Ripple-Chef vs. Jamie Dimon: Kampf um Billionen-Zahlungsmarkt
Ripple-CEO Brad Garlinghouse wirft JPMorgan-Chef Jamie Dimon vor, den Clarity Act zu blockieren, um ein 20-Milliarden-Dollar-Zahlungsgeschäft zu schützen.
Jamie Dimons Ablehnung der Stablecoin-Rendite-Klausel im Clarity Act wurde in mehreren Auftritten deutlich.
Zuletzt äußerte er sich in einem Interview mit Maria Bartiromo von Fox Business – demselben Format, in dem er zuvor Brian Armstrong, den Mitbegründer und CEO von Coinbase, für dessen Unterstützung des Gesetzes angegriffen hatte.
In jenem Auftritt im Mai bezeichnete Dimon Armstrong als den „Einzigen“, der auf die Aufnahme der Stablecoin-Renditen dränge.
Brad Garlinghouse, CEO von Ripple und eine der einflussreichsten Stimmen im Bereich des institutionellen Krypto-Sektors, erhob diese Woche bei Fox Business schwere Vorwürfe gegen Jamie Dimon. Er beschuldigte den Chef von JPMorgan Chase, den Digital Asset Market Clarity Act von 2025 (H.R. 3633) bewusst falsch darzustellen. Laut Garlinghouse dient dies primär dem Schutz einer Zahlungssparte, die einen Jahresumsatz von rund 20 Milliarden US-Dollar und geschätzte Gewinne von über 5 Milliarden US-Dollar generiert.
Der zentrale Streitpunkt ist eine spezifische Klausel in dem Gesetzesentwurf, die es Krypto-Börsen erlauben würde, ihren Nutzern Renditen auf Stablecoins anzubieten. Jamie Dimon lehnt diese Bestimmung öffentlich ab, und die Bankenlobby hat sie zu ihrem wichtigsten legislativen Angriffsziel erklärt.
Hierbei handelt es sich nicht bloß um eine Debatte über regulatorische Philosophien oder Compliance-Strukturen. Es ist ein struktureller Machtkampf um die Kontrolle über die nächste Generation digitaler, auf Dollar lautender Zahlungsinstrumente. Im Kern geht es darum, ob diese Instrumente lediglich als reine Transaktionsschienen fungieren – was der Bankensektor bevorzugt – oder ob sie als renditeträchtige Produkte direkt mit Bankeinlagen um das Kapital der Haushalte konkurrieren.
Nutzer des Prognosemarktes Polymarket beziffern die Wahrscheinlichkeit, dass der Clarity Act noch in diesem Jahr unterzeichnet wird, derzeit auf 49 %. Dies entspricht einem Rückgang von etwa 18 Prozentpunkten gegenüber der Vorwoche – eine Entwicklung, die die tiefe Unsicherheit widerspiegelt, die durch diesen branchenübergreifenden Konflikt entstanden ist.
Dimons Widerstand: JPMorgans 20-Milliarden-Dollar-Franchise und die Logik der Banken
Jamie Dimons Ablehnung der Stablecoin-Rendite-Klausel im Clarity Act wurde in mehreren Auftritten deutlich. Zuletzt äußerte er sich in einem Interview mit Maria Bartiromo von Fox Business – demselben Format, in dem er zuvor Brian Armstrong, den Mitbegründer und CEO von Coinbase, für dessen Unterstützung des Gesetzes angegriffen hatte.
In jenem Auftritt im Mai bezeichnete Dimon Armstrong als den „Einzigen“, der auf die Aufnahme der Stablecoin-Renditen dränge. Er behauptete zudem, Coinbase würde „Hunderte Millionen Dollar in Washington“ für diese Bemühungen ausgeben, und kanzelte Armstrong mit den Worten ab, dieser rede „völligen Unsinn“ (original: „full of shit“). In seinen jüngsten Kommentaren, auf die Garlinghouse direkt reagierte, argumentierte Dimon, dass der Clarity Act die Compliance-Vorgaben aufweiche und Bedingungen schaffe, unter denen illegale Aktivitäten leichter durchgeführt werden könnten.
JPMorgan CEO Jamie Dimon: "We will fight the CLARITY Act. If we lose, we lose, and we'll live. But it will be fought."
"Nobody is going to bow down to Brian Armstrong or Coinbase… He is full of sh*t" pic.twitter.com/okbuiu2Q0s
Bei der genannten Summe von 20 Milliarden US-Dollar ist eine differenzierte Betrachtung geboten. JPMorgan weist die Einnahmen aus dem Zahlungsverkehr nicht als eigenständige Position in der öffentlichen Berichterstattung aus, was eine präzise Überprüfung erschwert. Dennoch halten Analysten der Branche diese Größenordnung angesichts der offengelegten Daten zum Zahlungsverkehr mit Groß- und Privatkunden für eine plausible Schätzung des gefährdeten Geschäftsbereichs.
Die strukturelle Logik hinter dem Widerstand der Banken lässt sich aus öffentlich zugänglichen Quellen herleiten. Die American Bankers Association und das Bank Policy Institute gaben Anfang des Jahres eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie die Renditebestimmungen offiziell ablehnten. Sie argumentierten, dass renditebringende Stablecoins als Ersatz für Einlagen fungieren würden. Dies würde Ersparnisse aus dem Bankensystem abziehen und die Kapazität zur Kreditvermittlung verringern – ein Punkt, den Regulierungsbehörden und Gemeinschaftsbanken gleichermaßen als systemisches Risiko anführen.
Es liegt jedoch die Vermutung nahe, dass Dimons offiziell geäußerte Bedenken – die oft als Sorge um Compliance und die Erleichterung krimineller Aktivitäten formuliert werden – nicht die primäre kommerzielle Motivation von JPMorgan widerspiegeln. Das von Garlinghouse vorgebrachte Argument des Bestandsschutzes für das eigene Franchise erscheint als die analytisch ehrlichere Erklärung für die Position der Bank.
Ein Bericht des Council of Economic Advisers des Weißen Hauses vom April 2026 kam zu dem Ergebnis, dass ein vollständiges Verbot von Stablecoin-Renditen die Kreditvergabe der Banken lediglich um 2,1 Milliarden US-Dollar erhöhen würde – was einer Steigerung des gesamten Kreditangebots um winzige 0,02 % entspricht. Gleichzeitig entstünden den Verbrauchern geschätzte Wohlfahrtsverluste von netto 800 Millionen US-Dollar. Dieses Verhältnis stützt kaum die von Dimon öffentlich inszenierte Darstellung eines systemischen Risikos.
Dieselbe Analyse ergab zudem, dass Großbanken 76 % jeder durch ein Renditeverbot ermöglichten zusätzlichen Kreditvergabe für sich beanspruchen würden, während auf Gemeinschaftsbanken nur 24 % entfielen. Diese Verteilung deckt sich exakt mit der Interessengruppe, die am stärksten von dem regulatorischen Ergebnis profitieren würde, das Dimon derzeit forciert.
Raphael Adrian ist ein Krypto-Journalist und Analyst, der bei Coinspeaker über Krypto-News, PR-Inhalte und Marktanalysen schreibt. Hier gilt er als Lead-Autor und Experte für Kryptowährungs-Prognosen. Mit seinem journalistischen Hintergrund und seiner Spezialisierung auf Finanzen, Business und digitale Assets berichtet er seit Jahren über Blockchain-Trends, neue Projekte und Entwicklungen am Kryptomarkt.
Seine Kenntnisse in fundamentaler und technischer Analyse ermöglichen es ihm, Marktbewegungen fundiert zu bewerten, Potenziale von Projekten einzuordnen und datenbasierte Krypto-Prognosen zu erstellen. In seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf verständliche, recherchierte Inhalte, die Leser bei fundierten Entscheidungen im Kryptomarkt unterstützen.
Wir verwenden Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzung unserer Website zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website weiter nutzen, gehen wir davon aus, dass Sie damit zufrieden sind.Ok