Ethereum steht möglicherweise vor seinem letzten Fork alter Schule. Vitalik Buterin ordnete den für 2027 geplanten Hegotá-Fork am Sonntag als das voraussichtlich letzte Upgrade ein, dessen Technologie für Entwickler noch unmittelbar erkennbar wäre, die Ethereum aus dem Jahr 2015 kennen. Danach, so der Ethereum-Mitgründer, dürfte sich der Charakter der Netzwerk-Updates grundlegend ändern.
Hegotá markiert möglicherweise das Ende der vertrauten Ethereum-Forks
Buterins Aussage bezieht sich konkret auf die Wiedererkennbarkeit der zugrundeliegenden Technik, nicht auf einen bestimmten Funktionsumfang. Alles, was nach Hegotá kommt, soll seiner Einschätzung nach auf Werkzeuge setzen, die mit dem heutigen Ethereum nur noch wenig gemein haben.
Vitalik Buterin bei TechCrunch London 2015
Warum Ethereum vor einem Architekturwechsel steht
Als Ausgangspunkt dieser Verschiebung nennt Buterin PeerDAS, eine Technik, mit der Nodes die Datenverfügbarkeit prüfen können, indem sie nur Teile der Daten stichprobenartig abrufen, statt den vollständigen Datensatz herunterzuladen. In der Primärquelle beschreibt er PeerDAS als Beginn des Übergangs von Ethereum weg von einer reinen Blockchain hin zu einer „much more powerful“ Architektur.
Vom Download und erneuten Ausführen zur kryptografischen Verifikation
Buterin beschreibt die angestrebte Entwicklung als Wandel zu einem „cryptographic world computer“ – einem System, das über das bloße Herunterladen und erneute Ausführen von Transaktionen hinausgeht. Stattdessen sollen Blockchain-Konsens, kryptografische Verifikation, Privatsphäre-Technologien und dezentrale Offchain-Komponenten kombiniert werden, unter anderem gestützt auf rekursive STARKs, automatisierte formale Verifikation, optimierten Konsens und quantensichere Kryptografie. Mehr Berechnung könnte dabei offchain stattfinden, während die Basisschicht Ergebnisse verifiziert, Transaktionen abwickelt und den Zugang zu einem gemeinsamen Onchain-Zustand sichert – Details zu Kandidaten wie FOCIL und Frame Transactions für den Hegotá-Fork werden derzeit weiter ausgearbeitet.
Ethereum-Forscher Barnabé Monnot sieht in diesem Modell die Chance, die benötigte Netzwerkarbeit deutlich zu reduzieren und leichtere Nodes zu ermöglichen, wenn Berechnungen offchain erfolgen und lediglich per Commitment und Beweis onchain bestätigt werden. Gleichzeitig betont er, dass ein „Weltcomputer“ wichtige Anwendungsdaten weiterhin direkt onchain vorhalten sollte, damit Nutzer Vorgänge einsehen und mit Anwendungen interagieren können, ohne auf externe Server oder Vermittler angewiesen zu sein.
Mehr Beweise bedeuten auch neue Komplexität
Nicht jeder in der Community teilt den Enthusiasmus uneingeschränkt. Krypto-Anwalt Gabriel Shapiro hinterfragte, wie groß die tatsächliche Nachfrage nach beweisbasierten Systemen gegenüber traditionellen, vertrauensbasierten Modellen überhaupt ist, da sich viele bestehende Finanzdienstleistungen auf Reputation, Regulierung und rechtliche Durchsetzung statt auf laufende kryptografische Verifikation stützen.
Der pseudonyme Kommentator Cryptographic sieht dagegen konkretes Potenzial für DeFi-Anwendungen: Komplexe Berechnungen – etwa Sicherheitenanalysen, Liquidationsrouting oder das Matching von Kreditgebern und -nehmern – könnten künftig außerhalb von Smart Contracts erfolgen, während Ethereum lediglich prüft, ob das Ergebnis den Protokollregeln entspricht und die Abwicklung übernimmt. Wie belastbar die Sicherheit dieser Architektur letztlich ist, hängt auch davon ab, wie breit die Validator-Infrastruktur aufgestellt bleibt – ein Punkt, der eng mit Fragen der Client-Diversität im Ethereum-Netzwerk zusammenhängt.
Hegotá als Orientierungspunkt für die nächste Ethereum-Phase
Für Anleger bleibt Hegotá zunächst vor allem ein technischer Wendepunkt, kein Kurskatalysator im engeren Sinn. Die Primärquelle liefert weder konkrete Zeitpläne für die genannten Folgetechnologien noch Hinweise auf eine Marktreaktion – Buterins Einordnung beschreibt eine mehrjährige Entwicklungsrichtung, deren praktische Umsetzung erst nach und nach sichtbar werden dürfte.
Kryptowährungen unterliegen erheblichen Kursschwankungen. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.
Raphael Adrian ist ein Krypto-Journalist und Analyst, der bei Coinspeaker über Krypto-News, PR-Inhalte und Marktanalysen schreibt. Hier gilt er als Lead-Autor und Experte für Kryptowährungs-Prognosen. Mit seinem journalistischen Hintergrund und seiner Spezialisierung auf Finanzen, Business und digitale Assets berichtet er seit Jahren über Blockchain-Trends, neue Projekte und Entwicklungen am Kryptomarkt.
Seine Kenntnisse in fundamentaler und technischer Analyse ermöglichen es ihm, Marktbewegungen fundiert zu bewerten, Potenziale von Projekten einzuordnen und datenbasierte Krypto-Prognosen zu erstellen. In seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf verständliche, recherchierte Inhalte, die Leser bei fundierten Entscheidungen im Kryptomarkt unterstützen.
Wir verwenden Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzung unserer Website zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website weiter nutzen, gehen wir davon aus, dass Sie damit zufrieden sind.