Laut Glassnode klafft im Bitcoin-Markt derzeit eine deutliche Lücke zwischen Derivatepositionierung und tatsächlichem Kaufverhalten: Während US-Spot-ETFs in der jüngsten Wochenbeobachtung 681,2 Mio. US-Dollar an Nettozuflüssen verzeichneten und Optionshändler verstärkt auf Calls setzen, blieb der Spot-CVD mit -29,6 Mio. US-Dollar negativ. Genau diese Diskrepanz rückt nach dem gescheiterten Versuch, die Marke von 80.000 US-Dollar zu halten, wieder in den Fokus.
Optionen und ETF-Zuflüsse stärken die Bullen
Bitcoin notierte am Dienstag laut CryptoSlate bei rund 78.800 US-Dollar, nachdem der jüngste Vorstoß über 80.000 US-Dollar nicht bestätigt werden konnte. Die klarste Veränderung zeigte sich im Optionsmarkt: Die 25-Delta-Skew drehte laut Glassnode von +0,79 Prozent auf -2,05 Prozent. Nach der Methodik des Analysehauses bedeutet das, Calls sind gegenüber Puts relativ teurer geworden – Trader zahlen also wieder mehr für Aufwärtsabsicherung.
Parallel dazu zogen die institutionellen Flows an: US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten in der aktuellen Wochenbeobachtung 681,2 Mio. US-Dollar an Nettozuflüssen, nach zuvor 247,8 Mio. US-Dollar. Der Anstieg liefert Kapitalzuflüsse parallel zur konstruktiveren Positionierung am Optionsmarkt und zeigt, dass regulierte Anlagevehikel trotz der Schwierigkeiten von Bitcoin oberhalb von 80.000 US-Dollar Nachfrage anzogen.
Spot-Verkäufer verhindern bislang die Bestätigung
Trotz der Fortschritte bei Optionen und ETFs bleibt die entscheidende Kennzahl im Minus. Der Spot-CVD von Glassnode – ein Indikator, der aggressives Kaufen gegen aggressives Verkaufen am Markt abgleicht – verbesserte sich zwar deutlich von -84,9 Mio. US-Dollar in der Vorwoche, notierte aber weiterhin bei -29,6 Mio. US-Dollar. Verkäufer dominieren den ausgeführten Spot-Handel also nach wie vor, wenn auch mit nachlassender Intensität.
Ähnliche Zurückhaltung zeigt der Perpetual-Futures-Markt: Der Perpetual-CVD blieb bei -176, während sinkende Long-Funding-Zahlungen darauf hindeuten, dass gehebelte Trader weniger bereit sind, einen Aufschlag für bullishe Positionen zu zahlen. Bemerkenswert ist das vor allem deshalb, weil das Futures-Open-Interest mit 37 Mrd. US-Dollar hoch bleibt – Leverage wurde also nicht abgebaut, aber auch nicht aggressiv in Richtung Long verschoben.
Bitcoin bleibt unter 80.000 US-Dollar unter Beobachtung
Mit rund 78.800 US-Dollar bewegt sich Bitcoin damit weiterhin unterhalb der psychologisch wichtigen Marke, an der sich die jüngste Rally zuletzt festbiss. Die Primärquelle liefert keine belastbare Prozentangabe zur unmittelbaren Kursreaktion, doch die Divergenz zwischen spekulativer Aufwärtspositionierung in Optionen und tatsächlicher Spot-Nachfrage bleibt das zentrale Risiko für einen nachhaltigen Ausbruch. ETF-Anleger, Optionshändler und Teilnehmer am Spotmarkt senden derzeit unterschiedliche Signale zur Stärke der Nachfrage.
Der Spot-CVD ist der nächste Bestätigungstest
Der nächste relevante Prüfstein liegt damit klar auf der Hand: Dreht der Spot-CVD bei anhaltend starken ETF-Zuflüssen ins Positive, hätte Bitcoin einen Beleg dafür, dass sich der in Optionen sichtbare Optimismus tatsächlich in direktes Kaufverhalten übersetzt. Bleibt der Verkaufsdruck am Spotmarkt hingegen bestehen, könnten Derivatehändler auf einen Ausbruch positioniert sein, den der zugrunde liegende Markt schlicht nicht trägt.
Kryptowährungen wie Bitcoin unterliegen hoher Volatilität, und Handelsdaten wie CVD oder Options-Skew können sich kurzfristig stark verschieben. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Für die Einordnung der aktuellen Marktlage sollten Anleger die Entwicklung von Spot-CVD, ETF-Zuflüssen und Derivatepositionierung fortlaufend beobachten.
Raphael Adrian ist ein Krypto-Journalist und Analyst, der bei Coinspeaker über Krypto-News, PR-Inhalte und Marktanalysen schreibt. Hier gilt er als Lead-Autor und Experte für Kryptowährungs-Prognosen. Mit seinem journalistischen Hintergrund und seiner Spezialisierung auf Finanzen, Business und digitale Assets berichtet er seit Jahren über Blockchain-Trends, neue Projekte und Entwicklungen am Kryptomarkt.
Seine Kenntnisse in fundamentaler und technischer Analyse ermöglichen es ihm, Marktbewegungen fundiert zu bewerten, Potenziale von Projekten einzuordnen und datenbasierte Krypto-Prognosen zu erstellen. In seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf verständliche, recherchierte Inhalte, die Leser bei fundierten Entscheidungen im Kryptomarkt unterstützen.
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