MiCA vor Überarbeitung: Circle drängt auf flexible Stablecoin-Regeln

Circle fordert für MiCA Stablecoin-Regeln ohne feste Bankquoten und warnt vor Nachteilen für globale Anbieter bei der geplanten EU-Reform.

Raphael Adrian von Raphael Adrian Updated 3 Min. read
MiCA vor Überarbeitung: Circle drängt auf flexible Stablecoin-Regeln

Circle hat der Europäischen Kommission Änderungen an den MiCA-Regeln für Stablecoins vorgeschlagen: Statt fester Bankeinlagenquoten fordert der Emittent von USDC und EURC flexiblere Liquiditätsvorgaben. Der Streit betrifft auch Konzentrationslimits und die Frage, ob globale Stablecoins stärker in den EU-Aufsichtsrahmen gelangen oder weiterhin außerhalb bleiben – laut Circle sind derzeit nur drei der 25 größten Stablecoins nach Marktkapitalisierung MiCA-reguliert.

Reservepflichten und Multi-Issuance im Mittelpunkt

MiCA verlangt von E-Geld-Token-Emittenten, mindestens 30 Prozent ihrer Reserven als Einlagen bei Geschäftsbanken zu halten. Für als „significant“ eingestufte Tokens steigt die Vorgabe auf 60 Prozent. Circle hält diese festen Quoten für problematisch, weil sie Emittenten stärker dem Kreditrisiko des Bankensektors aussetzen könnten.

Detail der Steinfassade des Bangkok Bank Gebäudes mit einem goldenen Emblem und thailändischer Schrift.
Die Fassade des Bangkok Bank Gebäudes.

Statt eines vorgeschriebenen Anteils bei Banken spricht sich das Unternehmen für eine flexiblere Liquiditätsanforderung aus. Maßgeblich wäre dann stärker, wie schnell Reserven für Rückgaben verfügbar sind. Bei dieser Forderung stellt Circle sich nach eigener Darstellung auf die Seite der Europäischen Zentralbank.

Ein weiterer Punkt ist die sogenannte Multi-Issuance: Eine EU-zugelassene Gesellschaft könnte gemeinsam mit einer im Ausland regulierten Einheit denselben global zirkulierenden Stablecoin ausgeben. Circle warnt, Einschränkungen dieses Modells könnten Aktivität ins Ausland verlagern, statt mehr Anbieter unter EU-Aufsicht zu bringen. Zudem möchte das Unternehmen eine Grenze von 35 Prozent für das Engagement gegenüber einem einzelnen Staat und Beschränkungen für Einlagen bei einer einzelnen Bank aufheben. Die geltenden Vorgaben könnten große Emittenten nach Circles Einschätzung dazu zwingen, Reserven auf Dutzende Banken zu verteilen.

Der Streit um Stablecoin-Regeln reicht über die Reservehaltung hinaus: Unterschiedliche Vorgaben beeinflussen auch, wie Emittenten ihre Geschäftsmodelle gestalten und welche Anreize Nutzer erhalten. Das zeigt sich etwa bei der Debatte um USDC-Erträge und die Regulierung von Stablecoins.

Wettbewerb um globale Stablecoins und EU-Zugang

Circle stellt seine Vorschläge als Anpassungen an einem Regelwerk dar, dem es Europas frühen regulatorischen Vorsprung zugutehält. Zugleich ordnet der Primärbericht die Eingabe in einen größeren Wettbewerb um Stablecoins ein: US-Emittenten expandieren international, während Washington dollarbasierte Tokens zunehmend als Möglichkeit betrachtet, die globale Reichweite des US-Dollars zu stärken.

Damit steht die EU vor einer Abwägung: Bleiben große globale Stablecoins außerhalb des MiCA-Rahmens, könnte die Regulierung zwar klare Anforderungen an zugelassene Anbieter setzen, aber einen Teil des internationalen Marktes nicht erfassen. Der praktische Zugang zu Krypto-Assets hängt dabei auch von der Umsetzung auf nationaler Ebene ab, wie der MiCA-Kontext in Polen verdeutlicht.

Für Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist noch keine konkrete Änderung bei Börsenangeboten oder Handelsmöglichkeiten belegt. Sollten globale Stablecoins außerhalb des EU-Rahmens bleiben, könnte das jedoch die Auswahl regulierter Token bei EU-orientierten Plattformen beeinflussen. Mögliche Folgen für USDC-Liquidität und grenzüberschreitende Zahlungen sind daher Szenarien, keine bereits eingetretenen Entwicklungen; Stablecoins werden auch für solche Zahlungsanwendungen diskutiert.

MiCA-Überarbeitung 2027 als nächster Prüfstein

Die Eingabe fällt in eine Phase, in der die EU eine umfassendere MiCA-Überarbeitung vorbereitet. Der Primärbericht erwartet die Überarbeitung für 2027 und nennt ausländische Stablecoin-Emittenten als einen wichtigen Bezugspunkt. Offen ist, ob die EU Multi-Issuance beibehält, die Bankeinlagenquoten durch flexiblere Liquiditätsregeln ersetzt und die Konzentrationslimits verändert.

Die moderne Glasfassade des Bernera-Gebäudes der Europäischen Kommission in Brüssel.
Gebäude der Europäischen Kommission

Circles Kernargument lautet, dass MiCA zwar regulierte Emittenten hervorgebracht, aber nur wenige der größten globalen Stablecoins erfasst hat. Mehr Flexibilität könnte den Zugang solcher Anbieter zum EU-Rahmen erleichtern; sie müsste jedoch gegen Risiken für Banken, Liquidität und Verbraucherschutz abgewogen werden. Bis zur Überarbeitung 2027 bleiben die bestehenden Reserve- und Konzentrationsvorgaben maßgeblich.

Kryptowerte sind mit erheblichen Risiken verbunden. Auch bei Stablecoins und Zahlungsanwendungen sollten Nutzer Risiken und geltende Anforderungen eigenständig prüfen.

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Raphael Adrian

Raphael Adrian ist ein Krypto-Journalist und Analyst, der bei Coinspeaker über Krypto-News, PR-Inhalte und Marktanalysen schreibt. Hier gilt er als Lead-Autor und Experte für Kryptowährungs-Prognosen. Mit seinem journalistischen Hintergrund und seiner Spezialisierung auf Finanzen, Business und digitale Assets berichtet er seit Jahren über Blockchain-Trends, neue Projekte und Entwicklungen am Kryptomarkt. Seine Kenntnisse in fundamentaler und technischer Analyse ermöglichen es ihm, Marktbewegungen fundiert zu bewerten, Potenziale von Projekten einzuordnen und datenbasierte Krypto-Prognosen zu erstellen. In seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf verständliche, recherchierte Inhalte, die Leser bei fundierten Entscheidungen im Kryptomarkt unterstützen.

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