Zwei Großfälle prägen die Krypto-Bilanz im September
Krypto-Hacks verursachten im September 2026 über 766 Millionen Dollar Schaden. Zwei Großfälle prägten die Bilanz, Rückzahlungen senken die Bruttosumme.
Krypto-Hacks und Exploits verursachten im September 2026 Schäden von mehr als 766 Millionen US-Dollar – der schwerste Monat des Jahres. PeckShield zählte 55 größere Vorfälle mit Verlusten von 766,5 Millionen Dollar, CertiK registrierte 97 Vorfälle und schätzte die Schäden auf 768,4 Millionen Dollar. Mehr als 270 Millionen Dollar wurden später zurückgegeben; die unterschiedlichen Incident-Zahlen spiegeln verschiedene Erfassungen wider.
CertiK fasste die Lage in einer Stellungnahme vom 30. September so zusammen: „September was a stark reminder of how quickly the threat landscape can shift.“ Die Summe ist vor allem deshalb relevant, weil zwei einzelne Vorfälle den Großteil ausmachten und sowohl Risiken bei Börsen-Wallets als auch Schwachstellen in Protokollsoftware sichtbar machten.
Bitget und Liquid prägten die Monatsbilanz
Auf den Angriff bei der Kryptobörse Bitget entfielen laut Primärbericht rund 388 Millionen Dollar. Bitget erklärte, Angreifer hätten bislang unbekannte Schwachstellen in zugekauften Sicherheitsprodukten ausgenutzt. Das Unternehmen führte den Angriff nach eigenen Angaben auf nordkoreanische Akteure zurück; ein unabhängiger Nachweis dafür ist öffentlich nicht enthalten. Die erhebliche Spanne zwischen den gemeldeten Schadenssummen wird auch im Bitget-Hack deutlich.
Beim Liquid Network lag der Schaden bei rund 320 Millionen Dollar. Der Exploit nutzte einen Fehler in der quelloffenen Elements-Software aus: Eine fehlerhafte Prüfung beziehungsweise Zwischenspeicherung von Rangeproofs ermöglichte es, synthetische, nicht gedeckte Bitcoin-Token zu erzeugen und gegen echte Bitcoin einzulösen. Nach dem Patch wurden mehr als 270 Millionen Dollar zurücküberwiesen; laut Primärbericht war das Netzwerk zuletzt weiterhin pausiert.
Weitere gemeldete Vorfälle betrafen Safe Wallet mit Verlusten von 7,8 Millionen Dollar, DCENT mit 6 Millionen und Duelbits mit 5,9 Millionen Dollar. Die beiden Großfälle zeigen, wie stark einzelne Ereignisse eine Monatsbilanz prägen können – und warum Hack-Schäden nicht automatisch auf ein einzelnes Angriffsmuster oder eine allgemeine Entwicklung schließen lassen. Der breitere Blick auf Krypto-Hacks im Jahr 2026 ergänzt diese Momentaufnahme um weitere Sicherheitsvorfälle.
Rückgaben sind kein verlässlicher Schutzmechanismus
Die zurückgezahlten Mittel verringern den Bruttoschaden, ändern aber nichts daran, dass die ursprünglichen Vorfälle erhebliche Risiken offenlegen. Eine Rückgabe ist kein Standardprozess, auf den Anleger bei einem künftigen Hack bauen können. Auch die monatlichen Schadenssummen sollten deshalb nicht mit endgültigen Verlusten gleichgesetzt werden, solange Rückzahlungen und mögliche Erstattungen noch nicht vollständig feststehen.
Bei Bitget bleibt die technische und forensische Aufarbeitung entscheidend, ebenso eine belastbare Einordnung der Verantwortlichen. Die Primärquelle verweist auf weitere Berichte zur Sicherheitslücke, liefert aber keine abschließende Attribution. Für Anleger macht der Fall deutlich, dass Risiken auch in Komponenten liegen können, die außerhalb des eigenen Geräts und der eigenen Kontrolle betrieben werden.
Verwahrung bleibt ein zentraler Risikofaktor
Die September-Bilanz verbindet zwei unterschiedliche Gefahren: den Angriff auf die Wallet-Infrastruktur einer Börse und einen Softwarefehler in einem Blockchain-Netzwerk. Wer seine Bestände auf Plattformen verwahrt, trägt damit auch Risiken aus deren internen Systemen und Drittanbieterprodukten. Eine eigene Verwahrung kann bestimmte Gegenparteirisiken reduzieren, bringt jedoch eigene Anforderungen an Schlüssel und Wiederherstellung mit sich; dazu zählt auch eine sichere Verwahrungsarchitektur.
Ein Hardware-Wallet zur sicheren Verwahrung von Kryptowährungen.
Kryptowährungen sind pseudonym, aber nicht automatisch anonym: Transaktionen können öffentlich nachvollziehbar sein, und regulierte Anbieter unterliegen je nach Dienstleistung KYC-Pflichten zur Identitätsprüfung. Dieser Überblick ist keine Anlageberatung. Anleger sollten ihre Verwahrung und die damit verbundenen Risiken eigenständig prüfen.
Raphael Adrian ist ein Krypto-Journalist und Analyst, der bei Coinspeaker über Krypto-News, PR-Inhalte und Marktanalysen schreibt. Hier gilt er als Lead-Autor und Experte für Kryptowährungs-Prognosen. Mit seinem journalistischen Hintergrund und seiner Spezialisierung auf Finanzen, Business und digitale Assets berichtet er seit Jahren über Blockchain-Trends, neue Projekte und Entwicklungen am Kryptomarkt.
Seine Kenntnisse in fundamentaler und technischer Analyse ermöglichen es ihm, Marktbewegungen fundiert zu bewerten, Potenziale von Projekten einzuordnen und datenbasierte Krypto-Prognosen zu erstellen. In seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf verständliche, recherchierte Inhalte, die Leser bei fundierten Entscheidungen im Kryptomarkt unterstützen.
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