Der Supreme Court entscheidet voraussichtlich kurzfristig über die Rechtmäßigkeit zentraler Trump-Zölle – mit potenziell hohen Rückzahlungsrisiken für den US-Staat.
US-Finanzminister Scott Bessent drängt offen auf schnellere Zinssenkungen, Fed-Gouverneur Stephen Miran fordert gar 150 Basispunkte Kürzung für 2026.
Trump ordnet zugleich einen staatlichen Kauf von Hypothekenanleihen im Volumen von 200 Milliarden US-Dollar an – mit dem Ziel, Hypothekenzinsen zu drücken.
Cathie Wood (ARK Invest) hält Käufe für eine strategische Bitcoin-Reserve für immerwahrscheinlicher.
Der Oberste Gerichtshof der USA verhandelt über Trumps Zölle – mit potenziellen Milliardenrückzahlungen, die fiskalische Schockwellen auslösen könnten. Zeitgleich fordern hochrangige US-Offizielle Zinssenkungen, Trump lässt MBS im Wert von 200 Milliarden US-Dollar vom Staat aufkaufen und Cathie Wood spricht offen über Bitcoin als strategisches Asset für die US-Reservepolitik. Die USA stellen sich geld- und wirtschaftspolitisch neu auf – mit unklaren Folgen für Inflation, Anleihemärkte und Risikoassets.
Wenn Richter über Märkte entscheiden
Weil Zölle am Ende auf die Inflationsdebatte drücken, Lieferketten verteuern können und damit den Zinsausblick verändern, hat das natürlich einen großen Einfluss auf Bitcoin & Co. Selten hat ein Termin im Gerichtskalender so direkt nach Handelskalender gerochen.
In Washington steht eine Entscheidung des Supreme Court an, die klären soll, ob zentrale Teile von Trumps Zollpolitik auf Basis des Notstandsrechts überhaupt zulässig sind: Darf ein Präsident über dieses Instrument faktisch Zölle verhängen oder ist das eine Kompetenz, die in dieser Breite beim Kongress liegt? Im Raum stehen bis zu 150 Milliarden US-Dollar, die Trump im Fall einer Niederlage „zurückzahlen“ müsste.
Auch die Wettmärkte machen mit mit: Auf Polymarket lag die implizite Wahrscheinlichkeit dafür, dass der Supreme Court zugunsten von Trumps Zollbefugnissen entscheidet, zuletzt bei aktuell 24 Prozent; der Markt sieht eher die Gegenrichtung. Das ist natürlich noch längst keine Prognose, aber ein Stimmungsmesser, wo die Reise weiter hingehen könnte.
Bessent will weitere Zinssenkung – Miran will den großen Schnitt
Parallel wird der Druck auf die Notenbank politischer, offener, lauter. US-Finanzminister Scott Bessent hat am 8. Januar für weitere Zinssenkungen geworben und klar gemacht, dass niedrigere Zinsen aus seiner Sicht der Schlüssel für mehr Wachstum sind. Das ist bemerkenswert, weil sich an der Unabhängigkeit der Notenbank juristisch nichts ändert; kommunikativ aber sehr wohl. Wenn der Finanzminister so offensiv in die Debatte einsteigt, wird aus Geldpolitik plötzlich wieder ein Stück Machtpolitik.
Noch deutlicher wird es innerhalb der Fed selbst. Fed-Gouverneur Stephen Miran bringt für 2026 gleich 150 Basispunkte Zinssenkung ins Spiel – ausdrücklich mit Blick auf Arbeitsmarkt-Risiken. Damit prallen zwei Lager sichtbarer aufeinander: die Fraktion, die schnell lockern will, und jene, die lieber abwartet, weil sie Inflationsrückschläge fürchtet. Für die Märkte bedeutet das gleich doppelt Volatilität: Erstens wirkt die Fed nach außen uneinheitlicher, was Erwartungen schneller kippen lässt. Zweitens fällt diese Debatte in eine Phase, in der Trump ohnehin bald über die künftige Führung der Fed entscheiden könnte; ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor, der jede Zins-Äußerung auflädt.
Wenn gleichzeitig Zölle rechtlich wackeln, die Regierung stärker auf Lockerung drängt und innerhalb der Fed Stimmen nach vorne preschen, wird jeder Makro-Datenpunkt zur potenziellen Zündschnur – auch für Bitcoin.
Treasury Secretary Scott Bessent called for the Federal Reserve to continue cutting interest rates, extending his pressure campaign on US monetary policymakers https://t.co/98f7EKdDXp
Als würde das nicht reichen, kommt ein zusätzlicher Punkt hinzu, der in der Krypto-Bubble schnell als „Printer“-Narrativ landet: Trump hat angeordnet, dass die US-Regierung Hypothekenanleihen im Volumen von 200 Milliarden US-Dollarkauft, um Hypothekenzinsen zu senken. Der politische Claim lautet: „Wir bringen den amerikanischen Traum zurück“ – sprich: Wohneigentum wieder erreichbar machen.
Staatliche Nachfrage nach MBS (Mortgage-Backed Securities) kann Renditen in diesem Segment drücken, Refinanzierung erleichtern und damit – zumindest in der Theorie – Liquidität und Risikobereitschaft stützen. Dass Märkte das sofort als „Liquiditätsstory“ lesen, ist nachvollziehbar, auch wenn die tatsächliche Wirkung von Details (Timing, Umsetzung, Gegenfinanzierung) abhängt, die in der öffentlichen Anordnung nicht vollständig ausbuchstabiert sind.
Militärbudget auf 1,5 Billionen: Fiskalpolitik bleibt laut
Ebenfalls frisch: Trump hat angekündigt, das US-Verteidigungsbudget bis 2027 auf 1,5 Billionen US-Dollar anheben zu wollen. Das ist nicht nur Geopolitik, sondern auch Fiskalpolitik – und damit wieder ein Faktor für Renditen, Defizitdebatte und den Dollar. Denn egal ob man das politisch gutheißt oder nicht: Wenn der Staat mehr ausgibt, landet man schnell bei der Frage, wie das finanziert wird – über Steuern, Schulden oder Umschichtungen. Mehr Defizitdruck bedeutet mehr politischen Druck auf lockere Finanzierungsbedingungen.
„I have determined that, for the Good of our Country, especially in these very troubled and dangerous times, our Military Budget for the year 2027 should not be $1 Trillion Dollars, but rather $1.5 Trillion Dollars…“ – President Donald J. Trump pic.twitter.com/v7SxF7W8r7
Cathie Wood und Senatorin Lummis stimmen pro Bitcoin
In einem öffentlichen Talk äußerte Wood laut mehreren Berichten die Überzeugung, dass Bitcoin spätestens zur Midterm-Wahl 2026 als geopolitisches Asset und Reservewährung stärker in den Fokus der US-Regierung rücken könnte. Die Motivation dahinter sei nicht rein ökonomischer Natur, sondern auch strategisch und symbolpolitisch getrieben. Der Krypto-Markt, so Woods Subtext, ist längst nicht mehr nur eine Frage von Technologie und Finanzen – sondern ein geopolitisches Spielfeld.
Wood argumentiert, dass die Kombination aus geopolitischen Spannungen, digitaler Souveränität und „America First“-Rhetorik Bitcoin zu einem politischen Werkzeug machen könnte. Die Überlegung: Wer Bitcoin besitzt, sichert sich Zugriff auf die digitale Infrastruktur der Zukunft – unabhängig von China, Europa oder institutionellen Zwängen.
Es gibt in den USA auch den Streit darüber, wie beschlagnahmte Bestände behandelt werden. Coinspeaker berichtet etwa über Kritik von Senatorin Cynthia Lummis, wonach das Justizministerium weiterhin Bitcoin veräußere, obwohl es politische Signale gebe, Bestände eher zu bewahren, Coinspeaker berichtete.
Fazit: Bitcoin ist längst politisch
Zinsen runter, Liquidität rauf, Risikoassets hoch – aber alles unter politischen Vorzeichen. Die US-Notenbank steht unter wachsendem Druck, fiskalische Ausgaben explodieren und Bitcoin rückt wieder ins Visier strategischer Staatsüberlegungen.
Ob das alles nachhaltig bullisch ist? Das hängt nicht nur von Narrativen ab, sondern von konkreten Entscheidungen: Kommt die Zinssenkung früher? Bricht das Fiskalversprechen? Wird aus Bitcoin wirklich eine strategische Reserve?
Pia ist Web3- und AI-Enthusiastin. Als studierte Geisteswissenschaftlerin liebt sie es, den Zeitgeist innerhalb der Gesellschaft zu beobachten und zu analysieren. Ehemalig im Think Tank und Forschungszentrum der Frankfurt School of Finance als Bitcoin-Talent und NFT-Talent im Frankfurt Blockchain Center. Wenn sie nicht gerade schreibt, surft sie gerne am Atlantik.
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