-Spot-ETF war der Dammbruch: Vor einigen Jahren öffnete er institutionellen Anlegern erstmals den einfachen Zugang zu BTC über klassische Börsenprodukte. Danach folgten Ethereum-ETFs – nach monatelangem Ringen mit der SEC.
Seitdem hat sich der ETF-Markt massiv verbreitert: Krypto-Produkte, Multi-Asset-Fonds, Altcoin-ETFs und thematische Konstruktionen kamen hinzu. Neue SEC-Standards beschleunigten ab 2025 zudem den Weg für weitere Krypto-ETPs deutlich. Nun sollte die nächste Kategorie starten: Prediction-Market-ETFs. Doch ausgerechnet hier tritt die US-Börsenaufsicht erneut auf die Bremse.
Die US-Börsenaufsicht SEC hat den Start von mehr als zwei Dutzend ETFs verzögert, die an sogenannte Prediction Markets gekoppelt sind. Betroffen sind laut Reuters insgesamt 24 Produkte von Anbietern wie Roundhill Investments, Bitwise und GraniteShares. Die Emittenten hatten ihre Unterlagen bereits im Februar eingereicht und offenbar damit gerechnet, dass die Fonds unter den neuen Fast-Track-Regeln in dieser Woche automatisch an den Markt kommen könnten.
Stattdessen verlangt die SEC nun zusätzliche Klarheit. Im Zentrum stehen die genaue Funktionsweise der Produkte, die Mechanik der zugrunde liegenden Märkte und die Frage, ob Anleger ausreichend über Risiken informiert werden. Damit ist der Start nicht endgültig gestoppt, aber vorerst ausgebremst. Die Behörde will offenkundig vermeiden, dass ein neuartiges ETF-Segment ohne ausreichende Kontrolle in den Massenmarkt gelangt.
LATEST: ⚡ The SEC has delayed more than two dozen prediction-market ETFs from Roundhill, GraniteShares and Bitwise, requesting more details before their expected debut, according to Reuters. pic.twitter.com/wTCgHNTx3t
Brisant ist die Entscheidung auch deshalb, weil ETFs in den USA längst zum bevorzugten Verpackungsformat für neue Finanztrends geworden sind. Nach Bitcoin, Ethereum, Solana und weiteren Krypto-Produkten sollte nun ein Bereich erschlossen werden, der bislang eher Plattformen wie Kalshi oder Polymarket geprägt hat: Wetten auf reale Ereignisse.
Was sind Prediction-Market-ETFs – und warum prüft die SEC genauer?
Prediction-Market-ETFs sollen Anlegern ermöglichen, über ein klassisches Börsenprodukt auf konkrete Ereignisse zu setzen. Dabei geht es nicht um den Kurs eines Unternehmens oder einer Kryptowährung, sondern um binäre Fragen: Kommt es zu einer Rezession? Gewinnt ein bestimmter Kandidat die US-Wahl 2028? Steigen Entlassungen im Technologiesektor? Solche Produkte würden Ereigniswetten in eine ETF-Struktur übertragen und damit für Privatanleger handelbar machen – ähnlich einfach wie eine Aktie.
Im Hintergrund stehen sogenannte Event Contracts. Diese Kontrakte bilden Wahrscheinlichkeiten für bestimmte Ergebnisse ab. Auf Prediction Markets kaufen und verkaufen Nutzer Positionen, deren Preis häufig als Markteinschätzung interpretiert wird. Kostet ein Kontrakt etwa 0,60 US-Dollar, signalisiert der Markt grob eine Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent. Ein ETF würde diese Logik bündeln, verbriefen und über regulierte Börsen zugänglich machen.
Genau hier liegt jedoch das Problem. Die SEC muss prüfen, ob diese Fonds eher Informationsmärkte, Finanzderivate oder verkappte Wettprodukte sind. Hinzu kommen Risiken wie Insiderinformationen, Marktmanipulation, unklare Bewertungsmechanismen und extreme Verluste bei falschen Ereignisausgängen. Reuters verweist zudem darauf, dass die geplanten Produkte über Derivate auf regulierten CFTC-Börsen konstruiert werden sollen – also an einer Schnittstelle zwischen Wertpapieraufsicht und Derivatemarkt.
Damit zeigt sich: Nach dem Krypto-ETF-Boom ist die SEC nicht grundsätzlich innovationsfeindlich, aber bei neuen Produktkategorien vorsichtiger. Prediction-Market-ETFs könnten ein mächtiger neuer Trend werden – doch zunächst will die Behörde verstehen, ob Anleger hier wirklich ein transparentes Investmentprodukt kaufen oder faktisch politische und wirtschaftliche Ereigniswetten im ETF-Mantel handeln.
Doch die neuen ETFs scheinen nur aufgeschoben und nicht aufgehoben.
Roundhill just filed new effective date for the world's first-ever prediction market ETFs for Mon 5/11, so just pushed back a few days. Guessing they had call with Staff today, not sure tho, stay tuned… $REDP$BLUPpic.twitter.com/DZGkPuifA2
Auch die Einschätzung von ETF-Experte Eric Balchunas deutet eher auf eine kurzfristige Verzögerung als auf ein grundsätzliches Scheitern hin. Demnach hat Roundhill lediglich das geplante Startdatum leicht nach hinten verschoben – konkret auf den 11. Mai.
Solche Anpassungen sind im ETF-Zulassungsprozess nicht ungewöhnlich und könnten auf laufende Abstimmungen mit der SEC zurückzuführen sein. Balchunas vermutet sogar, dass es zuletzt direkten Austausch mit den Behörden gab. Das spricht dafür, dass die Produkte weiterhin aktiv geprüft werden und sich im finalen Genehmigungsprozess befinden.
Raphael Adrian ist ein Krypto-Journalist und Analyst, der bei Coinspeaker über Krypto-News, PR-Inhalte und Marktanalysen schreibt. Hier gilt er als Lead-Autor und Experte für Kryptowährungs-Prognosen. Mit seinem journalistischen Hintergrund und seiner Spezialisierung auf Finanzen, Business und digitale Assets berichtet er seit Jahren über Blockchain-Trends, neue Projekte und Entwicklungen am Kryptomarkt.
Seine Kenntnisse in fundamentaler und technischer Analyse ermöglichen es ihm, Marktbewegungen fundiert zu bewerten, Potenziale von Projekten einzuordnen und datenbasierte Krypto-Prognosen zu erstellen. In seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf verständliche, recherchierte Inhalte, die Leser bei fundierten Entscheidungen im Kryptomarkt unterstützen.
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