XRP-Derivate verlieren an Gewicht – keine Entwarnung

XRP Binance verzeichnet weniger Liquidationsdruck: Das Open Interest sinkt, doch Spot-Käufe, Handelsvolumen und Preisstruktur müssen den Kurs stützen.

Raphael Adrian von Raphael Adrian Updated 3 Min. read
XRP-Derivate verlieren an Gewicht – keine Entwarnung

Nach wiederholten Liquidationsspitzen von Ende Juli bis September hat der Zwangsverkaufsdruck bei XRP auf Binance nachgelassen. Die Entspannung im Derivatemarkt ist jedoch kein Beleg für eine nachhaltige Erholung: Entscheidend ist, ob Spot-Käufe, Handelsvolumen und Preisstruktur den Kurs stützen. Das berichtet Bitcoin.com unter Berufung auf eine Analyse des CryptoQuant-Beitragenden „PelinayPA“.

Weniger Liquidationen entschärfen den Derivatemarkt

In den jüngsten Daten lagen die Liquidationen von Long-Positionen über denen von Short-Positionen. Das weist darauf hin, dass zuletzt stärker auf steigende Kurse gesetzte Positionen von Abwärtsbewegungen getroffen wurden. Der nachlassende Liquidationsdruck nimmt solchen Zwangsschließungen zwar einen Teil ihres unmittelbaren Einflusses, dreht die Marktrichtung aber nicht automatisch.

Auch das offene XRP-Derivatevolumen auf Binance ging zurück: Zwischen dem 22. August und dem 17. September sank das Open Interest laut Analyse um etwa 32 Prozent, von rund 323 Millionen auf 219 Millionen US-Dollar. Open Interest bezeichnet den Umfang der noch nicht geschlossenen Positionen und gibt damit einen Hinweis auf die im Markt gebundene Derivate-Exponierung.

Derivate verschaffen Preisexposure, aber keinen direkten Besitz des Tokens. Bei gehebelten Positionen fallen Gewinne und Verluste größer aus; reicht die hinterlegte Margin nicht mehr aus, kann die Börse Positionen zwangsweise schließen. Die Verbindung von Spot-XRP und Short-Futures zeigt, weshalb Derivatepositionierung und tatsächlicher XRP-Bestand getrennt betrachtet werden müssen.

Spot-Nachfrage bleibt der eigentliche Kurstest

Parallel zum Rückgang des Verkaufsdrucks sank die NVT-Kennzahl um 69,28 Prozent auf 36,97. NVT setzt die Marktkapitalisierung ins Verhältnis zum in US-Dollar gemessenen Onchain-Transaktionsvolumen. Ein niedrigerer Wert kann auf mehr Transfers, eine geringere Bewertung oder beides zurückgehen; für sich allein belegt er daher weder stärkere Nachfrage noch eine Kursstützung.

Santiment zählte im September 1.917 große Transaktionen und 3.647 neue Wallets, als XRP am 22. September über 1,60 US-Dollar stieg. Solche Aktivitätsdaten sind kein Kaufnachweis: Große Transfers können Verkäufe oder interne Bewegungen sein, und neue Adressen lassen nicht automatisch auf neue Anleger schließen. Ähnlich vorsichtig sind ETF-Flüsse zu lesen: US-Spot-XRP-ETFs verzeichneten im September 121,4 Millionen US-Dollar Nettozuflüsse, meldeten laut SoSoValue für den 2. Oktober aber 3,28 Millionen US-Dollar Nettoabflüsse, vollständig aus dem Bitwise-Fonds. Ihr gemeinsames Nettovermögen lag bei 1,658 Milliarden US-Dollar.

Eine goldene Münze mit dem XRP-Logo, die wie eine Armbanduhr an einem Handgelenk getragen wird.
XRP Kryptowährungs-Token als symbolisches Accessoire

Die ETF-Zahlen liefern einen zusätzlichen Blick auf die Nachfrage, ersetzen aber nicht den Nachweis tatsächlicher Käufe am Spotmarkt. Auch die Septemberzuflüsse garantieren keine Fortsetzung, während die Abflüsse vom 2. Oktober zeigen, dass sich die Fondsströme verändern können. Die Entwicklung institutioneller Nachfrage ist deshalb nur zusammen mit Kurs und Marktvolumen einzuordnen.

Handelsvolumen und Preisstruktur müssen mitziehen

Für einen belastbaren Aufwärtstrend braucht es laut der Analyse neben nachlassenden Liquidationen auch Spot-Käufe, ausreichendes Handelsvolumen und eine unterstützende Preisstruktur. Bleiben diese Bestätigungen aus, ist die geringere Zwangsverkaufsaktivität zunächst vor allem eine Entlastung im Derivatemarkt. Die Frage, ob Spot-nahe ETF-Nachfrage XRP trotz Marktvolatilität stabilisieren kann, hängt daher auch davon ab, ob sich die Flüsse in einer tragfähigen Kursentwicklung widerspiegeln.

Zu beobachten sind somit nicht nur Liquidationen, sondern auch die tatsächliche Spot-Aktivität und das Volumen. Der Zusammenhang zwischen Spot-XRP und Short-Futures kann die Einordnung der Positionierung ergänzen, ist aber kein Ersatz für eine eigene Bewertung der Marktrisiken.

Risikohinweis: Kryptowährungen sind pseudonym, nicht anonym; je nach Dienst und Rechtsraum können KYC-Pflichten gelten. Kryptoanlagen unterliegen erheblichen Risiken und können stark an Wert verlieren.

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Raphael Adrian

Raphael Adrian ist ein Krypto-Journalist und Analyst, der bei Coinspeaker über Krypto-News, PR-Inhalte und Marktanalysen schreibt. Hier gilt er als Lead-Autor und Experte für Kryptowährungs-Prognosen. Mit seinem journalistischen Hintergrund und seiner Spezialisierung auf Finanzen, Business und digitale Assets berichtet er seit Jahren über Blockchain-Trends, neue Projekte und Entwicklungen am Kryptomarkt. Seine Kenntnisse in fundamentaler und technischer Analyse ermöglichen es ihm, Marktbewegungen fundiert zu bewerten, Potenziale von Projekten einzuordnen und datenbasierte Krypto-Prognosen zu erstellen. In seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf verständliche, recherchierte Inhalte, die Leser bei fundierten Entscheidungen im Kryptomarkt unterstützen.

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